5. März 2009
Von Andreas Hadel
Viel Eisen und dicke Backen. Das assoziieren viele, wenn sie an das Gewichtheben denken. Ist ja auch nicht ganz verkehrt, macht aber nur einen ganz kleinen Teil dieser vielseitigen Sportart aus.
Als sich um der 18. Jahrhundertwende das Gewichtheben allmählich zu einer Sportart mit einem reglementierten Wettkampfbetrieb entwickelte, wurde es noch häufig als "Turnen am Gerät" bezeichnet. Ein Name, der darauf schließen lässt, dass es sich hierbei trotz der ganz offensichtlich erforderlichen Kraft auch um eine Aktivität handelt, die anscheinend gewisse akrobatische Elemente beinhaltet.
Das wird vor allem dann deutlich, wenn man sich den Bewegungsablauf einer der beiden Disziplinen vor Augen führt, aus denen sich der Olympische Zweikampf zusammensetzt: dem Reißen und dem Stoßen.
Beim Reißen muss der Heber die vor seinen Füßen liegende Hantel mit einer einzigen Zugbewegung über seinen Kopf führen und in der Endposition aufrecht stehen. Dabei kommt es nur während der ersten Zentimeter der Bewegung auf die Maximalkraft des Athleten an. Sobald die Hantel auf Kniehöhe ist, muss der Heber die Last so stark wie möglich beschleunigen, um einen Trägheitsmoment zu erzeugen, so dass er sich regelrecht unter die Hantel stürzen kann. Dieser Augenblick ist der alles entscheidende Zeitpunkt im Gewichtheben und verlangt von den Sportlern ein genauso hohen Grad an Koordination und Reaktionsfähigkeit ab, wie es beispielsweise beim Stabhochsprung oder Reckturnen der Fall ist. Das Stoßen ist in seinem Bewegungsablauf ähnlich komplex und fordernd, weshalb die beiden Disziplinen auch regelmäßig ihren Platz in den Krafttrainingseinheiten von Leichtathleten und anderen Schnellkraftsportlern finden.
Der Bezug zum Turnen wird auch im Grundlagentraining junger Gewichtheber deutlich. In dieser Phase arbeiten die Nachwuchssportler äußerst selten mit Hanteln. Natürlich wird viel Zeit für das Erlernen der richtigen Atem- und Hebetechnik aufgewendet, dies aber meist mit einer leeren Hantelstange oder sogar nur einem Besenstil. Die turnerische und athletische Ausbildung hat bei den Gewichthebern im Kindes- und Jugendalter oberste Priorität. Deshalb basiert ihr Training hauptsächlich aus Sprungübungen, Sprints und Turnelementen. Erst im späten Jugendalter verlagert sich der Trainingsschwerpunkt auf die Entwicklung der Maximalkraft, wobei auch dann auf das Akrobatiktraining nie ganz verzichtet wird.
Wie Sie sehen, handelt es sich bei dem Gewichtheben um eine äußerst komplexe Sportart, die neben der Kraftentwicklung noch viele weitere Vorteile zu bieten hat.
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