6. Juni 2009
(dgk) Cholesterin ist für unseren Organismus lebenswichtig. Es schützt als Membranlipid die Zellwände und ist als Vorstufe an der Bildung von Gallensäure, Vitamin D und Steroidhormonen entscheidend beteiligt. Unser Körper stellt das wertvolle Lipid selbst her, es muss also nicht über die Nahrung zugeführt werden. Wer sich cholesterinreich ernährt, muss aber nicht unbedingt einen erhöhten Cholesterinspiegel haben, denn die körpereigene Syntheserate passt sich beim Gesunden entsprechend an. Immer mehr Studien weisen darauf hin: Nahrungscholesterin ist nicht die Ursache erhöhter Cholesterinspiegel.
Ein erhöhter Cholesterinspiegel – zum Beispiel bei der Check-up-35-Untersuchung gemessen – ist übrigens nicht unbedingt ein Grund zur Besorgnis, da bei solchen routinemäßigen Blutkontrollen häufig lediglich das Gesamtcholesterin gemessen wird. Dieser Wert allein hat keine Aussagekraft für das individuelle Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Schließlich umfasst der Gesamtwert auch das HDL-Cholesterin, von dem man gar nicht genug im Blut haben kann. Den HDL-Spiegel ansteigen lassen körperliche Aktivität sowie der Genuss von Omega-3-Fettsäuren und Ölsäure (z. B. in Rapsöl und Olivenöl) sowie im therapeutischen Bereich die hoch dosierte Zufuhr von Nicotinsäure (Vitamin B3).
Auch das weithin als "schlecht" bezeichnete LDL-Cholesterin ist nicht "von Natur aus böse". Allerdings ist es äußerst empfindlich gegenüber oxidativem Stress. Dieser entsteht, wenn im Körper aufgrund von Umweltfaktoren, falscher Kost oder von Medikamenteneinnahme "freie Radikale" kursieren. Die LDL-Partikel werden von freien Radikalen in "oxidiertes LDL" umgewandelt. In erster Linie ist es diese veränderte Form, die sich in den Arterienwänden als Plaque ablagern und im Extremfall zu Gerinnseln führen: Ein Herzinfarkt droht.
Antioxidantien wie Vitamin E schützen LDL-Partikel vor der Oxidation durch freie Radikale. Wichtig dabei: Die bei der Salatölanreicherung oder in Ergänzungsmitteln eingesetzte Form von Vitamin E, das sogenannte alpha-Tocopherol kann das LDL-Cholesterin kaum schützen. Diese Aufgabe wird vor allem von gamma-Tocopherol übernommen, das sich in hoher Konzentration in Nüssen befindet. In den meisten Nahrungsergänzungsmitteln auf dem deutschen Markt ist diese essenzielle Form von Vitamin E dagegen kaum oder gar nicht vorhanden.
Vitamin C erweist sich bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen als vielseitiger Helfer. Wichtige Co-Faktoren sind bestimmte Spurenelemente wie Selen. Befinden sich zu wenige dieser Substanzen im Körper, sind die eigenen Reserven zum Neutralisieren von oxidativem Stress rasch erschöpft.
Wer sein Herz und seine Gefäße schützen möchte, sollte sich nach neuesten Erkenntnissen vielmehr um seinen Homocystein- statt um den Cholesterinspiegel kümmern. Zum Abbau von Homocystein sind die Vitamine B6, B12 und Folsäure sehr wirksam und erforderlich. Pauschale Dosierungsempfehlungen können nicht seriös sein. Die erforderliche Zufuhr ist von vielen individuellen Faktoren abhängig und kann am besten von einem mit präventivmedizinischen Aspekten vertrauten Arzt nach ausführlicher Beratung vorgenommen werden.
Quellen:
Schmitt, Rüdiger und Homm, Simone: Handbuch Anti-Aging und Prävention, Marburg 2008, S. 123 und S. 437
CHAOS-Studie (Cambridge Heart AntiOxidant Study): Stephens N. G., Parsons A., Schofield P. M., Kelly F., Cheeseman K., Mitchinson M. J., Brown M. J., Randomized Controlled Trial of Vitamin E in Patients with Coronary Disease: Cambridge Heart Antioxdiant Study (CHAOS), Lancet 1996;347:781-786
Yusuf S, Dagenais G, Pogue J, Bosch J, Sleight P: Vitamin E supplementation and cardiovascular events in high-risk patients. The Heart Outcomes Prevention Evaluation Study Investigators. New Engl J Med (2000), 342: 154-160.
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