Querschnittslähmung - Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine Querschnittslähmung ist meist die Folge eines schweren Unfalles. Wie sich die Querschnittslähmung entwickelt, hängt entscheidend davon ab, wo sich die Wirbelkörperfraktur befindet, inwieweit das Rückenmark zerstört wurde und was die Ursache der Querschnittslähmung ist. Die Diagnose wird meist während des stationären Aufenthaltes gestellt.

Die Entstehung einer Querschnittslähmung und wie man sie erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Eine Querschnittslähmung - auch Querschnittsläsion oder Querschnittssyndrom - tritt meist in Folge eines schweren Unfalles auf. Es handelt sich hierbei eigentlich nicht um eine Erkrankung, sondern um ein Symptom.

In der Wirbelsäule des Menschen befindet sich der Wirbelkanal. Darin findet man das Rückenmark, das unzählig viele Nerven enthält, die für unsere Bewegungen zuständig sind. Wird die Wirbelsäule aufgrund eines Unfalles verletzt, kann auch das Rückenmark und somit die Nerven verletzt werden.

Bei einer Verletzung des Rückenmarks oberhalb des ersten Brustwirbels spricht man von einer Tetraplegie. Die Paraplegie liegt vor, wenn das Rückenmark unterhalb des ersten Brustwirbelkörpers verletzt ist.

Ursachen

Durch einen schweren Autounfall kann beispielsweise die Wirbelsäule verletzt werden. Ein oder mehrere Wirbelkörper brechen und verletzen so den darin verlaufenden Wirbelkanal mit dem Rückenmark.

Wird das Rückenmark nur zum Teil durchtrennt, nennt dies der Mediziner inkomplette Querschnittslähmung, wird das gesamte Rückenmark durchtrennt, spricht man von einer kompletten Querschnittslähmung. Je mehr Rückenmark durchtrennt wurde, desto gravierender sind die Auswirkungen für den Patienten.

Eine weitere Ursache für die Entstehung einer Querschnittslähmung kann auch eine Wirbelkörperfraktur sein, die nur auf das Rückenmark drückt, dieses aber noch nicht verletzt hat. Wird die Fraktur operiert, bildet sich die Querschnittslähmung meist wieder zurück.

Auch diverse Erkrankungen können zu einer Querschnittslähmung führen. Dazu zählen Krankheiten wie Multiple Sklerose oder Kinderlähmung (Polio). Auch ein Bandscheibenvorfall kann Lähmungen verursachen.

Verlauf

Eine Querschnittslähmung kann

  • lebenslang andauern oder
  • nur vorübergehend sein

Dies hängt von der jeweiligen Ursache ab. Ist die Ursache ein Bandscheibenvorfall und wird dieser entsprechend behandelt, gehen die Lähmungen meist vollständig wieder zurück.

Ist die Querschnittslähmung jedoch die Folge eines schweren Unfalles, begleitet sie den Patienten meist lebenslang. Im Anschluss an den kutstationären Aufenthalt im Krankenhaus findet dann immer eine Weiterbehandlung in einer Rehabilitationsklinik statt.

Der Aufenthalt kann bis zu einige Monate andauern. In dieser Zeit werden mit dem Patienten intensive krankengymnastische und motorische Übungen durchgeführt. Die Rehabehandlung lässt sich dabei aufteilen auf drei Bereiche:

  • Pflegerische Rehabilitation
  • Soziale Rehabilitation und
  • Berufliche Rehabilitation

In vielen Fällen kann der Patient nach einer gelungenen Behandlung wieder einige Bewegungen ausführen. Eine komplette Heilung ist hier jedoch nur in den seltensten Fällen möglich.

Symptome

Je nachdem, an welcher Stelle das Rückenmark verletzt wird, äußert sich die Querschnittslähmung durch unterschiedliche Symptome, dazu können:

  • vegetative Störungen (z.B. Kreislaufstörungen)
  • Lähmungen
  • Veränderungen des Muskeltonus sowie
  • Veränderungen der Muskeldehnungsreflexe

gehören.

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Teile des Körpers, die sich unterhalb der Verletzungsstelle befinden, von der Querschnittslähmung betroffen sind. Querschnittslähmung bedeutet, dass der Betroffene zum Beispiel seine Arme und Beine nicht mehr bewegen kann, dass er seinen Kopf nicht mehr alleine halten kann usw.

Patienten können je nach Ausmaß der Querschnittslähmung ihre Körperausscheidungen nicht mehr kontrollieren und sind somit oftmals inkontinent. Sie haben kein Gefühl mehr in den Extremitäten, dem Gesicht oder sogar dem ganzen Körper. Möglich sind des Weiteren

  • Empfindungsstörungen für Temperatur, Schmerz, Berührung
  • Störungen der Sexualfunktion
  • Störungen der Schweißsekretionsregulation
  • Depressionen
  • Angststörungen

Bei einem spinalen Schock als Folge einer akuten Schädigung des Rückenmarks kommt es zu einer schlaffen Lähmung und schwindenden Muskelreflexen in den Muskeln unterhalb des Schädigungsortes. Auch das Schmerzempfinden in dieser Region ist nicht vorhanden.

Auf der Höhe, in der die Verletzung vorliegt, spürt der Patient den Schmerz, welcher auf die Haut abstrahlt und rundum verläuft. Mastdarm- und Blasenfunktion sind gestört.

Das chronische Querschnittssyndrom entwickelt sich nach wenigen Tagen, spätestens nach secs Wochen. Es kommt zu gesteigerten Muskelreflexen sowie erhöhtem Muskeltonus.

