Kleines Blutbild - Merkmale, Anwendungsgebiete und Werte

Als Blutbild bezeichnet man eine medizinische Untersuchung, bei der eine Bestimmung der Menge der zellulären Anteile des Blutes vorgenommen wird. Mit Hilfe eines solchen Blutbildes können Rückschlüsse auf bestimmte Krankheiten gezogen oder der Blutgerinnungsfaktor vor einem operativen Eingriff zu bestimmt werden. Das kleine Blutbild gibt Informationen über die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten, sowie über weitere Laborwerte. Lesen Sie alles Wissenswerte über das kleine Blutbild.

Das kleine Blutbild zur Untersuchung des Blutes

Blutbild - Ziel und Zweck

Die Erstellung eines Blutbildes gehört zu den bedeutendsten Untersuchungsmethoden in der Medizin. Ziel und Zweck eines Blutbildes ist es, wichtige Erkenntnisse bei der Diagnose von bestimmten Krankheiten zu erhalten.

Dabei wird dem Patienten eine Blutprobe aus seinem Körper entnommen und zu einer weiteren Untersuchung in ein Laboratorium geschickt. Dort wird das Blutbild mikroskopisch und photometrisch untersucht und analysiert, wobei es in der Hauptsache um die Anzahl der einzelnen Blutzellen geht.

Bestandteile des menschlichen Blutes

Im Blut können Mediziner den Gesundheitszustand eines Menschen ablesen. Zur Blutuntersuchung eignet sich am besten Blut aus einer Vene, zum Beispiel der Ellenbeugenvene, oder Kapillarblut aus der Fingerkuppe oder dem Ohrläppchen.

Zelluläre Bestandteile

In der Regel besteht das Blut eines Menschen zu ca. 37–45 Prozent bei Frauen sowie aus 43–50 Prozent bei Männern aus Blutzellen. Den Anteil an zellulären Bestandteilen an dem gesamten Volumen einer Probe nennt man Hämatokrit.

Blutplasma

Wenn es zu einer Abtrennung der zellulären Bestandteile kommt, was beispielsweise mit einer Zentrifuge ermöglicht wird, bleibt Blutplasma übrig. Dieses Blutplasma enthält verschiedene Plasmaproteine, Gerinnungsfaktoren und Elektrolyte.

Gerinnungsfaktoren

Wird das Blut eine Zeit lang stehen gelassen, kommt es zu einer Gerinnungsreaktion. Dabei werden die Gerinnungsfaktoren aktiviert. Gemeinsam mit den zellulären Bestandteilen wie den Thrombozyten, bilden die Gerinnungsfaktoren ein Thrombus (Gerinnsel). Der aus Plasma ohne Gerinnungsfaktoren bestehende Überstand wird dann als Blutserum bezeichnet.

Anwendungsgebiete des Blutbilds

Vor größeren Operationen werden stets Blutuntersuchungen vorgenommen, um den Blutgerinnungsfaktor des jeweiligen Patienten festzustellen. Durch die Erstellung eines Blutbildes kann der behandelnde Arzt erkennen, ob eventuelle entzündliche Reaktionen im Körper vorkommen, was einen Aufschub des Eingriffes notwendig machen würde. Des Weiteren werden Blutbilder benutzt, um

  • Mangelerkrankungen
  • Blutarmut (Anämie) oder
  • Störungen des Blutbildes

zu erkennen.

Gewinnung eines Blutbildes

Zur Gewinnung eines Blutbildes werden heutzutage vor allem automatische Zählgeräte verwendet. Die meisten Krankenhäuser verfügen über eigene Labore, in denen ein Blutbild vor Ort erstellt werden kann.

Aus dem Kapillarblut lässt sich der Blutzucker - oder bei Sportlern der Laktatwert bestimmen. Das Blutbild zeigt die im menschlichen Körper vorhandenen zellulären Blutbestandteile, aus denen Erkrankungen oder Veränderungen abgelesen werden können. Dabei unterscheidet man:

  1. das kleine Blutbild
  2. das umfassende (große) Blutbild

Bei dem kleinen Blutbild kann nur die Anzahl der einzelnen Blutzellen festgestellt werden. Bei dem großen Blutbild, das auch Differentialblutbild genannt wird, wird eine genaue Analyse der Blutbestandteile vorgenommen, was man auch als Differentialdiagnostik bezeichnet.

