Autoimmune Hepatitis - Formen, Ursachen, Symptome und Behandlung

Bei der autoimmunen Hepatitis oder auch Autoimmunhepatitis handelt es sich um eine chronische und entzündliche Lebererkrankung. Die genaue Ursache für die Entstehung einer autoimmunen Hepatitis ist noch nicht bekannt. Wie die Erkrankung verläuft, ist individuell verschieden. Die Diagnose stellt der behandelnde Hausarzt oder ein Internist. Informieren Sie sich über Formen, Ursachen, Symptome und Behandlung der autoimmunen Hepatitis.

Die Entstehung einer autoimmunen Hepatitis und wie man sie behandeln und erkennen kann

Krankheitsbild autoimmune Hepatitis

Bei der autoimmunen Hepatitis, die auch als Autoimmunhepatitis bezeichnet wird, handelt es sich um eine chronische und entzündliche Erkrankung der Leber, die zu den Autoimmunkrankheiten gehört. Dabei werden die Leberzellen von dem körpereigenen Immunsystem attackiert.

Die autoimmune Hepatitis tritt eher selten auf. An den chronischen Leberkrankheiten hat sie lediglich einen Anteil von rund 5 Prozent.

Betroffen von der Krankheit sind vor allen Frauen unter 30 Jahren. Da die Zellen der Leber vom Immunsystem des Körpers angegriffen werden, kommt es zu einer Hepatitis (Leberentzündung). Darüber hinaus besitzt die Leber bei einer Autoimmunhepatitis keine Immuntoleranz mehr.

Man unterscheidet verschiedene Formen der autoimmunen Hepatitis. Diese Untertypen definiert man, indem man Antikörper nachweist.

Lupoide Hepatitis - Autoimmunhepatitis Typ I

Die häufigste Autoimmunhepatitis-Form ist Typ I, die auch als lupoide Hepatitis bezeichnet wird und etwa vier Fünftel aller Erkrankungen ausmacht. Zu einer lupoiden Autoimmunhepatitis kommt es vor allem im Alter zwischen 20 und 40 Jahren.

Bei ca. 40-70 Prozent der Betroffenen besteht ein erhöhter Wert für Antikörper. Außerdem sind in 70-100 Prozent der Fälle SMA-Antikörper vorhanden. Darüber hinaus kommt es oftmals zu Symptomen des systemischen Lupus erythematodes. Wird die Erkrankung nicht medizinisch behandelt, führt sie zum Tode.

LKM-positive Hepatitis - Autoimmunhepatitis Typ II

Während Typ I, die Lupoide Hepatitis, vier Fünftel der Krankheit ausmacht und vorwiegend im Alter zwischen 20 und 30 Jahren auftritt, kommt Typ II, die LKM-positive Hepatitis, vor allem bei Kindern oder Jugendlichen vor. Typisch für die LKM-positive Hepatitis ist das Auftreten von LKM-Antikörpern.

Diese Antikörper sind bei anderen Formen der Autoimmunen Hepatitis nicht zu finden. Typ II kommt deutlich seltener vor als Typ I und betrifft etwa zehn Prozent aller an Autoimmunhepatitis Erkrankten.

SLA-positive Hepatitis - Autoimmunhepatitis Typ III

Einen Sonderfall stellt Typ III, die SLA-positive Hepatitis, dar. In früheren Jahren betrachtete man das Vorhandensein von SLA-Antikörpern als eigenständige Entität.

Der klinische Verlauf ist jedoch Typ I sehr ähnlich. Daher gilt die SLA-positive Hepatitis in der heutigen Zeit nicht mehr als eigenständige Form und wird stattdessen Typ I zugerechnet.

Ursachen

Bei der autoimmunen Hepatitis greift das körpereigene Immunsystem die Zellen der Leber an und zerstört sie. Warum das Immunsystem dies plötzlich tut, ist noch unklar.

Möglicherweise wird die Erkrankung vererbt. Viele Patienten erkranken um die Pubertät oder die Wechseljahre herum, so dass vermutlich die Hormone eine Rolle bei der Entstehung der autoimmunen Hepatitis spielen.

Man vermutet, dass andere Erkrankungen eine Autoimmunhepatitis auslösen können. So leiden ungefähr 60 Prozent der Patienten unter weiteren Autoimmunerkrankungen wie

Als mögliche Ursachen diskutiert werden ebenso

Verlauf

Von dieser Form der Hepatitis ist sowohl eine akute als auch eine chronische Erkrankung bekannt. Die Erkrankung beginnt mit der akuten Form, bei der die Patienten eine Leberentzündung aufweisen. Oftmals innerhalb kurzer Zeit wandelt sie sich dann -je nach Art der autoimmunen Hepatitis- oftmals schnell in eine chronische Erkrankung um.

