12. September 2008
Von Tanja Tasci
Bulimie wird oft vom Umfeld als reine Essstörung aufgefasst und oft wird übersehen, welchen Leidensweg Betroffene hinter sich haben.
Die Essstörung Bulimie wird häufig bei Frauen zwischen 18 und 35 Jahren beobachtet, doch sowohl viel jüngere Menschen leiden häufig an Bulimie und auch die Anzahl von männlichen Bulimie Patienten nimmt stetig zu. Erschreckend ist, dass die Bulimie anfangs oft vom Umfeld gar nicht wahr genommen wird und viele an Bulimie leidende es schaffen ihre Bulimie über Jahre geheim zu halten. Die Ausprägungen der Bulimie können sehr unterschiedlich sein in der Häufigkeit, doch die Heißhunger bzw. Fressattacken die der Hauptbestandteil der Bulimie sind, ähneln sich bei allen Betroffenen.
Menschen die an Bulimie leiden nehmen bis zu 50.000 Kalorien täglich zu sich. Bei sogenannten Fressattacken bevorzugen sie Lebensmittel die sehr fetthaltig und kohlenhydratreich sind und sonst eher gemieden werden. Meist führen die Fressattacken zum Erbrechen und einem schlechten Gewissen, dass den Leidensdruck noch erhöht. Die Attacken die aus dem Essen und dem Erbrechen bestehen können von 1 bis 2 Mal pro Woche bis hin zu 20 mal pro Tag gehen. Jede einzelne dieser Attacken löst ein seelisches Tief aus, welches geradlinig zur nächsten Attacke führt. Familie, Partner und Freunde können meist nichts tun, da sich der Kreislauf im Verborgenen abspielt und Bulimie in aller Heimlichkeit stattfindet. Bulimie wird meist gar nicht oder erst sehr spät vom Umfeld wahrgenommen und der Betroffene steht seiner Essstörung alleine gegenüber. Die innere Zerrissenheit macht Bulimie Erkrankten sehr zu schaffen, denn die Ess- und Brechsucht wird von einer Achterbahn der Gefühle geprägt.
Viele Bulimie Erkrankte würden sich wünschen nicht alleine zu sein und sich anvertrauen zu können, doch auf der anderen Seite wollen sie ihrem Umfeld nicht zugestehen an ihren Problemen teilzuhaben. Die Gefühlswelten stehen immer wieder Kopf und Betroffene lernen sich ihre eigene kleine Welt zu schaffen. So werden die Lebensmittelvorräte der Familie anfangs geplündert, doch wenn dies auffällig wird, legen sich viele Betroffene wahre Lebensmittellager an. Für die enormen Mengen an Lebensmitteln werden häufig sogar Schulden in Kauf genommen, denn das Essen wird zur Sucht und kann nicht mehr gesteuert werden. Einzige Steuerungsmöglichkeit für Betroffene scheint das Erbrechen zu sein, aber auch Abführmittel, Appetitzügler, Fastenperioden, Diuretika (entwässernde Medikamente) und Schilddrüsenmedikamente werden genutzt um einer Gewichtszunahme durch die Fressattacken vorzubeugen.
Äußerlich haben Bulimie Erkrankte Menschen ihr Leben gut im Griff und funktionieren wie von der Umwelt erwartet, doch das Selbstwertgefühl ist meist alles andere als funktionierend. Seelische Stresssituationen treiben Betroffene zu immer neuen Fressattacken und oft fühlen Betroffene nur noch eine tiefe emotionale Einsamkeit, die Angst macht. Die Leere und Kälte die die Gefühlswelt bestimmen werden versucht durch Essen gefüllt zu werden, was wiederum zu einem schlechten Gewissen und Erbrechen führt. Den Kreis der Bulimie zu durchbrechen ist schwierig und ohne Hilfe von Außen nicht möglich. Doch auch Therapien brauchen oft Jahre um zu einem sichtbaren Erfolg zu führen, denn die seelischen Qualen werden oft durch unschöne Erlebnisse verursacht, die nur in kleinen Schritten aufgearbeitet werden können.
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