15. März 2007
(dgk) Das muss und wird sich ändern. Denn die Cytomegalie gehört zu den häufigsten Virusinfektionen, die Kinder während der Entwicklung im Mutterleib schädigen können. Schätzungen zufolge sind weltweit zwischen 0,2 bis 2,4 Prozent aller Neugeborenen mit CMV infiziert.
Hinter der Abkürzung CMV verbirgt sich das CytoMegalie-Virus. Obwohl es bei uns die häufigste Virusinfektion in der Schwangerschaft ist und damit noch vor den Röteln oder der Toxoplasmose rangiert, und obgleich es Möglichkeiten der Vorsorge gibt, können sich die meisten Frauen weder unter CMV noch unter Cytomegalie etwas vorstellen.
Von den jährlich etwa 700.000 Frauen, die ein Kind erwarten, ist rund die Hälfte seronegativ, d.h. hat noch keinen Kontakt mit CMV gehabt. Mindestens ein Prozent dieser Frauen steckt sich jedoch während der Schwangerschaft erstmals damit an, also etwa 3.400 Frauen.
Das Risiko, dass auch das Kind infiziert wird, beträgt mehr als 40 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet das: 1.500 Kinder stecken sich im Mutterleib an, 500 davon erleiden Wachstumsverzögerungen, Gehirnentzündungen, Leber- und Milzvergrößerung, Schwerhörigkeit oder Augenschäden. 40 Kinder sterben in Deutschland jedes Jahr an den Folgen einer Erstinfektion ihrer Mütter während der Schwangerschaft. Das Tückische: Auch wenn Kinder infizierter Frauen bei der Geburt gesund sind, können sie trotzdem später noch erkranken, am häufigsten entwickeln sich Hörstörungen. Etwa 15 Prozent der Kinder sind davon betroffen.
Da ein Test auf CMV nicht in den Mutterschaftsrichtlinien enthalten ist, wird diese Untersuchung auch nicht routinemäßig angeboten (und im Allgemeinen auch nicht von den Krankenkassen bezahlt, er kostet ca. 13 €).
Erst wenn sich Symptome beim Kind zeigen, wird derzeit der CMV-Test durchgeführt. Beispielsweise wenn die Ultraschalluntersuchung zeigt, dass das Baby zu klein ist. Besser: Selbst die Initiative ergreifen und den Gynäkologen ansprechen. Eine einfache Blutuntersuchung gibt Sicherheit. Stellt sich heraus, dass die Frau seronegativ ist, also keine Antikörper im Blut hat, sollte der Test alle acht bis zwölf Wochen wiederholt werden.
Und die werdende Mutter sollte einige einfache Hygieneregeln beachten, um sich so gut wie möglich vor Ansteckung zu schützen: Wer in Kinderkliniken oder in Kindergärten tätig ist, hat ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Bei Kleinkindern wird das Virus in 10 bis 30 Prozent in Urin und Speichel ausgeschieden, ohne dass bei ihnen Krankheitszeichen sichtbar wären. Daher wird regelmäßiges gründliches Händewaschen mit warmem Wasser und Seife empfohlen, z. B. nach Windelwechsel, Füttern oder Kontakt mit Speichel. Tassen, Löffel, Gläser etc. möglichst nicht gemeinsam mit Kindern benutzen und Gegenstände und Oberflächen, die mit Urin und Speichel von Kleinkindern in Kontakt kamen, reinigen.
Laut Biostoffverordnung vom 12. Februar 2007 sollen sich Cytomegalie-seronegative Frauen in der vorschulischen Kinderbetreuung während der Schwangerschaft nur mit Kindern über drei Jahren beschäftigen und dabei engen Körperkontakt und den Kontakt zu Urin, Speichel und Tränenflüssigkeit meiden. Auch die Centers for Disease Control and Prevention in den USA geben eine ähnliche Empfehlung heraus.
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