Als Hämatokrit bezeichnet man die Anzahl der zellulären Bestandteile des Blutes und gewinnt dadurch wichtige Parameter über die Viskosität des Blutes. Jeder erwachsene Mensch hat ein Blutvolumen von etwa sechs Litern, was sechs bis acht Prozent seines Körpergewichts ausmacht. Zu den Aufgaben des Blutes gehören:

  • die Sauerstoffversorgung der Organe und Gewebe
  • der Abtransport von Kohlendioxid
  • die Energieversorgung
  • der Transport von Hormonen und Vitaminen
Rote und weiße Blutkörperchen
Anhand des Blutbilds wird unter anderem die Anzahl roter und weißer Blutkörperchen festgestellt

Die Blutprobe

Blutabnahme aus der Armvene
Blutabnahme aus der Armvene

Das Erstellen eines Blutbildes ist sehr simpel und nimmt für den Patienten nur ein paar Minuten Zeit in Anspruch. Von dem Patienten wird über die Haut eine Blutprobe entnommen. Dabei genügt manchmal schon ein kleiner Nadeleinstich an einer Fingerkuppe oder meist eine Abnahmen mit Hilfe einer Spritze über die Armvene, um das Blut abzuzapfen.

Die Blutanalyse

Danach wird die entnommene Blutprobe in ein Laboratorium geschickt, wo es unter dem Mikroskop gründlich analysiert wird und Anhaltspunkte bei der Suche nach einer Krankheit liefert.

Die Blutzellen werden dabei genauestens untersucht. Zu den verschiedenen Zellen zählen:

  1. die weißen Blutkörperchen (Leukozyten)
  2. die roten Blutkörperchen (Erythrozyten)
  3. die Blutplättchen (Thrombozyten)
  4. die unreifen roten Blutkörperchen (Retikulozyten)

Wird ein Differentialblutbild erstellt, werden dabei die prozentualen Anteile dieser Zellen ermittelt.

Neben diesen Zellen misst man bei einem Blutbild u.a. auch:

In diesem Artikel befassen wir uns näher mit dem kleinen Blutbild - detailliertere Informationen über das große Blutbild erhalten Sie hier in unserem separaten Artikel...

Das kleine Blutbild

Das kleine Blutbild gibt Auskunft über den allgemeinen Gesundheitszustand. Im kleinen Blutbild kann der behandelnde Arzt Anzahl, Größe und Form der roten (Erythrozytenwert) und weißen Blutkörperchen (Leukozytenwert) sowie der Blutplättchen (Thrombozytenwert) ablesen.

Zudem erhält man Informationen über Laborwerte wie

  • MCV
  • MCH und
  • MCHC.

Die roten Blutkörperchen enthalten Hämoglobin. Sie sind zudem für den Transport von Sauerstoff zu den unterschiedlichen Körperzellen zuständig. Das Verhältnis der Zusammensetzung der Erythrozyten aus festen Bestandteilen und Hämoglobin wird mit den Werten MCV, MCHC und MCH beschrieben.

Die weißen Blutkörperchen spielen bei der körperlichen Infektabwehr eine Rolle. Auch sind sie für die Blutgerinnung von Bedeutung.

Die Ermittlung eines kleinen Blutbilds ist mit einfachen Mitteln schnell möglich. Zusätzlich können andere Untersuchungsmethoden angewandt werden, um detailliertere Einblicke zu erhalten.

Abkürzungen im kleinen Blutbild

Die einzelnen Werte tragen verschiedene Abkürzungen. Sie stehen für folgende Bestandteile:

  • Erythrozyten: Ery
  • Thrombozyten: Thrombo
  • Leukozyten: Leuko
  • Hämoblobin: Hb
  • Hämatokrit: Hkt
  • Mittleres Erythrozytenvolumen: MCV
  • Mittleres zelluläres Hämoglobin: MCH
  • Mittlere zelluläre Hämoglobinkonzentration: MCHC

Beim Hämatokrit handelt es sich um einen Wert, welcher für die Menge an festen Bestandteilen im Blut steht. Höhere Werte sind bei dickflüssigerem Blut zu verzeichnen - in diesem Fall können sich leichter Blutgerinnsel bilden.

