Vorurteile - Ursachen, Merkmale und Arten

Vorurteile stören das Zusammenleben einer Gemeinschaft und bilden einen Nährboden für Ausgrenzung und Rassismus. Sie sind jedoch keineswegs eine Erscheinung der Neuzeit, sondern begleiten das menschliche Zusammenleben schon seit Jahrtausenden. Es gibt unterschiedliche Gründe für das Aufkommen von Vorurteilen. Lesen Sie, wie Vorurteile entstehen können.

Wie Vorurteile entstehen

Vorurteile - Generelle Merkmale

Bei einem Vorurteil handelt es sich um eine bestimmte Einstellung gegenüber einer Person. In der Regel basieren Vorurteile nicht auf eigenen Erfahrungen. Stattdessen hat man sie übernommen, um sich vor allem als häufig schwache Persönlichkeit darauf zu stützen.

Es gibt sowohl negative als auch positive Vorurteile. In der Regel werden sie als negativ eingestuft. Man findet sie in sämtlichen gesellschaftlichen Gruppen.

Das Vorurteil lässt sich im Bereich der Soziologie, Sozialpsychologie und Psychologie von anderen Einstellungen und Urteilen abgrenzen. Er hat einen moralischen und normativen Charakter. Prägendes Merkmal ist die Tatsache, dass es sozial unerwünscht ist; es verstößt gegen die Normen der Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit und Rationalität. Folgende Eigenschaften lassen sich demnach auf ein Vorurteil beziehen:

  • Ablehnung
  • Intoleranz
  • fehlende Empathie
  • fehlende Gerechtigkeit
  • vorschnelles Urteilen
  • fehlende Anerkennung von Gegenargumenten
  • fehlender Realitätsgehalt
  • generalisierendes Urteil
  • Klischee-Charakter
  • richtende Bewertung
  • fehlerhafte Verallgemeinerung

Arten

Wie bereits erwähnt, gibt es positive und negative Vorurteile. Ohne diese wäre der Alltag nach Ansicht von Forschern gar nicht möglich. Der kritische Blick auf auf negative Vorurteile würde zu positiven Folgen führen.

Es liegt in der Natur des Menschen, andere zu beurteilen. Gleichzeitig erfolgt auch der Ausdrück eines Missfallens. Somit ist der Verzicht auf ein Vorurteil nicht möglich.

Positive Vorurteile haben eine große Bedeutung in der Wirtschaft. Sie helfen einem Unternehmen, sich langfristig auf dem Markt zu etablieren. So gibt es fixe Assoziationen zu einer bestimmten Marke bzw. zu einem Produkt, die die Kunden dazu bringen sollen, darin zu vertrauen. Der Aufbau eines solchen Vertrauens erfolgt nicht selten über viele Jahre.

Aufwertende Vorurteile gibt es beispielsweise besonders innerhalb einer Familie oder Partnerschaft, in denen man an den anderen glaubt und ihm Vieles zutraut. Dem gegenüber steht die allgemein bekanntere Kombination des abwertenden Vorurteils. Typische Beispiele wären etwa die Ansicht, Arbeitslose wären alle faul.

Folgen

Wer von Vorurteilen betroffen ist, muss mit vielen Nachteilen rechnen. Zu diesen könne

  • Diskriminierung
  • Ausgrenzung und
  • Feindseligkeit

gehören. Nicht selten kommt es auch zu Ängsten, wirklich so zu sein, wie über einen verbreitet wird. Handelt es sich um falsche Vorurteile, können die Folgen besonders schwerwiegend ausfallen - hier geben wir weitere Informationen.

Junge Frau mit verweinten Augen steht besorgt am Fenster
Junge Frau mit verweinten Augen steht besorgt am Fenster

Mögliche Ursachen

Prinzipiell gibt es drei Herangehensweisen, wie das Aufkommen von Vorurteilen in einer Gesellschaft oder bei einem Individuum erklärt werden kann.

Kognitive Ursachen

Dies wären zunächst einmal die kognitiven Ursachen. In einem solchen Fall kommt es zu dieser Voreingenommenheit aufgrund der Prozesse im Gehirn des Einzelnen.

Den kognitiven Ursachen wird einerseits die Kategorisierung zugeordnet. Die Kategorisierung ist eine Vorgehensweise unseres Denkens, um eine Komplexitätsreduktion der Umwelt zu betreiben.

