17. Dezember 2009
Als Stangerbad bezeichnet man ein hydroelektrisches Vollbad. Dabei wird zu therapeutischen Zwecken konstanter Gleichstrom in die Badewanne geleitet.
Ziel und Zweck eines Stangerbads ist die Behandlung von bestimmten Krankheiten und Beschwerden durch die Anwendung von Gleichstrom. Auf diese Weise soll die Tätigkeit von Muskeln und Nerven stimuliert werden. Für das Stangerbad, das ein hydroelektrisches Vollbad ist, wird eine spezielle Badewanne sowohl mit Wasser als auch mit Gleichstrom geflutet. Dazu befinden sich an den Seitenwänden der Wanne mehrere Elektroden, die sich unterschiedlich polen lassen. Ausgeführt wird das medizinische Bad zumeist von Physiotherapeuten und medizinischen Bademeistern.
Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gab es die ersten Versuche Wasser und Elektrizität zu medizinischen Zwecken miteinander zu kombinieren. Später entdeckte der deutsche Gerbermeister Heinrich Stanger, der eine elektrische Gerberei unterhielt, dass sich der Zustand seines Gichtkranken Vaters Johann Stanger durch die Arbeit in den elektrisch betriebenen Gerbgruben besserte. Davon inspiriert, unternahm Heinrich Stanger verschiedene Tests mit Gicht- und Rheumakranken. Wiederum kam es zu einer Besserung der Beschwerden. Stanger vermutete, dass die Gerbstoffe, die im Wasser gelöst worden waren, die Besserung verursachten. Der elektrische Strom sorgte dabei für den Transport der Stoffe in den Körper. Heinrich Stanger beschloss dieses spezielle Bad in Wasser und Strom Stangerbad zu nennen. Im Laufe der Jahre wurde die Methode technisch verbessert, sodass das Stangerbad auch heute noch zur Behandlung von verschiedenen Krankheiten eingesetzt wird. Dabei werden oftmals Arzneizusätze wie gerbstoffhaltige Mischungen oder Salze hinzugefügt.
Zu den Anwendungsgebieten des Stangerbads gehören Erkrankungen und Beschwerden wie Rheuma, Durchblutungsstörungen, Krämpfe, Ischialgie oder Lähmungen. Nicht durchgeführt werden darf ein Stangerbad hingegen bei Herz-Kreislaufkrankheiten, akuten Infekten, Lungenerkrankungen oder wenn sich Metallteile, wie zum Beispiel ein Herzschrittmacher, im Körper befinden.
Das Stangerbad wurde von den gesetzlichen Krankenkassen als Therapiemethode anerkannt und in den Heilmittelkatalog aufgenommen.
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