MCV steht für das durchschnittliche Volumen, das ein einzelnes rotes Blutkörperchen aufweist. Bei einer Blutarmut weichen die Werte ab.

Wie viel roter Blutfarbstoff pro Erythrozyt zu verzeichnen ist, darüber gibt der MCV-Wert Aufschluss. Der MCHC-Wert gibt das durchschnittliche Hämoglobinvolumen aller roter Blutkörperchen an.

Anwendungsgebiete des kleinen Blutbilds, z.B. Verdacht auf Leukämie

Das kleine Blutbild wird beispielsweise als Routinemaßnahme angeordnet, um sich einen Überblick, über den allgemeinen Gesundheitszustand zu verschaffen. Auch zur gezielten Diagnose, etwa bei Verdacht auf

  • Störungen der Blutgerinnung
  • Blutarmut (Anämie)
  • Entzündungen
  • Infektionen
  • Leukämie,

wird ein kleines Blutbild gemacht. Zudem kann es vor chirurgischen Eingriffen erstellt werden. Auf diese Weise lassen sich eventuelle Komplikationen vorzeitig abwenden bzw. auch schnell beheben.

Kosten des kleinen Blutbilds

Wer ein kleines Blutbild machen lassen möchte, muss mit Kosten um die 25 Euro rechnen. Das kleine Blutbild ist Kassenleistung für Menschen ab 35 Jahren.

Wissenswertes zu den Werten beim kleinen Blutbild: muss man nüchtern sein?

Für das kleine Blutbild wird dem Patienten etwas Blut, meist aus der Vene, abgenommen. Nüchtern muss man dafür nicht sein; eine Nahrungsaufnahme führt nicht zu wesentlichen Veränderungen der Werte.

Normwerte beim kleinen Blutbild

Die Normwerte lauten wie folgt:

Normwerte beim kleinen Blutbild
MännerFrauen
Erythrozyten4,8 - 5,9 Mio./µl4,3 - 5,2 Mio./µl
Leukozyten4000 - 10.000/µl4000 - 10.000/µl
Thrombozyten150.000 - 400.000/µl150.000 - 400.000/µl
Hämoglobin14 - 18 g/dl12 - 16 g/dl
Hämatokrit40 - 54 %37 - 47 %
MCH28 - 34 pg28 - 34 pg
MCV78 - 94 fl78 - 94 fl
MCHC30 - 36 g/dl30 - 36 g/dl

Zu niedrige Werte im kleinen Blutbild

Sind die Erythrozytenwerte zu niedrig, kann dies ein Hinweis auf

  • eine Blutarmut durch Vitamin- oder Eisenmangel
  • Blutverlust oder
  • Überwässerung, z.B. durch übermäßiges Wassertrinken

darstellen. Die Zahl der roten Blutkörperchen ist ein Richtwert für die Sauerstoffversorgung. Zu wenige Erythrozyten könnten ein Hinweis auf eine Blutarmut sein - der Mediziner bezeichnet das als "Anämie".

Dabei wird der Körper nicht ausreichend mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff versorgt. Zu niedrige Leukozytenwerte sind bei

  • Knochenmarkserkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Virusinfektionen
  • Krebserkrankungen
  • einer Chemotherapie und
  • einigen Leukämie-Formen

typisch. Zu wenig Thrombozyten lassen beispielsweise auf

  • Vitamin- oder Eisenmangel
  • Blutungen
  • Medikamente oder
  • Leukämie

schließen.

Bei zu niedrigen Thrombozyten-Werten können

  • eine Erkrankung der Blutgefäße
  • eine Erkrankung der Blutzellen
  • eine Nierenerkrankung
  • eine bestimmte Anämieform (aplastische Anämie)

vorliegen.

Weist das Blutbild zu niedrige Hämoglobin-Werte auf, kann dies für eine Blutarmut oder Überwässerung sprechen. Der Hämoglobinwert sinkt zudem bei einer Schwangerschaft.

Zu niedrige Hämatoriktwerte sprechen für Anämie, Blutverlusst oder Überwässerung.

