Jugendkriminalität - Ursachen und Formen

Jugendkriminalität ist ein Spiegel unserer Gesellschaft, denn auch die Straftaten, die von Jugendlichen begangen werden, veränderten sich im Laufe der Zeit. Die Gründe für Kriminalität unter Jugendlichen sind vielfältig; ein labiles soziales Umfeld spielt häufig eine Rolle. Dabei werden nicht selten schon Kinder straffällig. Lesen Sie über mögliche Ursachen und Formen von Jugendkriminalität.

Soziales Umfeld oft labil - Gewalt unter Jugendlichen kommt nicht von ungefähr

Gewaltbereitschaft im neuen Licht

Jugendkriminalität nimmt zu, und die Taten, die zu Verurteilungen führen, haben sich in ihrer Gewichtigkeit schon lange nach oben verschoben. Ging es früher hauptsächlich um Prügeleien und Ladendiebstahl, sind heute die Vergehen viel schwerer.

Immer mehr Jugendliche finden keinen Halt mehr und werden strafauffällig. Erste Anzeichen werden häufig von Eltern und Lehrern übersehen und so fällt es den Jugendlichen leicht Grenzen zu überschreiten.

Was auffällig ist, ist dass häufig das Bewusstsein für Recht und Unrecht vollkommen fehlt. Selbst vor Gericht sehen junge Straftäter häufig noch nicht das Unrecht, welches sie begangen haben.

Jugendkriminalität stellt sich deshalb als ein gesellschaftliches Problem dar. Jugendliche sind in unserer Gesellschaft viel zu oft auf sich alleine gestellt, der Halt aus dem Elternhaus fehlt, und auch sonst werden die Probleme der Jugendlichen häufig nur belächelt. Sich nicht ernst genommen fühlen und zusätzlich der Leistungsdruck, der häufig auf Jugendlichen lastet, dazu gehören und mit den Mitschülern mithalten zu wollen - häufig verzweifeln Jugendliche an ihrer Situation und reagieren mit erhöhter Aggressivität; dabei sinken auch die Hemmschwellen.

Gewalt unter Jugendlichen gab es schon immer. Besorgniserregend ist jedoch, dass es sich dabei nicht mehr, wie in früheren Zeiten, um bloßes Kräftemessen handelt, sondern die Täter aus purem Spaß Gewalt gegen Gegenstände oder andere Menschen anwenden.

Vor allem an deutschen Real- und Hauptschulen wurde eine zunehmende Gewaltbereitschaft beobachtet. Die Ursachen für die Gewalttätigkeit sind sehr verschieden.

Aggressivität steigt - Alter sinkt

Im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren hat sich die Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen sowohl quantitativ als auch qualitativ verändert. So begehen deutlich mehr Kinder und Jugendliche Gewaltdelikte als früher und haben zudem ein jüngeres Alter.

Bedenklich stimmt auch, dass die Hemmschwelle zu Brutalität und Rohheit gesunken ist. Statistisch gesehen gelten rund 10 Prozent aller männlichen und 2 Prozent aller weiblichen Jugendlichen als gewalttätig.

Jugendlicher in Kapuzenpulli vor Graffitiwänden
Jugendlicher in Kapuzenpulli vor Graffitiwänden

Formen von Gewalt

Die Formen der Gewalt sind unterschiedlich und reichen von simplen Raufereien bis hin zur bewussten Körperverletzung. Oft gehen der Gewalt wüste und menschenverachtende Beschimpfungen voraus. Häufig kommt es auch zu Beschädigungen von Gegenständen, die anderen Mitschülern gehören.

Ebenfalls zu verzeichnen sind Raub oder Erpressung von Schutzgeldern. Darüber hinaus rüsten immer mehr Jugendliche auf und versehen sich mit

Jugendlicher hat Gewehr angelegt und zielt auf etwas
Jugendlicher hat Gewehr angelegt und zielt auf etwas

Gründe für Gewalt

Die Gründe für die zunehmende Gewalt unter Jugendlichen sind unterschiedlich. Auf eine einzige Ursache lässt sich das Phänomen nicht zurückführen.

In den meisten Fällen entsteht die Grundlage für Gewaltbereitschaft bereits in der frühen Kindheit. Haben Kinder in der Familie keinen sicheren Ort, an den sie sich zurückziehen können, und fehlt es an Kommunikation und Rückhalt, führt dies zu Unsicherheit. Durch Unsicherheit und Angst kommt es wiederum zu aggressivem Verhalten.

Darüber hinaus mangelt es den Kindern an Kommunikationsfähigkeit sowie Respekt und Verständnis für andere Menschen. So weisen typische jugendliche Gewalttäter immer wieder bestimmte Merkmale auf. Dazu gehören

  • Sprachlosigkeit
  • Mangel an Empathie und argumentativen Fähigkeiten
  • Minderwertigkeitsgefühle
  • familiäre Entwurzelung sowie
  • exzessiver Konsum von medialer Gewalt.

Manchmal wurden die gewalttätigen Jugendlichen auch selbst in ihrer frühen Kindheit Opfer von Gewalt. In manchen Fällen ist pure Langeweile bzw. die Suche nach Nervenkitzel der Grund für Gewalttätigkeit.

