Ohrakupunktur Artikel
Ursprung und Anwendung der Ohrakupunktur
Von K. Schumann
Es existieren 2000 Jahre alte chinesische Schriften in denen der reflektorische Zusammenhang zwischen der Ohrmuschel und den verschiedenen Körperregionen beschrieben wird. Doch erst 1956 stellte der französische Arzt Paul Nogier, die von ihm auch als "Auricolo-Therapie" bezeichnete Methode auf einem Akupunktur-Kongress vor.
Nogier beobachtete in seiner Praxis immer wieder Zusammenhänge zwischen dem Ohr und dem gesamten Körper. Er begann sich näher mit der Reflextherapie am Ohr zu beschäftigen und erkannte in der Form des Ohres einen Embryo in Kopflage. So stellt die Ohrwulst (Anthelix) die Wirbelsäule und das Ohrläppchen den Kopf des Embryos, wo die Sinnesorgane und das Gehirn lokalisiert sind, dar.
Wie die Ohrakupunktur wirkt ist noch nicht vollständig geklärt. Fakt ist, dass drei große Nerven das Ohr durchziehen. Diese Nerven sind über das Rückenmark mit dem Hirnstamm verbunden. So geht man davon aus, dass durch eine Reizung des Ohres Signale auf direktem Weg zum Gehirn oder zu dem betroffenen Organ geleitet werden. Eine andere Theorie besagt, dass die Ohrakupunktur ausgleichend auf das Energiesystem des Körpers wirkt.
Auf der Ohrmuschel befinden sich ca. 100 Akupunkturpunkte die einen Durchmesser von 0,2-1 mm haben. Wenn eine Störung vorliegt, können diese Punkte mit Hilfe eines Suchgeräts gefunden werden. An der entsprechenden Stelle werden sehr dünne und kurze Nadeln senkrecht gestochen. In einer Sitzung werden bis zu vier Nadeln gesetzt.
Bei Störungen die den gesamten Körper betreffen, werden die Nadeln ins Ohr der dominanten Hirnhälfte gesetzt. Das heißt bei Rechtshänder wird das linke Ohr behandelt, bei Linkshändern dementsprechend das rechte Ohr. Äußern sich die Beschwerden nur an einer Körperhälfte (z.B. Schmerzen im rechten Arm), erfolgt die Behandlung des Ohres an dieser Seite. Bei der Suchtbehandlung werden Dauernadeln gesetzt, die für mehrere Tage am Ohr verbleiben. Wird die Ohrakupunktur richtig durchgeführt ist sie in der Regel nebenwirkungs- und schmerzfrei.
Die Hauptanwendungsgebiete der Ohrakupunktur sind Schmerzen des Bewegungsapparats wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, rheumatische Beschwerden und die Behandlung von Suchtproblemen (beispielsweise zur Raucherentwöhnung).
Die Ohrakupunktur darf nicht in der Schwangerschaft, bei Infektionskrankheiten oder bei Entzündungen und Verletzungen der Ohren eingesetzt werden.