8. Januar 2010
Von Viola Reinhardt
Wer als Mann in einer Zeitung oder im Internet eine Partnersuchanzeige aufgibt, der braucht meist nicht lange zu warten, bis er eine Zuschrift etwa folgenden Inhalts bekommt.
"Lieber Inserent,
ich habe heute Dein Inserat gelesen und Du gefällst mir sehr. Sehr gerne würde ich Dich kennen lernen und mit Dir eine gemeinsame Zukunft aufbauen. Kurz zu mir: ich heiße XY und ich bin 25 Jahre alt. Meine Maße sind 90-60-90. Ich bin eher häuslich und koche sehr gerne. Ich bin immer gut gelaunt und zu 100% treu. Ich bin sehr experimentierfreudig und sexy... usw."
Dazu gibt es dann meist noch ein Bild von einer jungen attraktiven Frau, ungefähr so, wie aus einem Modekatalog.
Wer auf solch eine Zuschrift eingeht, bekommt dann meist abenteuerliche oder auch rührende Geschichten zu lesen:
"Ich würde Dich ja gerne besuchen kommen, aber meine Mutter ist schwer krank. Sie muss von einem speziellen Arzt im Ausland behandelt werden, aber uns fehlt dazu das Geld."
Oder: "Ich habe gerade eine Millionenerbschaft im Ausland angetreten, kann mir aber den Notar nicht leisten, damit die entsprechenden Papiere unterzeichnet werden können."
Oder: "Ich möchte Dich gerne besuchen, aber ich wohne in X und Du in Y. Damit ich sicher gehen kann, dass Du auch am soundsovielten um so und soviel Uhr am Bahnhof auf mich wartest, möchte ich gerne den halben Preis der Fahrtkosten mit der Deutschen Bahn von X nach Y von Dir haben."
Ob nun Behandlungskosten, Fahrgeld oder Studiengebühren: Dem Einfallsreichtum der Betrüger sind keine Grenzen gesetzt! Wer auf sowas hin etwas bezahlt, ist selber Schuld, denn die Täter können meist in solchen Fällen gar nicht erst ermittelt werden. Da hängt dann einfach irgendwo in einem Hochhaus oder in einer Mietskaserne ein zusätzlicher Briefkasten, der niemals zuvor irgendjemandem aufgefallen ist!
Natürlich lachen Sie jetzt, denn Ihnen könnte so etwas natürlich nie passieren! Aber bedenken Sie eins: Die Betrüger werden immer subtiler und geschickter. So etwa auch durch falsche Anzeigen innerhalb Flirt- und Partnerschaftsportalen. Hier stecken ganz findige Betrüger dahinter, die Inserate "schreiben" lassen, über Umwege dann in die Portale setzen, einige Mails hin und her senden, um schlussendlich den Interessenten dazu zu bringen eine teure Nummer (0190) anzurufen. Raffiniert und reichlich ausgebufft kommt dann relativ schnell bei einsamen Männern (Frauen sind seltener die "Opfer") die Verliebtheit. Und wenn erst einmal die Verliebtheit ein- und die Vernunft aussetzt, dann geben viele, wenn die Story entsprechend gut gemacht ist, eben doch ihr Geld. Also heißt es mal wieder "Augen oder Beutel auf!"
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