6. Dezember 2007
Von Annette Folge
Die ungeheure Ausstrahlungskraft und den kulturellen Reichtum verdankt die Stadt ihrer mehr als tausendjährigen Geschichte, die im 6. Jahrhundert mit Ansiedlungen slawischer Bevölkerungsgruppen an den Ufern der Moldau begann und im frühen Mittelalter durch Zuwanderungswellen vor allem deutscher und jüdischer Kaufleute fortgesetzt wurde.
Es folgten eine Reihe unterschiedlicher Dynastien, die für eine weitere Durchmischung der Stadtbevölkerung durch verschiedenste europäische Bevölkerungsgruppen sorgten und der Stadt bis heute ein spürbares Maß an Offenheit und Toleranz verleihen, das über Jahrhunderte hinweg besonders Künstlern, Musikern und Schriftstellern eine ideale Wirkungsstädte bot.
Diese Vergangenheit von Vielfalt und Dynamik auf Seiten der Bevölkerung ist bis heute für den Besucher der Stadt nachvollziehbar und ist nur eine Erklärung für ihre ganz besondere Anziehungskraft. Hinzu kommt die wundervolle Lage an der Moldau, die der Stadt eine Aufteilung in verschiedene Viertel mit eigener Entstehungsgeschichte erteilt, Verbindungen schafft und für Orientierung sorgt, die sich im Übrigen an der nahezu alle Baustile einschließenden Architektur der gut erhaltenen Bausubstanz und der historischen Stadtviertel widerspiegelt.
Den jeweiligen Einflüssen der Romanik bis hin zur Moderne lassen sich unterschiedliche Gebäudearten zuordnen, die ihrerseits zu einer Stadtgestalt der besonderen Art beitragen. Die bekannte Bezeichnung Prags als "Stadt der hundert Türme" bezieht sich genau auf dieses Moment.
Das erlebbare und fühlbare Nebeneinander verschiedener Epochen und Traditionen hat im Prag von heute immer noch seinen Platz. Dabei denkt man unwillkürlich an die Bezeichnung Prags als "goldene Stadt", die bereits im Mittelalter verwendet wurde und immer noch lebendig ist.
Es gibt mit Sicherheit keine andere europäische Stadt, die ein so umfassendes bauliches und kulturelles Erbe besitzt wie Prag. Trotzdem kann nicht von einem Freilichtmuseum gesprochen werden, dafür ist die Stadt zu lebendig und besitzt ihr eigenes kulturelles Gesicht.
Für den Besucher stellt sich angesichts der Vielfalt dieser Stadt die schwer zu beantwortende Frage nach dem besten Weg diese Stadt für sich zu erobern. In der Mehrzahl verbringen die Pragtouristen lediglich ein Wochenende in der Stadt, was noch nicht einmal ausreicht um die historische Innenstadt zu besichtigen. Wegen der Kürze der Zeit und den immer hohen Besucherzahlen konzentriert sich die Masse der Kurzurlauber an den bekanntesten Orten wie beispielsweise der Wenzelsplatz oder die Karlsbrücke. Hier zeigt sich, dass die Stadt an den Grenzen ihrer Aufnahmefähigkeit gerät, was eigentlich nicht sein müsste wenn die Besucher sich individuellere Touren zusammenstellen würden mit Blick auf weitere Aufenthalte.
Wer einmal dort gewesen ist möchte garantiert zurück. Man fühlt sich einfach wohl in dieser zwar stark besuchten Stadt, die trotz alledem nie hektisch ist und nicht dazu geeignet sich in irgendeiner Weise einsam zu fühlen.
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