17. März 2010
(dgk) Androgene Hormone, allen voran das Testosteron, gehören zu den wichtigsten Steuersubstanzen in unserem Organismus. Der Begriff „männliche“ Hormone ist ein wenig irreführend, denn für Männer und Frauen sind sie gleichermaßen wichtig: Androgene stabilisieren Masse und Kraft der Muskulatur, verhindern Knochenverlust und Brüche, wirken Fettablagerungen entgegen und beschleunigen die Erholung nach Verletzung und Krankheit. Das Sexualleben wird wesentlich von ihnen mitbestimmt, und auf der psychischen Ebene fördern sie Aktivität und Tatendrang. Die Mengenverteilung aber ist bei Frauen und Männern unterschiedlich.
Der männliche Organismus ist zur optimalen Funktionsfähigkeit auf eine höhere Verfügbarkeit vor allem von Testosteron angewiesen. Ein Hormonmangel macht sich beim Mann entsprechend deutlich bemerkbar. Allerdings gehört das Nachlassen der Potenz nicht zu den Frühsymptomen. Potenzschwierigkeiten treten erst bei bereits deutlich fortgeschrittenem Hormonmangel auf. Die ersten Symptome für einen Mangel an Testosteron beim Mann sind Muskelabbau, nachlassende Kraft und Fettzunahme am Bauch. Hinzu kommen ein vermindertes Wohlbefinden, Motivations- und Konzentrationsschwierigkeiten, Depressionen und Gedächtnisprobleme.
Diese typischen Testosteronmangelsymptome werden bei älteren Patienten allzu oft als "normale" Alterserscheinungen interpretiert. Bei genauer Untersuchung findet sich tatsächlich bei etwa jedem fünften Mann über 50 Jahre eine deutliche Unterfunktion der Keimdrüsen. Andrologen beklagen, dass selbst eine extreme Hodenunterfunktion, der "Hypogonadismus", zu selten diagnostiziert wird. Nach Schätzungen amerikanischer Andrologen erhalten nur fünf Prozent der betroffenen Männer eine Hormonsubstitution.
Das optimale Hormonniveau liegt bei etwa 650 bis 750 ng/dl morgendlichem Gesamttestosteron. Bei Werten unter 400 bis 450 ng/dl ist eine Substitution in den meisten Fällen sinnvoll. Entscheidender als die Blutwerte, die nicht immer aussagekräftig sind, ist die Befindlichkeit des Patienten. Bei Symptomen, die auf einen funktionellen Testosteronmangel hinweisen, wird der erfahrene Androloge zunächst eine mehrmonatige Substitution verordnen. Zeigt die Therapie positive Wirkungen, kann sie fortgeführt werden.
Quelle: Rüdiger Schmitt und Simone Homm: Handbuch Anti-Aging & Prävention, Marburg 2008
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