10. Januar 2007
Der milde Winter mit seinen frühlingshaften Temperaturen kann noch unangenehme Folgen haben. Nach Ansicht von Experten erhöht das derzeitige warme Wetter die Gefahr einer Zeckenplage im kommenden Frühjahr.
Die Parasiten, die sich vom Blut eines Wirtes ernähren, sind nur bei Temperaturen ab zehn Grad aktiv – in unseren Breitengraden also üblicherweise zwischen März und November. Sie lauern dann bis zu einer Höhe von etwa anderthalb Metern im Gestrüpp, im Unterholz und in hohen Gräsern ihren Opfern auf. Meistens sind Zeckenstiche harmlos, und das größte Problem besteht darin, das Spinnentier, dass sich durch Widerhaken festen Halt in der Haut verschafft, wieder los zu werden. Allerdings können Zecken auch Krankheitserreger übertragen. Gegen eine dieser Erkrankungen sollten sich gefährdete Personengruppen schon jetzt impfen lassen.
Die Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis – kurz FSME – können sich in den Speicheldrüsen der Zecke befinden und so beim Einstich in die Haut übertragen werden. Bis zu 300 dieser Viruserkrankungen gibt es jährlich in der Bundesrepublik. Die Infektion tritt allerdings nur in bestimmten Regionen auf: Vor allem in Bayern und Baden-Württemberg – aus dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen und Sachsen werden vereinzelt Fälle gemeldet. Außerhalb Deutschlands sind in erster Linie Österreich und Osteuropa betroffen. Eine FSME-Infektion beginnt zunächst mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. "Bei einem Teil der Infizierten befallen die Viren das zentrale Nervensystem", erläutert Dr. Claussen, chirurgischer Leiter der Zentralen Notaufnahme im Elisabeth-Krankenhaus Essen. "Es kann zu einer Hirnhautentzündung kommen, die mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit einher geht. Entwickelt sich eine Gehirnentzündung, kann es zu Bewusstseins-, Sprach- und Schluckstörungen, zu psychischen Veränderungen oder Lähmungserscheinungen kommen. Bis zu 20 Prozent der Patienten behalten bei dieser schwereren klinischen Verlaufsform der FSME langanhaltende oder bleibende Schäden. Auch Todesfälle durch FSME sind bekannt. Im Vergleich zum Erwachsenen ist der Krankheitsverlauf bei Kindern in der Regel wesentlich leichter und es kommt kaum zu Folgeschäden."
Eine ursächliche Therapie gegen FSME gibt es nicht. Ist die Erkrankung ausgebrochen, kann man nur versuchen, die Symptome zu lindern. Daher ist es besonders wichtig, Infektionen möglichst von vorneherein zu verhindern. Anders als bei der Borreliose – einer Erkrankung, die auch von Zecken übertragen werden kann – ist gegen die FSME eine Impfung möglich. Diese kann der Hausarzt vornehmen. Sie wird allen empfohlen, die in einem gefährdeten Gebiet leben oder dorthin reisen, um sich in der Natur aufzuhalten. "Da die beruflich gefährdeten Personengruppen wie Förster oder Waldarbeiter heute in der Regel geimpft sind, infizieren sich derzeit die meisten Personen bei Freizeitaktivitäten – z.B. beim Wandern, Radfahren oder Arbeiten im Garten", weiß Claussen. "Für eine komplette FSME-Impfung werden drei Injektionen benötigt: Die ersten beiden Impfungen werden im Abstand von etwa drei Monaten durchgeführt. Eine dritte Injektion schließt etwa nach einem Jahr die Grundimmunisierung ab und verleiht einen Schutz für mindestens drei Jahre. Wenn kurzfristig ein Urlaub in einem FSME-Risikogebiet geplant ist, kann auch ein verkürztes Impfschema angewandt werden."
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