Engelwurz in der Natur und Heilkunde

Die Engelwurz ist eine geschätzte Gewürz- und Arzneipflanze. Die Engelwurz war ein fester Bestandteil der früheren Klostermedizin. Im Mittelalter galt sie als ein Heilmittel gegen die Pest. Bereits im zehnten Jahrhundert durch die Wikinger in Europa eingeführt, erfreut sich die Engelwurz (Angelika archangelica), auch Angelika genannt, heutzutage noch als Heilpflanze großer Beliebtheit.

Merkmale, Standorte, Inhaltsstoffe und Verwendung der Engelwurz als Heilmittel und Küchenzutat

Einer Sage nach zeigte ein Engel den Menschen die große Heilkraft der Angelika, was auch ihren Namen erklärt. Im Mittelalter war die Engelwurz eine der bekanntesten Heilpflanzen. Sie war in jedem Klostergarten zu finden. In den Zeiten der Pest kauten die Ärzte als Schutz vor Ansteckung Angelikawurzeln.

Die Echte Engelwurz heißt mit botanischem Namen Angelica archangelica, man nennt sie auch Arznei-Engelwurz und sie gehört zu der Familie der Doldenblütler. Volkstümlich kennt man sie noch unter den Namen

  • Angelika
  • Brustwurz
  • Gartenangelika
  • Giftwurz
  • Glückenwurzel
  • Heiligenbitter
  • Heiligengeistwurzel und
  • Zahnwurzel.

Merkmale

Die mehrjährige Pflanze blüht nur einmal und sie kann eine stolze Wuchshöhe von bis zu drei Metern erreichen. Die aufrecht wachsenden Stängel sind rund, leicht gerillt und innen markig hohl, im oberen Teil verzweigen sie sich. An den Verzweigungen ist der Stängel von zwei sich überlappenden Hüllblättern umgeben. Die Stängel haben einen würzig aromatischen Geschmack. Der Stängel ist hohl, gerillt und kann Armdicke erreichen. Die Blätter sind hellgrün und bis zu 90cm lang. Die kleinen grün-weißen Blüten sind in Dolden an Stängeln und Ästen angeordnet. Beim Sammeln der Pflanze ist Vorsicht geboten, da Verwechslungsgefahr mit dem giftigen Wasserschierling besteht.

Die grundständigen Laubblätter sind lang gestielt; sie bilden sich im ersten Jahr, erst im zweiten Jahr wächst die Pflanze in die Höhe. Die oberen Stängelblätter hingegen sitzen in den Blattachseln, sie sind gefiedert und haben eine stachelige Spitze.

Die endständigen und gelbweißen Blüten bilden halbkugelige Dolden. Die Blütezeit ist von Juni bis August.

Standorte

Die Engelwurz kommt ursprünglich aus dem Norden, sie ist hauptsächlich in Mitteleuropa beheimatet, aber auch in Sibirien, im Himalaja und in Nordamerika verbreitet. Sie bevorzugt

  • feuchte Standorte,

besonders gut gedeiht sie auf

  • einem nährstoffreichen Tonboden.

Man findet sie

  • auf feuchten Wiesen und
  • an Ufern von Wasserläufen,

teilweise wird sie kommerziell angebaut. Die Engelwurz gedeiht sowohl im Schatten, im Halbschatten als auch in der vollen Sonne.

Es besteht eine Verwechselungsgefahr mit giftigen Pflanzen, deshalb sollte sie nur von erfahrenen Pflanzenkennern gesammelt werden.

Inhaltsstoffe

Zu ihren Hauptbestandteilen gehören unter anderem

Medizinische Verwendung

Engelwurz in der Natur
Eine Engelwurzpflanze auf Island

In den meisten Fällen wird die Angelika als Tee oder Tinktur aus der getrockneten Wurzel verabreicht. Für einen Tee 2 gehäufte Teelöffel Engelwurz mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergiessen und abgedeckt 10 Minuten ziehen lassen. Durch das ätherische Öl, die Bitter- und Gerbstoffe, die Hauptwirkstoffe der Angelika, wirkt sie appetitanregend, verdauungsfördernd, desinfizierend und krampflösend. Außerdem regt sie die Gallen- und Magensaftsekretion an.

Die Anwendungsgebiete der Angelika sind daher weit gefächert. Sie wird eingesetzt bei Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl und Blähungen. In der Volksheilkunde ist die Engelwurz auch als Hustenmittel bekannt.

Das ätherische Öl, das aus den Wurzeln der Angelika gewonnen wird, ist ebenfalls vielseitig einsetzbar. Es ist bekannt als "Angst- und Kraftöl", das ängstlichen Menschen helfen kann Kraft und Zuversicht zu gewinnen. Das Engelwurzöl wirkt auf der psychischen Ebene beruhigend, aufbauend, aufhellend und angstlösend. Die körperlichen Anwendungsgebiete gleichen denen der Teeanwendung.

