Aufgabenspezifischer Tremor, dystoner Tremor und essentieller Tremor

Ein Tremor kann sich auf verschiedene Art und Weise zeigen. Man unterscheidet u.a. zwischen einem aufgabenspezifischen, dystonen und essentiellen Tremor.

Der essentielle Tremor gilt als die am häufigsten vorkommende Tremorform

Aufgabenspezifischer Tremor

Von einem aufgaben- oder positionsspezifischen Tremor spricht man, wenn das Muskelzittern bei der Ausführung von bestimmten Tätigkeiten auftritt. Dazu gehört zum Beispiel der Schreibtremor. Das heißt, dass das Zittern nur dann einsetzt, wenn der Betroffene zu schreiben versucht.

Besonders betroffen von einem aufgabenspezifischen Tremor sind Sportler und Berufsmusiker. Diese haben miteinander gemeinsam, dass sie hochspezialisierten motorischen Beanspruchungen ausgesetzt sind. Dabei erreichen sie oft die Grenze der Koordinationsfähigkeit.

Ein typisches Merkmal des aufgabenspezifischen Tremors ist, dass er nur beim Ausüben einer bestimmten Tätigkeit auftritt. Andere motorische Aufgaben verlaufen dagegen einwandfrei.

Primärer Schreibtremor

Zu den häufigsten aufgabenspezifischen Tremoren zählt der primäre Schreibtremor. Typischerweise zeigt er sich ausschließlich beim Schreiben. Andere Aufgaben führt die betroffene Hand problemlos aus.

Einteilen lässt sich der primäre Schreibtremor in die Subtypen A und B.

  • Bei Typ A tritt er nur dann auf, wenn der Betroffene schreibt.
  • Bei Typ B setzt dagegen das Zittern schon ein, wenn die Hand lediglich zum Schreiben ansetzt.

Dystoner Tremor

Ein dystoner Tremor tritt auf, wenn die Betroffenen unter einer Dystonie (Bewegungsstörung) leiden. Bei einer dystonen Erkrankung ist der natürliche Spannungszustand der Muskulatur gestört.

Von einer Dystonie können sämtliche Muskeln betroffen sein. Dazu gehören beispielsweise Arm- und Beinmuskeln oder der Herzmuskel.

Zu den Dystonien zählen unter anderem

  • der Blepharospasmus (Zusammenziehen der Augenmuskulatur)
  • der Schiefhals oder
  • der Schreibkrampf.

Der dystone Tremor zeigt sich zumeist als Aktions- und Haltetremor. Nur selten tritt er im Ruhezustand auf. Die abrupt einsetzenden Muskelverkrampfungen können für den Patienten sehr schmerzhaft sein.

Essentieller Tremor

Beim essentiellen Tremor (ET) handelt es sich um die am häufigsten vorkommende Tremorform. Er gilt als typischer Haltetremor und ist in den meisten Fällen erblich bedingt.

So besteht bei etwa 60 Prozent aller Betroffenen eine genetische Veranlagung. Doch auch ein spontanes Auftreten des essentiellen Tremors ist möglich.

Grundsätzlich kann ein essentieller Tremor in jedem Lebensalter vorkommen. Bei den meisten Patienten manifestiert er sich ab dem 50. Lebensjahr. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen.

Mögliche Folgen

Ein Problem ist, dass ein essentieller Tremor nicht selten die Fehldiagnose Parkinson-Krankheit und damit falsche Therapiemaßnamen zur Folge hat. Darüber hinaus werden die betroffenen Personen häufig als Alkoholiker oder Drogensüchtige abgestempelt, was wiederum dazu führt, dass diese sich aus dem sozialen Leben immer mehr zurückziehen.

Manche Patienten entwickeln sogar eine soziale Phobie. Durch Angstzustände und Aufregung kann sich der essentielle Tremor jedoch verschlimmern. Bei einigen Patienten kommt es sogar wirklich zu einem Alkoholproblem, weil Alkohol das Zittern vorübergehend bessert.

Symptome und Diagnose

Ein typisches Merkmal des essentiellen Tremors ist, dass er zunächst nur einseitig auftritt. Im weiteren Verlauf sind jedoch in zunehmendem Maße beide Körperseiten betroffen. Die Frequenz des Tremors liegt zwischen 5 und 9 Hertz.

Am häufigsten zeigt sich das Zittern an den Händen. Des Weiteren kann es an den Beinen, dem Kopf und dem Hals vorkommen.

Gelegentlich tritt der Tremor auch an

auf.

Bei der Diagnose ist es wichtig, eventuelle neurologische Krankheiten auszuschließen. Dazu gehören vor allem die Parkinson-Krankheit und Dystonie. Auch einen isolierten aufgabenspezifischen Tremor oder einen physiologischen Tremor gilt es auszuschließen.

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