Patienten mit einer chronischen autoimmunen Hepatitis haben eine Leberzirrhose, die unbehandelt tödlich verlaufen kann. Die Leberzirrhose kann sich zu Leberkrebs entwickeln und aus diesem Grund auch eine Lebertransplantation notwendig machen. Da viele Patienten beschwerdefrei sind, wird diese Form der Hepatitis oftmals auch erst dann diagnostiziert, wenn bereits eine Leberzirrhose besteht.

Wird die autoimmune Hepatitis frühzeitig erkannt und behandelt, hat der Patient eine normale Lebenserwartung. Die Medikamente müssen jedoch in der Regel langfristig eingenommen werden, da sich die Hepatitis sonst erneut bilden kann.

Es handelt sich bei dieser Erkrankung um eine sehr seltene Form der Hepatitis, die unbehandelt immer tödlich endet.

Symptome

Patienten mit einer autoimmunen Hepatitis haben gelbe Augen, das heißt, der Bereich des Auges, der bei gesunden Menschen weiß ist, verfärbt sich bei der Hepatitis gelb. Auch die gesamte Haut des Körpers hat eine gelbliche Färbung.

Die Patienten fühlen sich müde, ausgelaugt und bemerken, dass sie körperlich und geistig nicht mehr so belastbar sind. Zusätzlich haben die Patienten Schmerzen im rechten Oberbauch, wenn in diesem Bereich Druck ausgeübt wird.

Einige Patienten verspüren auch

Außerdem kann es auch zu Beschwerden an anderen Organen kommen wie beispielsweise

Es gibt jedoch auch Patienten, die keinerlei Beschwerden verspüren.

Diagnose

Besonders bei Patienten, die keine Symptome verspüren, wird die Diagnose autoimmune Hepatitis oder (auch Autoimmunhepatitis genannt) meist zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung gestellt. Der Arzt führt eine körperliche Untersuchung durch und tastet dabei auch die Leber von außen ab.

Zusätzlich erfolgt eine Blutuntersuchung. Hier werden zum Beispiel die Leberwerte bestimmt, die bei einer Hepatitis erhöht sind. Zusätzlich können Antikörper im Blut bestimmt werden, so dass man genau herausfinden kann, um welche Form der autoimmunen Hepatitis es sich handelt.

Zusätzlich führt der Arzt auch eine Ultraschalluntersuchung durch und betrachtet im Rahmen dieser Untersuchung besonders die Leber. Je nach Befund kann auch die Untersuchung einer Gewebeprobe aus der Leber notwendig sein. Die Probe wird im Rahmen einer Leberbiopsie gewonnen und anschließend im Labor unter dem Mikroskop betrachtet.

Behandlung

Patienten mit einer Autoimmunhepatitis erhalten Medikamente, so genannte immunsuppressive Medikamente (unter anderem Kortison), die über mehrere Jahre hinweg eingenommen werden müssen.

Im weiteren Verlauf der Therapie werden die Dosen dann deutlich herabgesetzt. Damit die Nebenwirkungen der Glukokortikoide reduziert werden, verabreicht man zusätzlich Azathioprin. In den meisten Fällen wird durch die medikamentöse Behandlung eine Besserung der Beschwerden und der Leberwerte erreicht.

Diese Medikamente beeinflussen, das Immunsystem, so dass dieses nicht weiter die eigenen Leberzellen zerstört. Dabei handelt es sich um Medikamente wie Azathioprin und Kortikoide.

Nach einigen Jahren werden die Medikamente oftmals abgesetzt, um die Reaktion des Körpers kontrollieren zu können. Bildet sich keine Leberentzündung mehr, ist die Behandlung beendet; beginnt die Hepatitis von neuem, muss der Patient weitere Jahre die Tabletten einnehmen. Meist ist bei der Behandlung der autoimmunen Hepatitis eine Langzeittherapie nötig.

Wurde die Erkrankung zu spät erkannt und es hat sich bereits eine schwere Leberzirrhose gebildet, kann auch eine Lebertransplantation notwendig sein. Dies kommt jedoch relativ selten vor.

Der Patient benötigt dann ein neues Organ eines Spenders. Auch Patienten, die auf die medikamentöse Therapie nicht ansprechen, benötigen oftmals eine Organtransplantation, wenn ihre Leber zu versagen droht.

Vorbeugung

Da die genauen Ursachen der Erkrankung noch nicht bekannt sind, kann man der autoimmunen Hepatitis nicht vorbeugen.

Quellen:

  • Uwe Beise, Silke Heimes, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Ingo Blank: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2020, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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