Gallengries - Kleine Körner als Vorstufe eines Gallensteins

Unter Gallengries, auch Mikrolithiasis, versteht man winzige Gallensteine, die die Größe von Körnchen haben. Sie gelten als Vorstufe zu einem Gallenstein und können sich spontan wieder selbst zurückbilden, was bei Gallensteinen nicht möglich ist. Meistens merken Betroffene den Gallengries nicht; wenn doch, besteht eine Reizung der Gallenblase. Erfahren Sie hier mehr über die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Gallengries.

Gallengries kann sich im Unterschied zum Gallenstein von selbst wieder zurückbilden

Als Gallengries (Mikrolithiasis) wird eine körnige Entmischung der Galle bzw. der Gallenflüssigkeit bezeichnet. Darin sind winzige Gallensteine enthalten, die eine Größe von ungefähr 0,5 bis 1,0 Millimetern aufweisen.

Aufbau und Funktion der Galle

Bei der Galle oder Gallenflüssigkeit handelt es sich um eine zähe Flüssigkeit, die in der Leber hergestellt wird. Sie hat eine gelb-grüne bis braune Farbe. Als Speicherort der Galle fungiert die Gallenblase, die sich an der Unterseite der Leber befindet. Bis zur Aufnahme von Nahrung bleibt die Galle in der Gallenblase, wo sie schließlich die Verdauung unterstützt.

Zusammengesetzt wird die Gallenflüssigkeit zu mehr als 80 Prozent aus Wasser und 12 Prozent Gallensalzen. Darüber hinaus sind

  • unterschiedliche Elektrolyte
  • Enzyme
  • Phospholipide
  • Lecithin
  • verestertes Cholesterin und
  • verschiedene Leberabbauprodukte wie Biliverdin und Bilirubin

in ihr enthalten. Aufgrund dieser Zusammensetzung besitzt die Gallenflüssigkeit die Fähigkeit, schwer wasserlösliche Substanzen zu zersetzen und Fette zu verdauen.

Pro Tag stellt die Leber etwa 700 Milliliter Gallenflüssigkeit her und transportiert diese zur Gallenblase, wo sie eingedickt und gespeichert wird. Kommt es zur Nahrungsaufnahme, wird die Verdauung durch die hormongesteuerte Sekretion unterstützt. Aufgrund eines Ungleichgewichts der Inhaltsstoffe besteht jedoch die Gefahr, dass sich winzige Gallensteinchen bilden, die man auch Gallengries nennt.

Ursachen, Symptome und Aussehen

Gallengries gilt als Vorstufe zu einem Gallenstein; er kann sich aber im Unterschied zu einem Gallenstein spontan wieder von selbst zurückbilden. Die winzigen Körnchen haben in der Regel einen Durchmesser von 0,5 bis 1,0 Millimetern, sind aber mitunter sogar noch kleiner. In diesem Fall bezeichnet man sie als Sludge oder Schlamm.

Trotz seiner geringen Größe kann der Gallengries durchaus Beschwerden verursachen. Besonders betroffen von der Bildung von Gallengries sind Frauen, bei denen es auch häufiger zu einem Gallensteinleiden kommt als bei Männern.

Es gibt aber auch bestimmte Risikofaktoren, die das Entstehen von Gallengries oder Gallensteinen begünstigen können. Dazu gehören vor allem

  • Übergewicht
  • eine fett- und zuckerreiche Ernährung
  • erhöhte Cholesterinwerte und
  • ein steigendes Lebensalter.

In manchen Fällen liegt bei den Betroffenen auch eine erbliche Veranlagung vor. So tritt ein Gallensteinleiden oft mehrfach in einer Familie auf.

In den meisten Fällen wird der Gallengries gar nicht bemerkt. Manchmal besteht jedoch die Gefahr, dass die kleinen Steinchen eine Reizung der Gallenblase hervorrufen.

Außerdem können sie zum Gallengang weiterwandern und diesen verstopfen. Dies führt jedoch zu kolikartigen Schmerzen, die mitunter bis in den Rücken ausstrahlen und nach der Aufnahme von Nahrung noch zunehmen. Allerdings verlaufen die Schmerzen milder als bei einer herkömmlichen Gallenkolik.

Zu den weiteren möglichen Symptomem zählen

Diagnostik und eventuelle Behandlung

Nachweisen lässt sich Gallengries vor allem durch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Gallenblase. Darüber hinaus wird ein Blutbild erstellt und die Leber abgetastet.

Oftmals reagiert die betroffene Körperstelle empfindlich auf Druck und ist manchmal sogar geschwollen. Da die Gallengrieskörnchen sehr klein sind, gelangen sie zumeist durch die natürliche Ausscheidung wieder aus dem Körper.

In seltenen Fällen kann auch eine Entfernung durch eine Endoskopisch retrograde Cholangiopankreatiographie (ERCP) erforderlich sein. Dabei wird ein Endoskop durch den Mund des Patienten eingeführt, das dann im Gallengang die Steinchen entfernt.

Prävention

Um Gallengries zu vermeiden, ist es ratsam, für ausreichend Flüssigkeit zu sorgen. Hilfreich können auch eine diätische Lebensweise und der Abbau von Übergewicht sein. Dabei sollte ein strikter Nahrungsverzicht jedoch vermieden werden, da dieser die Entstehung sogar begünstigen würde.

In einigen Fällen können auch Medikamente die Ablagerung von Gallengries begünstigen. Bei der Einnahme von Arzneimitteln sollte man die Wirksamkeit sowie die Nebenwirkungen genau überprüfen. Und schließlich sollte man auch seinen Cholesterinspiegel im Auge behalten.

Quellen:

  • Uwe Beise, Uwe Beise, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Annelie Burk: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165
  • Stefan Gesenhues, Anne Gesenhues, Birgitta Weltermann: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin: Mit Zugang zur Medizinwelt (Klinikleitfaden), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437224476
  • Reinhard Strametz: Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860

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