Lymphdrüsenkrebs - Ursachen, Symptome und Behandlung

Wodurch sich ein Lymphdrüsenkrebs entwickelt, ist noch nicht erforscht. Wird die Krankheit rechtzeitig diagnostiziert, kann sie gut behandelt werden. Patienten, die unter Lymphdrüsenkrebs leiden, haben verschiedene Symptome. Bei etlichen Patienten wird die Diagnose durch Zufall gestellt.

Die Entstehung von Lymphdrüsenkrebs und wie man maligne Lymphome erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Unter Lymphdrüsenkrebs, auch maligne Lymphome genannt, versteht man eine Vielzahl von bösartigen Erkrankungen des Lymphsystems. Lymphknoten, Milz, Mandeln und Knochenmark können betroffen sein, ebenso jedoch auch andere Organe.

Es kommt zu einer malignen Transformation von Lymphozyten, die sich je nach Zellart zu unterschiedlichen Lymphomtypen ausprägen können. Man unterscheidet das Hodgkin-Lymphom sowie die Gruppe der Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome. Es gibt indolente Lymphome, die langsam wachsen und bei denen es lange Zeit keine Beschwerden gibt sowie aggressive Lymphome, die schnell wachsen und bei denen es nach kurzer Zeit zu Beschwerden kommt.

Non-Hodgkin-Lymphome machen etwa drei Viertel aller malignen Lymphome aus. Zu diesen zählen die B-Zell-Lymphome:

  • das Plasmozytom
  • die chronische lymphatische Leukämie
  • das follikuläre Lymphom
  • das lymphoplasmozytische Lymphom
  • das MALT-Lymphom
  • das Burkitt-Lymphom und
  • das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom

sowie T-Zell-Lymphome:

  • die T-Zell-Prolymphozytenleukämie
  • das Sézary-Syndrom
  • Mycosis fungoides
  • die NK-Zell-Leukämie und
  • das T-/NK-Zell-Lymphom.

Ursachen

Die genaue Ursache der Krebserkrankung ist bisher noch nicht bekannt. Etwa die Hälfte aller Patienten mit Lymphdrüsenkrebs hatte jedoch im Laufe ihres Lebens das Pfeiffersche Drüsenfieber. Dieses hinterlässt Antikörper im Blut, die als so genanntes Epstein-Barr-Virus nachgewiesen werden können.

In einigen Familien sind mehrere Personen von Lymphdrüsenkrebs betroffen, so dass die Krankheit möglicherweise auch vererbt werden kann. Patienten, die unter einem schweren Immundefekt leiden, wie dieser bei der Krankheit AIDS vorkommt, bekommen gehäuft Lymphdrüsenkrebs.

Lymphdrüsenkrebs entsteht dann, wenn sich Zellen des so genannten lymphatischen Systems, zu dem

  • die Lymphknoten
  • das Knochenmark
  • die Milz und
  • die Thymusdrüse

zählen, bösartig entwickeln. Diese entarteten Zellen können dann unter dem Mikroskop nachgewiesen und gezählt werden.

Verlauf

Unbehandelt verstirbt der Patient an der Lymphdrüsenkrebserkrankung. Normalerweise kann diese Krebserkrankung jedoch gut behandelt werden.

Dies gilt auch dann, wenn der Patient von der Krankheit geheilt wurde und sie nach einiger Zeit erneut ausbricht. Der Mediziner spricht hier von einem so genannten Rezidiv.

Grundsätzlich gilt jedoch: Je früher die Behandlung beginnt, desto größer sind die Überlebenschancen. Fast alle Patienten überleben mit einer entsprechenden Behandlung die ersten fünf Jahre nach Feststellung der Krankheit. Je weiter die Krankheit bereits fortgeschritten ist, desto schwieriger gestaltet sich die Behandlung und desto geringer sind auch die Heilungschancen.

