Die Keimung des Saatguts - Benötigte Keimzeit und Verbesserung der Keimfähigkeit durch Beizen

Saatgut kommt im Garten häufig zum Einsatz. Ob Blumen, Gräser oder essbare Pflanzen - vor allem im Frühjahr wird gesät. Um die Keimfähigkeit des Saatguts zu verbessern, behandelt man es im Rahmen des Beizens. Zu diesem Zweck gibt es unterschiedliche Methoden. Informieren Sie sich über die Keimung des Saatguts und lesen Sie dabei, was es beim Beizen zu beachten gibt, um die Keimfähigkeit zu verbessern.

Von Claudia Rappold

Die Keimzeit des Saatguts

Wenn man den berühmten grünen Daumen hat, kann man zu Hause Pflanzen ziehen. Man braucht nur ein bisschen Geschick und zieht die schönsten Blumen oder auch Gemüse heran.

Der richtige Zeitpunkt

Sobald die Gartensaison eröffnet ist, wird gesät. In Minigewächshäusern oder Zimmergewächshäusern kann man die Saat allerdings auch schon vorher, wenn es draußen noch frostig ist, zum Keimen bringen. Solche Vorkulturen blühen dann früher als die im Freiland ausgesäten Blumen.

Die Auswahl an Saatgut ist sehr groß. Die verschiedenen Sämereien haben unterschiedlich lange Keimzeiten; es kommt immer auf die Sorte an.

Die Keimzeit ist je nach Sorte unterschiedlich
Die Keimzeit ist je nach Sorte unterschiedlich

Hinweise zum Säen

Die Anzucht ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Manches Saatgut ist auch ein bisschen problematisch. Samen kann man selbst ernten oder im Supermarkt, in Gärtnereien, im Versandhandel oder im Gartencenter kaufen. Üblicherweise gilt: Je frischer die Samen, desto höher ist die Keimfähigkeit.

So genannte Lichtkeimer dürfen nicht mit Erde bedeckt werden; sie werden nur leicht angedrückt. Dunkelkeimer hingegen kommen in die Erde, beziehungsweise in das Substrat. Je größer die Samen, desto tiefer müssen sie in die Erde. Am besten benutzt man kleine Pflanzstecker, die man beschriften kann, damit man später noch weiß, was man wo ausgesät hat.

Bedürfnisse des Saatguts

Das Saatgut hat unterschiedliche Ansprüche und Bedürfnisse. Alle Samen brauchen jedoch eine erhöhte Temperatur, um gut zu keimen.

Zudem muss die Aussaat feucht gehalten werden; Staunässe ist zu vermeiden. Große und schlecht keimende Samen kann man auch erst einmal in lauwarmem Wasser einlegen, bevor sie zur Aussaat kommen.

So genannte Keimgläser dienen eigentlich dazu, Sprossen zu ziehen. Sie eignen sich aber auch zur Anzucht. Nach dem Keimen müssen die kleinen Pflänzchen dann nur schnell in die Erde.

Die Aussaat muss immer feucht gehalten werden
Die Aussaat muss immer feucht gehalten werden

Um die Keimfähigkeit zu verbessern, wird die Methode des Beizens angewandt.

Beizen - die Behandlung von Saatgut

Das Saatgut zu beizen, ist eine altbewährte Technik und war schon in der Antike bekannt. Damit will man erreichen, dass die Samenkörner besser keimen.

Ziel und Zweck

Unter Beizen versteht man in der Landwirtschaft und im Gartenbau aber auch die Behandlung des Saatguts mit Pflanzenschutzmitteln, um es vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen. Mit antibakteriellen Mitteln will man Fäulnis des Saatguts verhindern.

Der Hobbygärtner, welcher biologisch gärtnert, wird aber auf Pflanzenschutzmittel verzichten und biologische Beize verwenden. Dafür hat so mancher Gärtner ein Geheimrezept. Bekannt sind beispielsweise verdünnte Extrakte aus Kamille oder Baldrian.

