24. September 2008
(pgk) Spucke als Allheilmittel – das wusste schon die Oma, die dem Enkel nach einem Sturz ein wenig Speichel auf die Wunde rieb. Und so weiß heutzutage jedes Kind, dass Speichel anscheinend medizinische "Zauberkraft" hat. Warum das tatsächlich so ist, haben jetzt niederländische Wissenschaftler herausgefunden. Eiweiße aus der Gruppe der Histatine sind offenbar des Rätsels Lösung.
Ein Forscherteam um Menno Oudhoff vom Amsterdamer Universitätszahnklinikum züchtete menschliche Zellen aus dem Mund in verschiedenen Gefäßen mit und ohne Speichel, fügte den Zellen kleine "Verletzungen" zu und stellte fest, dass die Zellen im Speichelgefäß nach 16 Stunden fast vollständig wieder intakt waren. Bei den anderen Zellkulturen waren die Wunden dagegen zu großen Teilen noch unverheilt. Die Wissenschaftler untersuchten daraufhin jeden einzelnen Speichelbestandteil auf seine Fähigkeit, Wunden zu heilen. Dabei zeigte die Eiweißsubstanz Histatin (Histatin 1 und Histatin 2) die gesuchte heilende Wirkung. Von Teilen dieses Proteins (Histatin 5) wusste man bisher nur, dass sie eine pilzabtötende Wirkung besitzen. Offenbar hat Histatin aber auch positiven Einfluss auf die Heilung von Wunden.
Hintergrund der Untersuchungen war die Beobachtung, dass Wunden im Mund sehr viel schneller heilen als Wunden auf der Haut. Bei Nagern hatte man in der Vergangenheit festgestellt, dass diese in ihrem Speichel verschiedene Wachstumfaktoren enthalten, die Wunden schnell heilen lassen. Das könnte erklären, warum Tiere intensiv ihre Wunden lecken. Beim Menschen aber war bislang der Nachweis solcher Substanzen sehr viel schwieriger, weil diese hier nur in einer 100.000-fach niedrigerer Konzentration vorkommen. Die Identifizierung des Wundheilstoffes Histatin im menschlichen Speichel gelang den niederländischen Wissenschaftlern nun mittels eines Hochleistungs-Flüssigchromatographie-Verfahrens.
Damit erhält die Redewendung "Sich seine Wunden lecken" nun auch für den Menschen berechtigte Bedeutung. Allerdings sollte man bedenken, dass sich in der Mundflora und damit im Speichel gegebenenfalls auch Bakterien befinden, die der Gesundheit eher abträglich sind. Ob da dann die Spucke immer so günstig ist, ist also nicht grundsätzlich gesagt.
Die Forscher hoffen indes, dass aufgrund ihrer Speichel-Erkenntnisse in Zukunft neue Medikamente für die Behandlung von chronischen Wunden, wie sie zum Beispiel häufig bei Diabetes-Patienten auftreten, entwickelt oder Heilungsprozesse von Brandverletzungen und frischen OP-Wunden durch die Histatin-Wirkstoffe im Speichel wirkungsvoll unterstützt werden können.
Quellen:
Menno J. Oudhoff, Jan G. M. Bolscher, Kamran Nazmi, Hakan Kalay, Wim van 't Hof, Arie V. Nieuw Amerongen, and Enno C. I. Veerman, Histatins are the major wound-closure stimulating factors in human saliva as identified in a cell culture assay, published online before print July 23, 2008 (as doi: 10.1096/fj.08-112003), www.fasebj.org/
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