Bevor sich demnach ein genaues Bild über eine Person gemacht wird, fällt es weitaus leichter, diese in eine vorhandene Kategorie einzuordnen und nach diesem Muster mit dem Betroffenen zu verfahren. Darüber hinaus gilt ebenso die Fokussierung als eine der kognitiven Ursachen. Laut dieser Annahme konzentrieren wir uns bei anderen Menschen stets nur auf die auffälligsten Merkmale, welche dann schnell zur Bildung von Vorurteilen führen.

Des Weiteren gibt es das Gerechte-Welt-Phänomen. Dieses basiert auf einem unbehaglichen Gefühl, welches entsteht, wenn man sieht, wie ein Mensch zum Opfer wird.

Man kann unterschiedlich gegen dieses Unbehagen vorgehen. So ist die Hilfe möglich, oder aber das Herabsetzen des Opfers. In diesem Fall vertritt man die Meinung, dass der- oder diejenige sich selbst in diese Situation gebracht hat. Ist keine Hilfe möglich, wertet man die Person schon mal ab, um dieses Gefühl zu kompensieren.

Soziale Ursachen

Ein weiteres wichtiges Ursachenfeld kann im sozialen Bereich gesucht werden. Hierbei können einerseits soziale Ungleichheiten als Auslöser von Vorurteilen wirken.

Statt diese sozialen Ungleichheiten als veränderliche Variablen wahrzunehmen, neigen Menschen dazu, diese auf unveränderliche Attribuierungen zurückzuführen. Dies führt wiederum zu Vorurteilen, da Menschen eines bestimmten Berufsstandes oder einer bestimmten ökonomischen Situation mit bestimmten Persönlichkeitseigenschaften assoziiert werden.

Darüber hinaus kann auch sozialer Gruppendruck auslösend für das Aufkommen von Vorurteilen wirken. So sieht man sich zur Aufnahme bestimmter Annahmen über andere Menschen gezwungen, da es schließlich jeder andere im persönlichen sozialen Umfeld ebenso macht.

Im Rahmen er selbsterfüllenden Prophezeiung verhält sich jemand so, wie andere es von ihm erwarten. Schließlich gibt es noch die Erhöhung des eigenen Status - wer einen niedrigeren sozialen Status hat, weist meist stärkere Vorurteile auf.

Emotionale Ursachen

Letztlich können in diesem Zusammenhang noch emotionale Ursachen aufgeführt werden. Dabei existiert einerseits die Sündenbocktheorie, welche besagt, dass wir uns für die persönliche Frustration Ersatzobjekte suchen, an welchen diese ausgelebt und abgebaut werden kann.

Des Weiteren gibt es noch den Ansatz der Ingroup Bias. Hier wird davon ausgegangen, dass wir uns stets Gruppen suchen, welchen wir uns zugehörig fühlen. Menschen, welche nicht unserer Gruppe zugehören, werden dann mit Vorurteilen behaftet, um die Identität der Gruppe zu wahren und das Gesamtgefüge zu stärken.

Jugendlicher wird von Gruppe von Jungendlichen ausgeschlossen und ausgelacht
Jugendlicher wird von Gruppe von Jungendlichen ausgeschlossen und ausgelacht

Vorurteile überwinden

Um Vorurteile überwinden zu können, ist der Kontakt mit denjenigen, die sie verbreiten, wichtig. Dies kann nur unter bestimmten Voraussetzungen gelingen:

  • es muss eine wechselseitige Abhängigkeit aller Beteiligten bestehen
  • sie müssen gemeinsame Ziele haben
  • sie müssen den gleichen Status aufweisen
  • die Umgebung sollte freundlich sein
  • es sollte Kontakt zu mehreren Mitgliedern der Gruppe mit Vorurteilen bestehen

Zum Abbau von Vorurteilen werden häufig auch gemeinsame Aktivitäten empfohlen. Lesen Sie hier genauer, wie man gegen Vorurteile vorgehen kann.

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Historie:
Zuletzt aktualisiert am
So arbeiten wir
Autor:

Mehr über uns
Warum kein namentlicher Autor?
Quellenangaben
  • tritsch tratsch klatsch 2 © Gernot Krautberger - www.fotolia.de
  • outcast © Tomasz Trojanowski - www.fotolia.de
  • Anxiety © Petro Feketa - www.fotolia.de

Weitere Artikel zum Thema