Innere Blutungen

Unfälle, bei denen es zu inneren Verletzungen kommt, zählen zu den häufigsten Auslösern

Von inneren Blutungen spricht man, wenn durch eine innere Verletzung oder eine Erkrankung Blut aus dem Blutkreislauf austritt. Starke Blutungen können unter Umständen lebensbedrohlich sein.

Nahaufnahme Bluttransfusion bei einem Mann

Unter einer Blutung (Hämorrhagie) versteht man das Austreten von Blut aus der Blutbahn oder einer Region des Blutkreislaufs. Grundsätzlich kann es aus sämtlichen Gefäßen des Blutkreislaufs zu Blutungen kommen. Während kleinere Blutungen durch die Blutgerinnung des Organismus gestoppt werden, können größere Blutungen lebensgefährliche Folgen haben

Es wird zwischen äußeren und inneren Blutungen unterschieden. Die meisten Blutungen sind äußerlich und werden durch Verletzungen wie Schnitte oder Stiche hervorgerufen, aber auch innere Blutungen sind möglich.

Bei einer inneren Blutung kommt es zum Austritt von Blut aus dem Blutkreislauf. Im Unterschied zu einer äußeren Blutung fließt das Blut dabei jedoch nicht durch eine Wunde nach außen, sondern verbleibt im Körper, denn die Haut wird bei einer inneren Verletzung nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Von inneren Blutungen sind vor allem die Organe des Körpers betroffen. Tritt nur wenig Blut bei einer inneren Blutung aus, bemerken dies die Betroffenen oft gar nicht. Aus diesem Grund gelten innere Blutungen auch als gefährlicher als äußere Blutungen.

Was bei einer Hirnblutung passiert

Die Folgen einer Hirnblutung sind im schlimmsten Fall nicht mehr heilbar

3D Grafik männlicher Schädel mit rotem Gehirn
schädel mit gehirn © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Bei einer Hirnblutung sammelt sich das Blut, das aus einem beschädigten Blutgefäß austritt, im Gehirn oder in den umgebenden Hirnhäuten. Die Blutung kann sich beispielsweise durch einen Sturz oder Schlag auf den Schädel ergeben.

Sie kann auch die Folge einer Gefäßmissbildung oder einer Kalkablagerung sein, die die Festigkeit des Gefäßes herabsetzt. Unter ungünstigen Bedingungen reißt dann das Gefäß auf.

Sitz der Blutzung

Je nach Ursache und den genauen Umständen sitzt die Blutung

  • innerhalb des Gehirns,
  • zwischen Gehirn und Hirnhaut,
  • zwischen den verschiedenen Hirnhäuten oder
  • zwischen Schädelknochen und Hirnhaut.

Verletzte Venen sind auch innerhalb des Schädels im Vergleich eher harmlos. Dagegen können verletzte Arterien dort leicht zu einem lebensgefährlichen Blutverlust führen.

Da sich der Schädel nicht weitet, drückt das austretende Blut im Schädel auf das Nervengewebe. Je höher dieser Druck ansteigt und je länger er anhält, desto mehr schädigt er das Nervengewebe; schlimmstenfalls ist die Schädigung nicht mehr heilbar.

Folgen einer Hirnblutung

Die Folgen einer Hirnblutung können denen eines Schlaganfalls gleichen. Sie treten nicht unbedingt sofort auf, sondern teilweise erst nach einer verhältnismäßig beschwerdearmen Latenzzeit von Minuten oder Stunden. Danach können sich Symptome einstellen wie

Eventuell trübt sich das Bewusstsein ein oder schwindet ganz. Die Lähmung wichtiger Herzkreislauffunktionen kann schließlich zum Tod führen.

Ursachen

Verursacht werden innere Blutungen meist durch Unfälle, die innere Verletzungen zur Folge haben. Zu größeren inneren Blutungen kommt es zumeist durch schwere Verkehrsunfälle. Aber auch Geschwüre, die sich an einem Organ bilden, oder bestimmte Krankheiten wie das hämorrhagische Fieber oder die Bluterkrankheit (Hämophilie) können innere Blutungen hervorrufen.

Mögliche Folgen

Eine Folge von leichten inneren Blutungen ist häufig Blutarmut (Anämie). Diese entsteht, weil sich die Menge an Blut, die beispielsweise bei einem Geschwür an der betroffenen Körperstelle austritt, mit der Zeit summiert.

