Akutes Nierenversagen - Ursachen, Symptome, Behandlung und Vorbeugemöglichkeiten

Ein akutes Nierenversagen verläuft in verschiedenen Krankheitsstadien; man unterscheidet dabei drei Formen. Die meisten Betroffenen leiden unter dem prärenalen akuten Nierenversagen. Eine Blutvergiftung oder auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen zu den möglichen Auslösern. Die Diagnose stellt der Hausarzt oder Internist. Lesen Sie alles Wissenswerte über das akute Nierenversagen.

Die Entstehung eines akuten Nierenversagens und wie man es erkennen und behandeln kann

Ursachen

Ärzte unterscheiden drei Formen des akuten Nierenversagens:

  • prärenales akutes Nierenversagen
  • postrenales akutes Nierenversagen und
  • renales akutes Nierenversagen

Etwa acht von zehn Patienten leiden unter dem so genannten prärenalen akuten Nierenversagen. Die Ursache sind hier Erkrankungen im Herz-Kreislauf-Bereich oder auch eine Blutvergiftung.

Diese Form des akuten Nierenversagens entwickelt sich in vielen Fällen auch als Folge einer schweren Operation, bei dem der Patient viel Blut verloren hat. Durch diese Erkrankungen werden die Nieren nicht mehr richtig durchblutet, so dass die Nieren ihre normale Arbeit nicht mehr verrichten können.

Harn- oder Nierensteine können die Ursache für ein so genanntes postrenales akutes Nierenversagen sein. Der Urin kann hier nicht mehr richtig abfließen, da die Steine die Harnwege verengen.

Die dritte Form des akuten Nierenversagens ist das renale akute Nierenversagen. Dieses kann durch die Einnahme bestimmter Medikamente verursacht werden.

Risikofaktoren

Es gibt einige Faktoren, die das Entstehen eines akuten Nierenversagens begünstigen können. Dazu gehören zum einen chronische Risikofaktoren wie

  • jahrelanger Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Nierenerkrankungen
  • Herzerkrankungen
  • Schmerzmittelmissbrauch
  • ein höheres Alter

und zum anderen auch akute Risikofaktoren wie

Verlauf

Die geringsten Chancen auf völlige Heilung haben Patienten mit einem renalen akuten Nierenversagen, da hier die Nieren dauerhaft geschädigt sind und die Krankheit meist chronisch wird.

Die anderen beiden Krankheitsformen können geheilt werden, wenn eine rechtzeitige ärztliche Behandlung erfolgt. Grundsätzlich stellt das akute Nierenversagen eine lebensbedrohliche Erkrankung dar und muss umgehend ärztlich behandelt werden.

Symptome

Die Krankheit beginnt mit Übelkeitsgefühlen und einer unklaren Müdigkeit. Die Urinmenge vermindert sich deutlich, so dass der Patient weniger als ein Drittel der normalen Menge ausscheidet. Erfolgt keine sofortige Behandlung, wird kein Urin mehr ausgeschieden.

Die Patienten bemerken zudem Wassereinlagerungen. Meist sind diese an den Beinen zu sehen. Aber auch in den Organen lagert sich das Wasser ab.

Wenn Wasser in der Lunge zu finden ist, bemerken die Patienten große Probleme beim Atmen. Im Verlauf der Erkrankung können auch Herzbeschwerden auftreten.

Der Arzt unterscheidet verschiedene Stadien des akuten Nierenversagens.

  • Im ersten Krankheitsstadium scheiden die Patienten noch etwa einen halben Liter Urin aus, was etwa 30 bis 50 Prozent der normalen Menge darstellt.
  • Im zweiten Krankheitsstadium scheidet der Patient weniger Urin aus. Der Urin hat eine rötliche Färbung, da Blut mit ausgeschieden wird. Hier können auch Herzbeschwerden auftreten.
  • Im dritten Stadium scheiden die Patienten etwa doppelt so viel Urin aus wie gesunde Menschen.
  • Im vierten Stadium befindet sich der Patient wieder auf dem Weg der Besserung. Die Nieren funktionieren wieder weitestgehend und auch die Urinmenge hat sich wieder normalisiert.

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Nierenerkrankung untersucht der Arzt immer den Urin des Patienten. Im zweiten Krankheitsstadium, in dem sich der Urin blutig verfärbt, kann der Arzt beispielsweise neben dem Blut auch noch Eiweiß im Urin feststellen.

In jedem Fall erfolgt auch eine Untersuchung des Blutes. Auch hier gibt es einige Werte, die Auskunft über die Nierenfunktion geben.

Dazu gehören das Kreatinin und der Harnstoff, die bei einem akuten Nierenversagen erhöht sind. Neben diesen beiden Werten ist häufig auch das Kalium erhöht.

Im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung kann der Arzt die Nieren genau untersuchen und auch die Größe der beiden Nieren beurteilen. Je nach Ursache des akuten Nierenversagens kann zum Abschluss der Diagnostik auch noch eine Computertomografie oder Magnetresonanztomografie notwendig werden. Selten wird auch eine Gewebeprobe der Niere entnommen und unter dem Mikroskop untersucht.

Behandlung

Die genaue Therapie eines akuten Nierenversagens richtet sich nach der auslösenden Ursache der Krankheit. Patienten, die zum Beispiel eine Herzerkrankung haben, die ursächlich verantwortlich für das akute Nierenversagen ist, erhalten Infusionen, um den Zustand zu bessern.

Sind Steine im Bereich der Harnwege beispielsweise die Ursache für das Nierenversagen, so müssen diese entfernt werden. Medikamente, die das akute Nierenversagen ausgelöst haben, werden abgesetzt und durch andere Medikamente ersetzt.

Im Rahmen der Behandlung ist es äußerst wichtig, die Urinausscheidung wieder zu steigern. Dazu erhält der Patient spezielle Medikamente.

Wenn diese Maßnahmen keinen Erfolg zeigen, so muss der Patient sich einer Dialyse unterziehen. Maschinen erledigen dann die Arbeit der Nieren und reinigen das Blut des Patienten. Die Dialyse muss so lange durchgeführt werden, bis die Nieren wieder selbstständig arbeiten.

Sind beide Nieren dauerhaft geschädigt, ist eine Nierentransplantation notwendig. Der Patient benötigt dazu eine Niere eines Organspenders. Je nach Ursache und Krankheitsstadium muss der Patient oftmals im Rahmen der Therapie große Mengen trinken.

Vorbeugung

Um einem akuten Nierenversagen vorzubeugen, sollte man Medikamente nur einnehmen, wenn sie ärztlich verordnet oder abgesprochen sind und medizinisch notwendig sind. Eine zu hohe Dosierung eines frei verkäuflichen Medikamentes kann unter Umständen auch zu einer Nierenschädigung führen.

Patienten, die unter einem hohen Blutdruck leiden, sollten diesen gewissenhaft behandeln lassen, da auch dieser der Auslöser eines akuten Nierenversagens sein kann.

Quellen:

  • Uwe Beise, Silke Heimes, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Ingo Blank: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2020, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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