Vegetative und sexuelle Funktionen werden gestört. In den abgetrennten Körperregionen kommt die Hautsensibilität nicht mehr zurück.

Diagnose

Da die Querschnittslähmung meist die Folge eines Unfalles ist, wird dieses Symptom in den meisten Fällen im Rahmen einer stationären Behandlung diagnostiziert. Patienten bemerken aber auch selbst, dass sie ihre Körperteile nicht mehr spüren und bewegen können.

Die Ärzte im Krankenhaus versuchen herauszufinden, woher die Querschnittslähmung kommt. Dazu wird eine Computertomografieaufnahme der Wirbelsäule angefertigt. Hier können die Ärzte feststellen, wo die Wirbelsäule möglicherweise gebrochen ist und ob das Rückenmark komplett oder nur teilweise zerstört wurde.

Anschließend führt ein Neurologe anhand einiger Tests eine differenzierte neurologische Untersuchung durch, um weitere Ausfallerscheinungen feststellen zu können. Mithilfe der Sensibilitätsprüfung der Hautregionen kann man den betroffenen Nerv lokalisieren; auf diese Weise lässt sich die Höhe der Verletzung erkennen.

Im Rahmen der Funktionsprüfungen werden Muskelfunktionen und Reflexe getestet. Kontrolliert werden ebenso die Funktionen von Blase, Herz, Kreislauf und Schweißsekretion. Des Weiteren wird auch eine Blutuntersuchung vorgenommen.

Therapie

Man unterscheidet die spezifische Akuttherapie, welche ergänzt wird durch die unspezifische Akuttherapie. Des Weiteren spielt die Langzeittherapie eine wichtige Rolle.

Im Laufe der letzten Jahre sind zudem Studien zur Behandlung mit Stammzellen durchgeführt worden; 2013 erfolgte die Autorisierung für die erste klinische Phase in den USA. Auch gibt es regelmäßige Studien zur medikamentösen Behandlung - speziell mit dem Mittel Cordaneurin.

Spezifische Akuttherapie

Ist die Querschnittslähmung die Folge eines Unfalles, werden gebrochene Wirbelkörper operativ wieder hergestellt. Ist der Wirbelkörper gesplittert, werden die Knochensplitter aus dem Rückenmark entfernt.

Oft werden Metallstangen in die Wirbelsäule eingesetzt, um den gebrochen Wirbeln mehr Halt zu verleihen. Ein Bandscheibenvorfall, der bereits Lähmungserscheinungen zur Folge hat, wird ebenfalls in den meisten Fällen operativ behandelt.

In einigen Fällen, wie zum Beispiel bei der Multiplen Sklerose, können auch Medikamente zur Behandlung der Lähmungen eingenommen werden. Es kommt ein Kortison-Präparat zur Anwendung, welches die Muskelverkrampfungen und die Entzündungen mildert.

Liegt eine nicht traumatische Rückenmarksverletzung vor, sollte das Rückenmark innerhalb von 24 Stunden entlastet werden. Wassereinlagerungen werden mit Kortison behandelt; bei einer Entzündung des Rückenmarksgewebes kommen Antibiotika zum Einsatz. Ist das Rückenmark jedoch einmal geschädigt, kann es sich nicht mehr regenerieren.

Unspezifische Akuttherapie

Zur unspezifischen Akuttherapie zählt die intensivmedizinische Überwachung. Mögliche Verschlechterungen des Zustands dokumentiert man mithilfe von neurologischen Untersuchungen. Kommt es zu Atemeinschränkungen aufgrund von einer Verletzung der Halswirbelsäule, wird intubiert und künstlich beatmet.

Um Blasen- und Nierenentzündungen sowie Harnabflussstörungen zu verhindern, kommt eine Urin-Ableitung mit Blasenkatheter zum Einsatz. Die Regulation des Stuhlgangs erfolgt durch Abführmittel. Auch die richtige Lagerung sowie gegebenenfalls Umlagerung spielt bei der Therapie eine große Rolle.

Langzeittherapie

Die Langzeittherapie hat zum Ziel, den Patienten wieder in sein normales Leben einzugliedern. Auch die notwendige lebenslange Nachbehandlung gehört dazu. Bei Stabilisierung des akuten Zustandes wird eine Rehabilitation in einem Spezialzentrum empfohlen. Hier sind

Bestandteile. Um den Patienten den Alltag zu erleichtern, sind zudem die Unterstützung durch die Angehörigen, durch Psychologen, Freunde sowie Sozialarbeiter sehr wichtig, ebenso eine Anpassung der Wohnungseinrichtung.

Vorbeugung

Wer einer Querschnittslähmung vorbeugen möchte, sollte sich im Straßenverkehr aufmerksam verhalten. Autofahrer sollten sich grundsätzlich anschnallen. Motorradfahrer sollten grundsätzlich Schutzkleidung und einen Helm tragen, um derartig schwere Verletzungen zu verhindern.

Gegen Kinderlähmung gibt es eine Schutzimpfung, die meist routinemäßig im Säuglingsalter durchgeführt wird. Früher wurde der Impfstoff als Schluckimpfung verabreicht, heutzutage ist er in Spritzenform erhältlich. Die Impfung verleiht einen zehnjährigen Impfschutz, wenn die Grundimmunisierung abgeschlossen wurde.

Quellen:

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  • Claudia Beckmann und Monika Klein-Neuhold: Physiotherapie bei Querschnittslähmung, Thieme, Stuttgart, 2001, ISBN 3131262516
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  • Reinhard Strametz: Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860
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  • Uwe Beise, Uwe Beise, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
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  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
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  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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