Manche Samenarten vertragen auch ein ganz kurzes Einlegen in Alkohol, dann werden sie sorgfältig abgespült - diese Methode verhindert keimhemmende Einflüsse.

Mit dem Beizen wird die Keimfähigkeit des Saatguts erhöht
Mit dem Beizen wird die Keimfähigkeit des Saatguts erhöht, es ist auch möglich es vor Krankheit oder Fäulnis zu schützen

Unterschiedliche Methoden

Die Saatbeize dient also dazu, die Keimfähigkeit zu steigern und die Samenkörner vor schädlichen Organismen zu schützen. Diese Methode wird sowohl in der konventionellen, als auch in der biologischen Landwirtschaft angewendet - nur mit unterschiedlichen Mitteln.

Wer biologisch gärtnern will, nimmt Kräuterbeize, in welche die Samen unterschiedlich lange eingelegt werden.

  • Radieschensamen beispielsweise kommen 15-30 Minuten in das Kamillenbad, Bohnen hingegen fast eine Stunde.
  • Auch ein Sud aus Eichenrinde hat sich bewährt; er eignet sich besonders für Salat; die Samen bleiben 60 Minuten im Bad.
  • Kürbisgewächse wie Melone, Gurke, Zucchini und Kürbis, können 20 Minuten in Milch eingelegt werden.
  • Für Porree, Zwiebeln und Kartoffeln eignet sich ein 15-minütiges Baldrianbad.
  • Auch eine Schachtelhalm- und Knoblauchbrühe können erfolgreich eingesetzt werden. Der Knoblauch schützt vor allen Dingen vor Bakterien- und Pilzkrankheiten.
  • Bohnen lässt man eine Stunde und Erbsen zwei Stunden lang in Kamillentee quellen.
  • Man kennt auch eine Meerrettichbeize, die aus zerhackten Meerrettichwurzeln und Wasser hergestellt wird.

Das biologische Beizen ist schon eine Wissenschaft für sich und braucht ein bisschen Erfahrung. Dafür hat man dann ein ökologisch wertvolles Saatgut. Biologisch behandeltes Saatgut ist gesund, qualitativ hochwertig und eine optimale Voraussetzung für eine gute Ernte.

Herstellung der eigenen Saatgutbeize

Es folgen ein paar Anweisungen zur Herstellung einer Saatgutbeize für unterschiedliche Pflanzen. Generell gilt: unmittelbar nach der Beize sollte das Saatgut eingepflanzt werden.

Heißwasserbad

Ein Heißwasserbad eignet sich dann, wenn man keine anderen Mittel für eine Beize zur Verfügung hat. Für die Beize werden die Samen in einem Gazebeutel für 25 Minuten in 50°C heißes Wasser gelegt. Geeignet ist diese Methode für

  • Zucchini
  • Gurken
  • Kürbis
  • Bohnen
  • Erbsen und
  • Blumenzwiebeln.
Baldrianbeize

Für die Baldrianbeize kauft man Baldrianblütenextrakt und gibt 10 Tropfen davon in 1 Liter abgekochtes Wasser. Anschließend verrührt man das Extrakt 10 Minuten lang in eine Richtung.

Das Saatgut lässt man für eine Viertelstunde in der Beize. Geeignet ist diese Methode für:

Kamillenteebeize

Die Kamillenteebeize eignet sich besonders gut für Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen. Statt Teebeutel sollte man jedoch auf getrocknete Kamillenblüten zurückgreifen. Das Saatgut lässt man 24 Stunden darin ziehen.

Auch ein kurzes Kamillenbad ist möglich. Dieses ist geeignet für Rettich, Radieschen und Sellerie. Möhrensamen hingegen übergießt man nur kurz mit dem Sud.

Urinbeize

Ein wenig gewöhnungsbedürftiger ist die Urinbeize. Diese soll die Keimfähgikeit von Kürbis- und Gurkensamen verbessern. Die Samen sollten 12 Stunden lang eingeweicht werden; empfehlenswert ist dabei Kinderurin.