Die in der Angelikawurzel enthaltenen Furocumarine erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut. Um Hautreizungen zu vermeiden, sollte daher während der Anwendung von Angelika auf Sonnenbäder und intensive UV- Bestrahlung verzichtet werden.

Zur medizinischen Verwendung kommt die Wurzel.

Wirkung

Die Engelwurz wirkt

  • antiseptisch
  • appetitanregend
  • abwehrsteigernd
  • kräftigend
  • krampflösend und
  • blähungswidrig.

Anwendungsgebiete

Sie findet Anwendung bei

denn die in ihr enthaltenen Bitterstoffe regen die Speichel- und Magensaftsekretion an. Sie fördert den Gallefluss und hilft bei

Anwendungsart

In der Regel wird die getrocknete Wurzel

  • als Teezubereitung

eingenommen, man kennt aber auch

  • einen Fluidextrakt
  • eine Tinktur und
  • das ätherische Öl.

Letzteres darf aber nicht hoch dosiert eingenommen werden, da es in großen Mengen toxische Eigenschaften hat. Auch bei der Teezubereitung, dem Fluidextrakt und der Tinktur darf eine festgesetzte Tagesdosis nicht überschritten werden. Vor der Anwendung sollte man sich fachkundig beraten lassen. Die Engelwurz ist

  • in einigen Fertigarzneien

enthalten aus der Gruppe der Magen- und Darmmittel.

Anwendungshinweise

In der Engelwurz sind Furanocumarine enthalten, diese können die Haut lichtempfindlich machen, deshalb sollte während der Anwendung auf längere Sonnenbäder verzichtet werden. Auch bei bestehenden Magen- und Darmgeschwüren muss auf eine Anwendung verzichtet werden.

In seltenen Fällen kann es bei einer Anwendung zu allergischen Reaktionen kommen.

Verwendung in der Küche

Die Likörindustrie benutzt die Engelwurz zur

Vor allen Dingen in nordischen Ländern findet die Engelwurz vielfältigen Einsatz in der Küche, denn sie ist in all ihren Teilen sehr aromatisch. Sie findet Verwendung

wird teilweise

  • roh verzehrt oder
  • als Gemüse gekocht.

Quellen:

  • Anna Pavord: Königsfarn & Engelwurz, Dorling Kindersley Verlag Starnberg, 2002, ISBN 3831002770
  • Andrew Chevallier: Das große Lexikon der Heilpflanzen: 550 Pflanzen und ihre Anwendungen, Dorling Kindersley Verlag GmbH, 2017, ISBN 3831032327
  • Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen: Botanik, Drogen, Wirkstoffe, Anwendungen, Kosmos, 2004, ISBN 3440093875
  • Mannfried Pahlow: Das große Buch der Heilpflanzen: Gesund durch die Heilkräfte der Natur, Nikol Verlagsgesellschaft, 2013, ISBN 3868201912
  • V. Schulz: Angelica archangelica (Engelwurz), Internistische Praxis, 2006, Band 46, Nr. 1
  • Karin Buchart, Miriam Wiegele, Andreas Leitner: Die Natur-Apotheke: Das überlieferte und neue Wissen über unsere Heilpflanzen, Servus, 2019, ISBN 9783710401718
  • Vital Experts: HEILPFLANZEN - Das Naturheilkunde Buch, 2019, ISBN 1713160064
  • Ursel Bühring: Alles über Heilpflanzen: Erkennen, anwenden und gesund bleiben Kindle Ausgabe, Verlag Eugen Ulmer, 2007, ISBN 3800149796
  • Ursel Bühring: Heilpflanzenrezepte: Die besten aus der Freiburger Heilpflanzenschule, Verlag Eugen Ulmer, 2014, ISBN 3800179962
  • Siegrid Hirsch: Kräuter-Rezeptbuch: Hausmittel & Salben, Säfte & Marmeladen, Kräuterwein & Liköre, Essig & Öl, Freya, 2014, ISBN 3902540001
  • Peter Emmrich: Kurzcharakteristik Die Kraft der Heilpflanzen, Weg zur Gesundheit, 2017, ISBN 3925207317
  • Bernhard Uehleke, Johannes Mayer, Kilian Saum: Handbuch der Klosterheilkunde: Neues Wissen über die Wirkung der Heilpflanzen. Vorbeugen, behandeln und heilen, Zabert Sandmann, 2008, ISBN 3898832260
  • Peter Spiegel: Das BLV Heilkräuter-Buch: Gesundheit aus der Natur, BLV, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH, 2013, ISBN 3835409751

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