Folgen

Da die Patienten mit Lymphdrüsenkrebs in der Regel eine aggressive Behandlung erhalten, um die Krebszellen zu zerstören, leiden sie unter verschiedenartigen Nebenwirkungen und Beschwerden. Die Folge einer Chemotherapie kann beispielsweise die Entstehung einer neuen Krebsart im Körper sein, da auch andere gesunde Zellen bei der Behandlung geschädigt werden.

Je nachdem, wo sich der Lymphdrüsenkrebs befindet, kann die dortige Behandlung zu schweren Organschäden führen. Die Behandlung des Morbus Hodgkin führt in der Regel dazu, dass den Patienten sämtliche Körperbehaarung ausfällt.

Oftmals juckt auch die Haut und den Patienten ist übel und sie fühlen sich müde und abgeschlagen. Auch eine Unfruchtbarkeit kann die Folge einer Lymphdrüsenkrebserkrankung sein, wenn im Rahmen der Behandlung entsprechende Bereiche bestrahlt wurden; ebenso ist sie Nebenwirkung von verschiedenen Mitteln, die in der Chemotherapie zum Einsatz kommen.

Symptome

Lymphdrüsenkrebs führt zu unterschiedlichen Beschwerden und Symptomen. Zu Beginn der Krankheit sind meist die Lymphknoten im Bereich des Halses, in den Achseln, in der Bauchhöhle und/oder des Nackens geschwollen. Die geschwollenen Lymphknoten sind dort zu tasten; sie bereiten dem Patienten jedoch keinerlei Schmerzen.

Neben den geschwollenen Lymphknoten bemerken einige Patienten Beschwerden wie bei einem grippalen Infekt. Sie leiden unter

usw. Zusätzlich fühlen sich viele Patienten mit Lymphdrüsenkrebs schnell und häufig müde und schwitzen nachts grundlos sehr stark. Die Patienten haben kaum Appetit und verlieren rasch an Gewicht.

Einige Patienten bemerken auch, dass die Haut am gesamten Körper unangenehm juckt. Ein weiteres Symptom des Lymphdrüsenkrebses kann auch hartnäckiger Husten sein.

Bei bereits fortgeschrittener Krankheit können die Patienten auch immer wieder unter

leiden. Ein eher seltenes Symptom von Lymphdrüsenkrebses ist der so genannte Alkoholschmerz, ein Schmerz in Lymphknotenregionen, der nach dem Genuss von Alkohol auftritt.

Diagnose

Da der Lymphdrüsenkrebs mit eher harmlosen Symptomen beginnt und sich schleichend entwickelt, nehmen viele Patienten die Beschwerden anfangs nicht ernst. Oftmals wird die schwere Krankheit auch im Rahmen einer Routineuntersuchung zufällig vom Arzt entdeckt.

Hat der Arzt den Verdacht auf Lymphdrüsenkrebs, so überweist er seinen Patienten zu einem Facharzt in eine Tagesklinik oder ein Krankenhaus. Dort wird eine Gewebeprobe aus einem vergrößerten Lymphknoten entnommen und unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersucht.

Wurde die Diagnose Lymphdrüsenkrebs gestellt, so müssen die Ärzte diagnostizieren, in welchem Stadium der Krankheit sich der Patient befindet. Dies ist für die weitere Behandlung von entscheidender Bedeutung. Die Ärzte benötigen dazu weitergehende Untersuchungen wie

  • Ultraschall von Leber und Milz (sind bei Lymphdrüsenkrebs vergrößert)
  • eine Untersuchung des Knochenmarks
  • eine Skelettszintigrafie
  • eine Gewebeuntersuchung der Leber
  • eine Computertomografie sowie
  • eine PET (Positronen-Emissions-Tomografie).

Auch das Blut des Patienten wird differenziert untersucht, so dass der Arzt feststellen kann, ob sich die Krankheit bereits auf die Blutbildung ausgewirkt hat. Patienten, die unter Lymphdrüsenkrebs leiden, haben zudem häufig auch auffällige Leber- und Nierenwerte.

