Die Ausbildung im Taekwondo ist nicht auf die körperliche Ertüchtigung und das Erlernen bestimmter Techniken und Bewegungsabläufe beschränkt. Von mindestens ebenso großer Bedeutung ist die theoretische Schulung, welche die Lebensphilosophie der Taekwondo-Sportler vermittelt. Unter anderem gehören hierzu die sieben Tugenden des Taekwondo-Sportlers, die er in Worten und Taten anwenden soll.
Zu den sieben Tugenden des Anstands gehören im Taekwondo-Sport Gerechtigkeit, Ehrgefühl, Geduld, Stetigkeit, Bescheidenheit, geistige Haltung und Höflichkeit. Grundsätzlich geht es in der Ausbildung darum, aus dem Taekwondo-Sportler eine gefestigte Persönlichkeit zu machen. Bereits die Zeremonie im sportlichen Training drückt all diese Tugenden und den gegenseitigen Respekt, insbesondere die Hochachtung dem Meister und den Danträgern gegenüber aus. Begonnen wird jedes Training mit einer Verneigung.
Die Verneigung ist ein Symbol der höflichen Begrüßung im Taekwondo. Dabei neigt der Taekwondo-Sportler seinen Körper um 15 Grad nach vorn, der Kopf wird um 45 Grad gesenkt. Die Fersen beider Füße stoßen aneinander. Gegrüßt werden die Nationalfahne, der Meister, sämtliche Danträger und die älteren Schüler. Befindet sich der Großmeister in der sitzenden Position, kniet der Schüler vor ihm nieder und verneigt sich. Befindet sich der Schüler vor dem Meister, den Danträgern und älteren Schülern im Raum, verneigt er sich ebenfalls. Innerhalb des Trainings kommt es nicht darauf an, wie groß der Altersunterschied zwischen dem Schüler und den Danträgern sowie dem Meister ist. Außerhalb des Trainings zollt der Meister dem Schüler Respekt, sofern der Schüler mindestens 5 Jahre älter ist als er.
Im Training herrscht absolute Ruhe. Nikotin und Alkohol sind streng untersagt. Wer das Training besuchen möchte, muss sich dem Meister vorstellen und auf dessen Genehmigung warten. Gleiches gilt für die Zuschauer. Bevor ein Schüler überhaupt am Training teilnehmen darf, muss er sich zu einem Eid verpflichten. Neben der Höflichkeit und dem Respekt verlangt dieser, den Kampfsport Taekwondo niemals zu missbrauchen. Außerdem muss sich jeder Taekwondo-Sportler bereit erklären, für Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen und seinen Beitrag zum Frieden auf der Welt zu leisten. Der Grundgedanke für diesen Eid ist, dass nur derjenige in die physikalischen Gesetze und die damit verbundenen Techniken des Taekwondo-Sports eingeweiht werden darf, der es mit seiner geistigen Haltung ehrlich meint.
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