Fallen die MCH-Werte zu gering aus, kann ein

  • Eisenmangel
  • Kupfermangel oder
  • Vitamin B6-Mangel

der Auslöser sein. Zu niedrige MCHC-Werte sprechen für einen Kupfer- oder Eisenmagel oder auch das myelodysplastische Syndrom. Niedrige MCV-Werte zeigen sich bei einem Vitamin-B6- oder Eisenmangel, ebenso bei bestimmten Infektionen.

Zu hohe Werte im kleinen Blutbild

Bei zu hohen Erythrozytenwerten kann eine Dehydrierung oder auch eine Krankheit der blutbildenden Zellen, die sich im Knochenmark befinden, vorliegen. Ist die Menge der weißen Blutkörperchen erhöht, besteht der Verdacht auf eine Infektion. Auch kann dies ein Anzeichen für Leukämie sein. Weitere Auslöser für zu hohe Leukozytenwerte sind

  • Stress
  • Rauchen
  • körperliche Belastung
  • Schwangerschaft und
  • bestimmte Medikamente, z.B. Kortison

Zu hohe Thrombozyten-Werte können für Polycythaemia vera, eine gewisse Erkrankung der blutbildenden Knochenmarkzellen, sprechen.

Sind die Hämoglobinwerte zu hoch, kann dies auf eine übermäßige Blutzellvermehrung sowie auch eine Austrocknung zurück zu führen sein. Ein längerer Aufenthalt in höheren Lagen sowie auch starkes Rauchen sind ebenso mögliche Auslöser.

Zu hohe Hämatokritwerte sind ein mögliches Anzeichen für Austrocknung oder eine zu starke Vermehrung roter Blutkörperchen. Ist die MCH-Konzentration zu hoch, zählen Folsäure- oder Vitamin-B12-Mangel zu den möglichen Ursachen.

Ein Vitamin-B-12-Mangel kann auch bei zu hohen MCHC-Werten vorliegen. Eine Alkoholabhängigkeit sowie chronische Lebererkrankungen können die Ursache für zu hohe MCV-Werte sein.

Was tun, wenn die Werte im kleinen Blutbild verändert sind?

Bei veränderten Werten im kleinen Blutbild bespricht der Arzt diese mit dem Patienten. Dieser muss über mögliche Ursachen informiert und über die nächsten Behandlungsschritte aufgeklärt werden.

Möglich ist etwa die Anordnung weiterführender Untersuchungen oder auch Behandlungen. In diesen Bereich fallen etwa weitere Blutuntersuchungen. Bei Eisenmangel werden entsprechende Präparate verordnet.

Liegt eine Leukozytose aufgrund eines Infekts vor, kommt es meist von selbst zur Normalisierung der Werte. Kleinere Abweichungen im Blutbild stellen in der Regel keinen Grund zur Sorge dar.

Quellen:

  • Barbara Bain, Karl-Anton Kreuzer: Das Blutbild: Diagnostische Methoden und klinische Interpretation, De Gruyter, 2017, ISBN 9783110442151
  • Arno J. Dormann, Berend Isermann, Christian Heer: Laborwerte, Urban & Fischer Verlag, 2018, Seite: 343722025X
  • Maria Lohmann: Laborwerte verstehen. Kompakt-Ratgeber: Blut-, Urin- und Stuhlanalysen - Normalwerte im Überblick, Mankau Verlag, 2018, ISBN 3863741587
  • Lothar Ursinus: Mein Blut sagt mir …: Labor ganzheitlich, Schirner Verlag, 2019, ISBN 3843411417
  • Torsten Haferlach, Heinz Diem, Marianne Engels: Taschenatlas Hämatologie: Mikroskopische und klinische Diagnostik für die Praxis, Thieme, 2019, ISBN 3132408298
  • Markus Vieten: Laborwerte verstehen leicht gemacht: Alle wichtigen Werte von A-Z, TRIAS, 2009, ISBN 383043457X
  • Vera Zylka-Menhorn: Blutwerte verstehen: Was das Blut über die Gesundheit verrät, Govi, 2014, ISBN 3774112568
  • Ulrich Grass: Laborparameter: verstehen, einordnen, interpretieren, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2017, ISBN 380473524X

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