Werden starke innere Blutungen nicht rechtzeitig behandelt, droht der Tod durch Verbluten. Außerdem besteht die Gefahr eines hämorrhagischen Schocks.

Symptome

Besonders stark sind innere Blutungen, wenn eine Hauptschlagader oder ein Organ verletzt werden. Das Tückische an inneren Blutungen ist, dass sie von außen kaum zu erkennen sind. Lediglich bei einem Hämatom (Bluterguss) unmittelbar unter der Haut, welches meist bei Prellungen oder Brüchen auftritt, ist die Blutung sichtbar.

Findet eine innere Blutung im Lungenbereich statt und fließt das Blut dabei in die Lunge hinein, kann sich dies durch blutigen Husten bemerkbar machen. Strömt das Blut dagegen in den Verdauungstrakt, besteht die Gefahr, dass Blut erbrochen wird. Am gefährlichsten sind innere Blutungen in der Bauchregion, da dort das meiste Blut fließt.

Diagnose und Behandlung

Besteht der Verdacht auf eine innere Blutung, muss umgehend ein Arzt alarmiert werden. Um rechtzeitig mit lebensrettenden Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen zu können, ist es wichtig, den Betroffenen rund um die Uhr zu überwachen. Auch wenn nur leichte innere Blutungen bestehen, muss ihre Ursache gefunden werden.

Damit es nicht zu Blutarmut kommt, verabreicht man den Patienten häufig Eiseninfusionen. Handelt es sich um schwere innere Blutungen, ist ein chirurgischer Eingriff unbedingt notwendig, um dem Austritt des Blutes entgegenzuwirken. Mitunter müssen auch Bluttransfusionen verabreicht werden.

Künstliche Blutplättchen stillen die Wunde bei Inneren Blutungen

Natürliche innere Wundheilung - die künstlichen Blutplättchen setzen nur da an, wo sie nötig sind

Grafik Blutkörperchen bewegen sich durch Blutbahn
fließendes blut © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

US-Forscher der Universität in Cleveland entwickelten künstliche Blutplättchen, welche innere Blutungen doppelt so schnell stillen können, wie die Behandlung mit Proconvertin.

In mehreren Versuchsreihen mit Ratten injizierten Forscher diesen die künstlichen Plättchen, welche halfen, innere Verletzungen zu heilen und sich nach einiger Zeit von alleine wieder abbauten. Nach Ablauf einer Woche gab es keine Nebenwirkungen mehr.

Wirkungsprinzip

Bei der natürlichen inneren Wundheilung des Körpers bleiben Blutplättchen, unter Beteiligung bestimmter Proteine, an den Wänden der verletzten Blutgefäße kleben. Nach und nach baut sich eine Barriere aus Blutplättchen auf, die die Blutung zum Stillen bringt und die Wunde schließt.

Bei großen inneren Blutungen sind Ärzte oft hilflos, daher sollen die künstliche Blutplättchen nun Hilfe leisten. Jedes einzelne von ihnen ist mit einer Wasserhülle umgeben, nur nur in Anwesenheit von Gerinnungsproteinen bleibt es an anderen Plättchen kleben. Sie helfen nur da, wo sie auch gebraucht werden.

Ob das Kunstblut langfristig unbedenklich und für den menschlichen Einsatz geeignet, wird nun untersucht.

Nanopartikel sollen innere Blutungen schneller stillen

Forscher aus den USA arbeiten derzeit an synthetischen Blutplättchen aus abbaubaren Polymeren. Diese sollen Blutungen bei inneren Verletzungen schneller stillen. Bei akuten Verletzungen sollen sie gespritzt werden, um sich an den Thrombozyten festzusetzen.

Im Fachblatt "Science Translational Medicine" hatten Forscher ihre Ergebnisse aus Tierversuchen mit Ratten veröffentlicht. Hierbei soll sich die Zeit bis zur Gerinnung um 23 Prozent verkürzt haben. Bisher gibt es schon einen Gerinnungsfaktor, der in der Notfallmedizin eingesetzt wird, doch die Polymere sollen 25 Prozent schneller wirken. Doch wie bei allen Studien an Tieren lassen sich die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen.

Ob die Technologie in der Notfallmedizin für den Menschen nützlich ist, muss nun in klinischen Studien sowieso an Menschen getestet werden. Die Wirkstoffe der Nano-Plättchen sind schon in anderen Produkten bei der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zugelassen.

Formen von Blutungen

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Blood Transfusion © weim - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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