17. Februar 2011
Unter einer sekundären Enuresis versteht man eine Form des Bettnässens. Als Ursachen werden vor allem psychische Gründe vermutet.
Mit dem Begriff Enuresis bezeichnet man die unkontrollierte Entleerung von Harn bei Kindern, die älter als vier oder fünf Jahre sind. Dabei unterscheidet man zwischen einer primären und einer sekundären Enuresis.
Über zehn Prozent aller fünf- bis sechsjährigen Kinder sind nicht in der Lage ihren Harndrang zu kontrollieren. Vor allem in der Nacht kommt es zum ungewollten Ablassen von Urin. Unterteilt wird die Enuresis in verschiedene Subformen. So differenziert man zwischen der Enuresis diurna (Urinabgang am Tag) und der Enuresis nocturna (Urinabgang in der Nacht). Eine weitere Unterteilung erfolgt in primäre und sekundäre Enuresis. Während bei einer primären Enuresis das Kind noch nie über einen längeren Zeitraum trocken war, konnte das Kind bei einer sekundären Enuresis seinen Harndrang mindestens sechs Monate lang kontrollieren, bevor es zum Bettnässen kam.
Zu einer sekundären Enuresis kommt es zumeist durch psychische Probleme. So kann es sich beim Bettnässen um ein unbewusstes Signal handeln, das etwas nicht in Ordnung ist. Wenn ein Kind wieder einnässt, obwohl es bereits längere Zeit trocken war, sind oftmals unerwartete Veränderungen in seinem Leben, die zur Verunsicherung führen, der Auslöser für eine sekundäre Enuresis. Mögliche Gründe können beispielsweise der Verlust eines Mitglieds der Familie, Umgebungsveränderung, die Geburt eines Bruders oder einer Schwester, Trennungserlebnisse, Familienstreitigkeiten, Scheidung der Eltern oder häusliche Gewalt sein. Aus Angst oder Stress beginnt das betroffene Kind wieder mit dem Einnässen.
Eine sekundäre Enuresis kann aber auch von urologischen Erkrankungen hervorgerufen werden. So haben wiederholte Harnwegsinfekte oftmals Funktionsstörungen der Blase zur Folge. Aufgrund der entzündeten Harnwege verspürt das betroffene Kind ständigen Harndrang. Schließlich verliert es die Kontrolle über die Blase, die es zuvor erlernt hat. Häufig auftretende Harnwegsinfekte können auch durch Fehlbildungen der Harnwege hervorgerufen werden. In diesem Fall muss die Fehlbildung operativ korrigiert werden, damit sich die Blasenentzündungen und damit auch die Enuresis bessern können.
Bettnässen wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als behandlungswürdige Krankheit eingestuft. Für die Behandlung einer sekundären oder primären Enuresis gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten. Welche Behandlung zur Anwendung kommt, hängt von der ärztlichen Diagnose ab. Mithilfe einer Verhaltentherapie erleichtert man dem Kind die Blasenkontrolle. Für die Motivation des Kindes wird häufig ein spezieller Sonne-Wolken-Kalender empfohlen. Auf diesem kennzeichnet man die trockenen Tage mit einer Sonne und die Tage, an denen eingenässt wurde, mit einer Wolke. An Sonnentagen sollte das Kind ausdrücklich gelobt werden. Kommt es zum Einnässen, darf das Kind jedoch keinesfalls bestraft werden. Hilfreich zur Entlastung von Eltern und Kind, ist die Verwendung von waschbaren Bettdecken, Windeln und Unterlagen aus Gummi. Eine andere Therapiemöglichkeit ist der Einsatz einer Klingelmatte oder Klingelhose, was man auch als Alarmtherapie bezeichnet. Auf diese Weise lernt das Kind auf die körpereigenen Signale zu achten. Sowie die ersten Urintropfen abgehen, wird von der Klingelhose ein lautes Signal ausgelöst. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Eltern in der Nähe des Kindes schlafen. Nach dem Ertönen des Signals wird das Kind geweckt und zur Toilette gebracht. Bestehen Störungen der Blasenfunktion, werden auch Medikamente wie Desmoprossin verabreicht.
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