30. Januar 2006
Von Chianty
Der erste Gedanke, den viele Menschen haben, wenn sie "Bulimie" hören: "Die Betroffenen sind dünn, sie erbrechen ja alles wieder. Sie stopfen sich erst voll und stecken sich später den Finger in den Hals."
Fakt ist: viele Betroffene sind normalgewichtig. Der Körper gibt nicht alles her, was er bekommen hat. Die Verdauung beginnt bereits im Mund. Es ist nicht möglich, sämtliche Kalorien wieder zu erbrechen.
Das selstinduzierte Erbrechen ist nicht für alle Betroffenen ein "Kinderspiel". Viele brauchen Monate - oder gar Jahre - bis sie "den Dreh" wirklich raus haben. "Erbrechen um abzunehmen" - in vielen Fällen geht die Rechnung so nicht auf.
"Erfolgreich" sind jene, die die meiste Zeit sehr wenig essen und nur gelegentliche, sogenannte Fressanfälle haben. Handelt es sich da noch um eine reine Bulimie? Sind die "Hungerphasen" nicht als anorektische Phasen anzusehen? "Erfolgreich" mögen auch jene sein, die nicht mehr Energie aufnehmen, als sie brauchen und sich dennoch nach den Mahlzeiten übergeben. Sie erreichen ein Kaloriendefizit. Andere wiederum treiben sehr viel Sport, um Energie zu verbrauchen und Muskeln aufzubauen. Denn diese brauchen wiederum Energie.
Die Antworten sind so unterschiedlich, wie die jeweilige Definiton der Bulimie. Sie reichen von Mißbrauch, über Mobbing, von Schönheitsidealen über Diäten, von negativen Kommentaren über familiäre Probleme...
Zum Teil überlegen diese Menschen, was sie als nöchstes Essen können und zu welchen Lebensmitteln sie greifen werden - nicht alle Lebensmittel lassen sich gut erbrechen. Es heißt, daß eine Bulimie dadurch zu erkennen ist, daß die Betroffenen nach dem Essen sofort zur Toilette rennen. Aber ist das wirklich so? Es gibt viele, die sich in Gesellschaft "zusammenreißen", sich nur allein übergeben. Was ist mit den sogenannten "Hamsterbacken" (sie entstehen durch geschwollene Lymphknoten, diese Schwellung kann nach dem Übergeben auftreten)? Auch sie sind kein Indiz, kein eindeutiges. Sie müssen nicht auftreten, sie können es. Rote, tränende und geschwollene Augen? Auch sie sind nicht notwendig. Mit genug Übung fällt das Erbrechen nicht mehr so schwer. Man muß es den Betroffenen nicht ansehen. Abschürfungen auf der Handoberfläche von den Zähnen? Auch diesen angebliche Hinweis weisen längst nicht alle auf. Woran also erkennt "Otto-Normalverbraucher" eine Bulimie?
Gar nicht.
Vielleicht an einem oder mehreren oben genannten möglichen Hinweisen. Vielleicht an offensichtlichen Gewichtsschwankungen, da das Gewicht mitunter durch die unregelmäßige Nahrungsaufnahme stark schwanken kann.
Direkte Folgen nach dem Übergeben können - aber müssen nicht - Schwäche und Kreislaufprobleme sein. Auf lange Sicht kann der Kaliumwert durch den Flüssigkeitsverlust beeinträchtigt werden. Ebenso können die Blutwerte allgemein sich verschlechtern. Die Zähne können durch die Magensäure ebenso geschädigt werden wie die Speiseröhre. Es kann zu Wassereinlagerungen kommen, die dann ein höheres Gewicht vortäuschen und den Betroffenen noch weiter verunsichern. Bei Frauen kann die Monatsblutung ausbleiben. Die Haut kann trocken werden, ebenfalls eine Folge des hohen Wasserverlustes.
Alle Folgen können, müssen aber nicht auftreten. Manche Menschen leben jahrelang mit der Bulimie, unbemerkt und ohne große körperliche Beeinträchtigungen.
Eine Bulimie hat aber auch Folgen, die sich auf das Sozialverhalten auswirken. Das "Überfressen und Übergeben" kann sich am Folgetag wie ein Akoholkater auswirken. Übelkeit, Magenschmerzen, Schlappheit. Manche Menschen sind dann weder körperlich noch seelisch in der Lage, ihren gewohnten Tagesrythmus aufrechtzuerhalten. Das Ekelgefühl vor sich selbst, die vermutete oder bewiesene Zunahme können Betroffene davon abhalten, die sozailen Kontakte zu pflegen. Manche Betroffene suchen nach Zeit, in der sie alleine sind. Bleiben zu Hause, wenn die Mitbewohner ausgehen, um in der Zeit essen und sich später übergeben zu können. Es kann zum Schulschwänzen kommen, dazu, daß jemand nicht zur Arbeit erscheint, die Vorlesungen schwänzt. Oftmals nicht mit einem "Null-Bock-Gefühl", sondern einfach mit einer Unfähigkeit etwas zu tun.
Was also ist eine reine Bulimie? Womit kann man jemanden eindeutig als Bulimiker/in identifizieren? Alle Hinweise sind nur ein "könnte" und nur eine Möglichkeit von vielen.
Desweiteren überschneiden sich Essstörungen oft. Keine reine Bulimie, keine reine Magersucht, kein reines Binge Eating. Bei vielen wird es zu einer nicht eindeutig identizifierbaren Essstörung, die viele Merkmale mehrerer Arten der Essstörungen aufweist (Eating Disorder Not Otherwise Specified).
Das klischeehafte Denken sollte langsam aufhören...
Das "Bulimie = dünn, übergibt sich immer, isst sehr viel"
Das "Magersucht = sehr mager, isst nichts, nur mal einen Apfel oder so"
Das "Binge-Eating = total fett, frißt den ganten Tag nur"
Die besagten Mischformen sind viel häufiger anzutreffen!
Hallo!
Ja das ist wirklich eine schwierige Situation. Ist es eine gute Freundin?
Vielleicht sprich mal mit ihr wie es ih...
Hallo an alle,
bitte ich brauche echt eure hilfe, meine freundin hat eine essstörung. Sie tageweise nichts und dann wiederum manchmal n...
Hallo Darya.
Ich bin wirklich froh, dass du dir hier Hilfe suchst.
Ich kann dir nur sagen: erkenntnis ist der erste Schritt zur ...
Ich war 14 Jahre bulimiesüchtig und war an dem Punkt angelangt, dass ich mir selber die Kugel geben wollte. Wenn ich sowiso einen langsamen Se...
Gesundung net richtig würde ich sagen, man wird trocken. ich vergleiche es mit nem alkoholiker.der wird auch nie wieder gesund, nur trocken un...
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