Stadien

Sind sämtliche Untersuchungen abgeschlossen, so kann der Arzt beurteilen, in welchem Krankheitsstadium sich der Patient befindet. Ärzte teilen die Krankheit in vier verschiedene Stadien ein (Stadium I bis IV). In jedem Stadium gibt es die Unterscheidung A (der Patient leidet unter Symptomen wie Nachtschweiß oder Fieber) und B (Patient verspürt keine Symptome).

  • Als Stadium I wird bezeichnet, wenn nur Lymphknoten einer Region (z.B. am Hals) geschwollen sind.
  • In Stadium II sind bereits mehrere Regionen befallen
  • in Stadium III sind zum Beispiel beide Zwerchfellseiten oder die Milz befallen
  • im Endstadium ist bereits ein Organ völlig befallen oder im ganzen Körper ein Befall feststellbar.

Behandlung

Wie ein Patient mit Lymphdrüsenkrebs behandelt wird, hängt davon ab, in welchem Stadium der Krankheit er sich befindet. Dies hat der Facharzt im Rahmen seiner Diagnostik bereits festgestellt.

Grundsätzlich wird mit einer Strahlen- und Chemotherapie behandelt. Diese Therapie erreicht die besten Heilungschancen.

Lymphdrüsenkrebs kann als einer der wenigen Krebsarten nicht durch eine Operation behandelt werden, da er nicht nur ein Organ, sondern den gesamten Körper befällt. Die Patienten erhalten entweder zuerst eine Chemotherapie und anschließend eine Strahlentherapie oder eine kombinierte Chemo-/Strahlentherapie.

Bei einer Strahlentherapie werden besondere Röntgenstrahlen auf die Stelle gerichtet, an der sich die Tumorzellen befinden. Die Strahlen zerstören sowohl gesunde als auch kranke Zellen, die gesunden können sich jedoch nach der Behandlung wieder regenerieren.

Bei der Chemotherapie erhält der Krebspatient spezielle Medikamente, so genannte Zytostatika, in individueller Dosierung verabreicht. Die Chemotherapie erfolgt in mehreren Zyklen.

Rezidiv-Behandlung

Patienten, bei denen der Lymphdrüsenkrebs nach einiger Zeit erneut auftritt (so genannter Rezidiv), erhalten oftmals zuerst eine sehr hochdosierte Chemotherapie sowie anschließend eine Transplantation von Knochenmark oder Stammzellen eines Spenders. Diese Therapieform wird auch dann angewendet, wenn weder die Strahlen- noch die Chemotherapie in der bisherigen Therapie erfolgreich waren. Die hochdosierte Chemotherapie hat den Zweck, alle Krebszellen abzutöten, um dem Körper anschließend neue und gesunde Zellen eines Organspenders zu transplantieren.

Behandlung zur Beschwerdenlinderung

Patienten, die unter einer schweren Form des Lymphdrüsenkrebses leiden und bereits Folgebeschwerden der Krankheit haben (sie bekommen z.B. schlecht Luft), kann im Rahmen einer Operation ein Teil des störenden Lymphoms entfernt werden. Dies hat jedoch keine heilende Wirkung sondern verbessert lediglich das Allgemeinbefinden des Patienten.

Vorbeugung

Da die genauen Auslöser dieser Krankheit bisher unbekannt sind, kann man dem Lymphdrüsenkrebs nicht vorbeugen. Sollten jedoch unklare Beschwerden wie zum Beispiel

  • eine Gewichtsabnahme
  • Appetitlosigkeit
  • unklares Fieber oder
  • eine Lymphknotenschwellung

auffallen, so sollte man diese Symptome nicht ignorieren, sondern von einem Arzt abklären lassen. Wie bei allen Krebserkrankungen ist eine frühe Diagnosenstellung auch beim Lymphdrüsenkrebs ausschlaggebend für eine Heilung.

Quellen:

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  • Christoph Wagener, Oliver Müller: Molekulare Onkologie: Entstehung, Progression, klinische Aspekte, Thieme Verlagsgruppe, 2009, ISBN 3131035137
  • Kurt Possinger, Anne Constanze Regierer, Jan Eucker: Klinikleitfaden Hämatologie Onkologie: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2018, ISBN 3437242962

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