6. November 2008
Von Elke Imle
Keine Spindel, sondern die Spritze vermag heutzutage das, was im Märchen Dornröschen passierte. Noch ein Unterschied zum Märchen: Der Narkosearzt (Anästhesist) versetzt den Patienten nicht in einen hundertjährigen Schlaf, sondern passt die Dosierung der Narkose auf die Dauer der Operation ab. Damit er dazu im Stande ist, müssen vor dem Spritzen des Narkosemittels einige Eigenschaften des Patienten bekannt sein, so zum Beispiel Größe, Gewicht und Allergien.

Ein Anästhesist bei der Narkose
Die benötigten Medikamente für die Vollnarkose werden entweder in eine Vene gespritzt (intravenös) oder über eine Maske in die Atemwege (inhalativ) geleitet. Das Resultat ist das gleiche: Der Patient wird in einen Tiefschlaf versetzt und empfindet für die Dauer der Narkose keine Schmerzen mehr. Später wird er sich auch an nichts erinnern können.
Während der Vollnarkose kann der Patient nicht selbst atmen, sodass ihm ein Atemschlauch (Tubus) in die Luftröhre geschoben wird sobald er eingeschlafen ist, durch welchen er beatmet wird und noch weiteres Narkosegas ausströmt, um die Vollnarkose aufrecht zu erhalten.
Stoppt der Narkosearzt das Narkosegas, wacht der Patient in den nächsten Minuten auf. Der Atemschlauch wird in der Regel vor dem Aufwachen wieder entfernt. Während der OP und auch noch im Aufwachraum wird der Kreislauf des Patienten überwacht und er kommt erst wieder zurück auf sein Krankenzimmer, wenn sein Kreislauf stabil ist.
Es ist relativ normal, nach der Vollnarkose Halsschmerzen zu haben. Sie werden meist vom Atemschlauch verursacht und sind nicht von langer Dauer. Um Erbrechen zu vermeiden (vor allem schon während der Narkose), sollte mindestens sechs Stunden vor der Narkose nichts gegessen und getrunken werden. Ausnahmen sind Tabletten: Sie können problemlos jederzeit mit einem Schluck Wasser eingenommen werden.
Die Vollnarkose kann eine der möglichen Ursachen für Herz-Kreislauf-Störungen sein. Da sie pro Jahr deutschlandweit allerdings über acht Millionen Mal durchgeführt wird, sind die Ärzte soweit routiniert, dass Grübeleien und Ängste bezüglich der Narkose überflüssig sind und Sie sich statt Angst zu haben, lieber auf Ihre bevorstehende Genesung freuen sollten.
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