3. Juni 2006
Von Andreas Neubert
Bammel vorm Examen hat wohl schon jeder mal gehabt - das ist ganz normal sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Erwachsenen. Aber was, wenn die Angst so groß wird, dass man den Kopf für die eigentliche Prüfung verliert und dann danebenhaut. Das sind ja unter anderem die großen Befürchtungen der Betroffenen, denn Prüfungsangst ist kein Zeichen schlechter Vorbereitung. Was tun dagegen, um die Ängste einigermaßen in den Griff zu bekommen und das Examen erfolgreich zu überstehen?
Prüfungsängste haben viele Menschen und sind nichts Außergewöhnliches – bis sie einen fest im Griff haben und sich leistungsmindernd auswirken als der berühmt-berüchtigte Blackout. Das Entscheidende dabei ist, welche Einstellung der Prüfling zu seinem Stress gewinnt. Nimmt die Furcht überhand, so hat der Ängstliche seine eigene Situation und die Aufgaben, vor denen er steht, als wenig oder gar nicht beherrschbar eingeschätzt. Das Ergebnis einer derartigen Selbsteinschätzung unter Prüfungsstress bewertet die eigene Kompetenz – auch wenn subjektiv – zu niedrig, selbst wenn äußere Bestimmungen wie sorgfältige Vorbereitung stimmen. Solche eigenen Negativbewertungen und negativen Gedanken wie Sanktionen als Folge des Versagens stehen während der Prüfung häufig im Vordergrund und lenken den Ängstlichen davon ab, sich auf die eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren. Sie sind so übermächtig, dass sich der Betroffene davon nicht lösen kann, er wird durch sie blockiert und damit auch das Abrufen des Wissens beziehungsweise der gefragten Leistung, die er sich ja - unter anderen Bedingungen - angeeignet hat. Ein Misserfolg wird damit immer wahrscheinlicher.
Prüfungsängste können sich körperlich äußern in feuchten Händen, Herzklopfen bis Herzrasen, Schwindelgefühl, körperlich spürbares Gefühl der Beengtheit vor allem in der Brust, Trockenheit im Mund, Zittern oder Kreislaufproblemen. Innerlich kommen Gefühle der Leere und Resignation hoch, Minderwertigkeit bis hin zu depressiven Stimmungslagen.
Was tun dagegen? Besonders Eltern sollten ihre Kinder, die übermäßig an Prüfungsangst leiden, zu einem höheren Selbstwertgefühl ermuntern. Bei Erwachsenen können das Freunde oder der Partner übernehmen. Nicht unbedingt auf die weit ab liegenden Top-Player schielen, sondern hoch zu einer Person, die mit ähnlichem Leistungspotenzial in erreichbarer Nähe platziert ist. Auch können relativierende Sätze wie "Wenn ich nicht bestehe, geht die Welt auch nicht unter" helfen und so etwas von dem überhand genommenem Respekt vor der Prüfung nehmen. Entspannen, tief und ruhig durchatmen, positiv denken sind einfache Maßnahmen gegen Examensstress. Sollte aber dennoch zum Beispiel in einer mündlichen Prüfung das sprichwörtliche Brett vorm Kopf erscheinen, den Prüfer um Bedenkzeit beten ruhig mit dem Hinweis, dass man aufgeregt sei.
Wer nicht alleine zurecht kommt, sollte fachliche Hilfe beispielsweise bei psychiatrischen Beratungsstellen annehmen.
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