Aber auch schulische Gründe können eine Rolle spielen. So neigen überforderte Schüler oftmals zu Frustration, was wiederum zu Gewalt führt.

Gruppenzwang als Initiator

Jugendliche lernen von ihrem Umfeld und merken sehr schnell, dass sich nur der Stärkste durchsetzen kann. Dies fängt schon auf dem Schulhof an. Wenn Waffen und Drogen zum Schulalltag gehören und selbst Lehrkräfte resignieren und zum Teil sogar Angst vor den Schülern haben, dann stellt sich für viele Jugendlichen die Frage, wo sie dazu gehören wollen.

Immer mehr Jugendliche versuchen, sich der stärksten Gruppe anzuschließen, denn besser Angst verbreiten, als Angst vor den Anderen haben zu müssen. Doch genau dieser Schritt ist oft der erste Schritt in eine kriminelle Laufbahn.

Häufig können Jugendliche nur zu einer Gang gehören, wenn sie bereit sind, für die Aufnahme so genannte "Mutproben" zu bestehen. Diese Mutproben gehen vom Bahnsurfen bis hin zu Ladendiebstählen. Gerade in sozialen Brennpunkten sehen Jugendliche häufig keine Zukunftsperspektiven und schließen sich aus Perspektivlosigkeit einer Gang an.

Armut

Oft werden soziale Brennpunkte an einem hohen Ausländeranteil in der Bevölkerung festgemacht, doch da liegt nicht das Hauptproblem. Die sozialen Brennpunkte, die sich deutlich zeigen und in denen Jugendkriminalität zum Alltag gehört, sind häufig die Gegenden mit einem sehr hohen Arbeitslosenanteil. Hier müssen Jugendliche auf Vieles aus Geldmangel verzichten.

Wer sieht, dass seine Eltern seit Jahren am Existenzminimum leben und keine Chance auf Arbeit haben und dies zum Teil trotz einer guten Ausbildung, der verliert sehr schnell die Perspektive auf ein besseres Leben. Wer sich darauf einstellen muss, sein Leben hier zu fristen und keine Chance sieht, sich selbst etwas aufzubauen, ist anfällig dafür, in die Kriminalität abzurutschen.

Sozialarbeiter versuchen in der Jugendarbeit einiges abzufangen, doch durch mangelndes Budget können nicht überall Sozialarbeiter den Jugendlichen Perspektiven aufzeigen und so bleiben immer wieder Jugendliche alleine auf sich gestellt und schaffen es nicht, Perspektiven zu ihrem Leben im sozialen Brennpunkt zu sehen.

Erziehungsdefizite

Wie bereits angerissen, kann das familiäre Umfeld einen deutlichen Einfluss auf eine mögliche kriminelle Laufbahn des Kindes nehmen. Bekommen Kinder nicht die Liebe und Aufmerksamkeit, sie brauchen, können keine Grenzen aufgezeigt werden. In diesem Zusammenhang lernt der Nachwuchs auch nicht, wie man mit Konflikten richtig umgeht.

Erschwert wird das Erlernen von sozialer Kompetenz auch durch zunehmende Trennungen sowie immer mehr Einzelkindern. Besonders schwerwiegend sind die Folgen bei Gewaltbereitschaft innerhalb einer Familie. Ob psychisch oder körperlich - ein Kind, das in einem solch zerrütteten Umfeld aufwächst, wird nicht selten ebenfalls zum Täter.

Erhalten Kinder zu wenig Anerkennung von ihren Eltern, kommt es zu einem negativen Selbstbild. Die Persönlichkeit ist nur schwach ausgebildet und die Frustrationstoleranz niedrig. Typische Folge ist eine höhere Bereitschaft zur Gewalt.

Gesellschaftliche Probleme

Neben Armut und Arbeitslosigkeit gibt es weitere gesellschaftliche Faktoren, die bei der Suche nach Gründen für Gewalt unter Jugendlichen eine Rolle spielen können. Zu diesen zählen

  • Statusdenken mit Konkurrenzverhaltne und Ausgrenzung
  • Mängel im Bereich der Bildung durch Lehrermangel, überfüllte Klassen, Überforderung des Lehrpersonals etc.
  • Mängel in Sachen Präventionsarbeit
  • Mangelnde Zivilcourage
  • die fehlende Ausschöpfung in Sachen Jugendstrafrecht

Maßnahmen zur Bekämpfung und Vorbeugung

Um gegen Jugendkriminalität anzugehen und diese bestmöglich zu unterbinden, sind Ansätze aus den unterschiedlichsten Bereichen gefragt. Dabei sollten besonders auch Eltern wissen, wie sie ihren Nachwuchs wieder auf die richtige Bahn bringen können.

Wichtig ist außerdem,

  • den Jugendschutz stärker auszubauen
  • bessere Hilfsangebot für Familien zu gewährleisten
  • Kindern und Jugendlichen mehr Freizeitaktivitäten zu bieten
  • mehr Aufklärungsarbeit zu leisten

Pädagogische Maßnahmen sind hier besonders wichtig. Lesen Sie in unserem separaten Artikel, welche Strategien zur Bekämpfung und Vorbeugung von Jugendkriminalität sinnvoll sind.

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