Pseudarthrose - Arthrose infolge eines nicht ausgeheilten Knochenbruches

Als Pseudarthrose, auch Pseudogelenk, Scheingelenk oder Falschgelenk genannt, bezeichnet man eine Falschgelenkbildung. Sie entsteht, wenn die Heilung eines Knochenbruches ausbleibt. Besonders nach einer Fraktur sowie auch einer Operation besteht dieses Risiko. Lange Röhrenknochen sind am ehesten davon betroffen. Informieren Sie sich ausführlich über die Pseudoarthrose.

Durch Fehlbelastung kann der Knochen nach einer Fraktur nicht wieder zusammenwachsen

Eine Pseudarthrose wird auch Pseudogelenk, Scheingelenk oder Falschgelenk genannt. Hervorgerufen wird sie vor allem durch Fehlbelastungen nach einer Knochenfraktur. In diesem Fall kann der gebrochene Knochen nicht wieder zusammenwachsen, was eine unnatürliche Beweglichkeit und Instabilität zur Folge hat. Zur Behebung muss oftmals ein operativer Eingriff durchgeführt werden.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Gefahr, dass es zu einer Pseudarthrose kommt, besteht immer nach einem Knochenbruch oder einer Operation, bei der ein Knochen durchtrennt wurde (Osteotomie). In der Regel kommt es nach einer Durchtrennung des Knochens zu einem stabilen Zusammenwachsen der Knochenteile. Wenn der Knochen jedoch nach einem Zeitraum von etwa sechs Monaten immer noch nicht zusammengewachsen ist, handelt es sich um eine Pseudarthrose oder Falschgelenkbildung.

Als Gründe für den gestörten Heilungsverlauf des Knochens kommen

  • mangelhafte Ruhigstellung oder
  • mechanische Belastungen des Knochens sowie
  • eingeklemmtes Gewebe zwischen den Knochenfragmenten

infrage. Gewisse Risikofaktoren wie

können zum Entstehen einer Pseudarthrose beitragen. In manchen Fällen sind aber auch Durchblutungsstörungen oder Knocheninfektionen die Ursache für eine Falschgelenkbildung.

Lokalisation und Formen der Pseudoarthrose

Zu einer Pseudarthrose kommt es vor allem bei langen Röhrenknochen am

Das liegt vor allem daran, dass manchmal ein parallel liegender Knochen den Heilungsprozess stört. Grundsätzlich kann eine Falschgelenkbildung jedoch an allen Knochen auftreten.

Bei einer Pseudarthrose unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Arten. Dabei handelt es sich um die atrophe Pseudarthrose und die hypertrophe Pseudarthrose.

Von einer atrophen Falschgelenkbildung spricht man, wenn aufgrund von mangelhafter Durchblutung die Substanz des Knochens vermindert wird. Bei einer hypertrophen Pseudarthrose wird dagegen zuviel Knochen- und Knorpelgewebe gebildet.

Folgen und Diagnose

Eine Falschgelenkbildung hat oftmals anhaltende Schmerzen und chronische Funktionseinschränkungen des betroffenen Körperteils zur Folge. Außerdem kann es zu Muskelschwund und Fehlstellungen kommen.

Diagnostizieren lässt sich eine Pseudarthrose durch eine körperliche Untersuchung und Röntgenaufnahmen. Für den Fall, dass man bei diesen Untersuchungen nicht zu einem eindeutigen Ergebnis gelangt, kann auch eine Szintigraphie durchgeführt werden. Gängig sind mitunter auch

Behandlung

Im Falle einer hypertrophen Pseudarthrose ist es mitunter möglich, durch eine Gips-Stabilisierung eine Heilung zu erreichen. Die einfachste Methode wäre, eine Aufbautherapie durch die Gabe von Kalzium und Vitamin D durchzuführen, da ein Mangel dieser Nährstoffe die Heilung eines Knochens beeinträchtigen kann. Möglich wäre zudem eine Physiotherapie, die darauf abzielt, Druck auf den entsprechenden Knochen auszuüben, sodass dessen Zellen zum Wachstum angeregt werden.

Meistens muss jedoch ein operativer Eingriff zur Behebung der Falschgelenkbildung erfolgen, was vor allem bei einer atrophen Pseudarthrose notwendig ist.

Vor einer solchen Operation erhält der Patient eine Vollnarkose. Durch eine Blutleere, bei der um die betreffende Extremität eine Manschette angelegt wird, soll die Durchblutung zeitweise gestoppt werden, um die Blutungen zu verringern und dem Operateur eine bessere Sicht zu ermöglichen.

Marknagelung

Für die Operation kommen verschiedene Verfahren infrage, die je nach Befund durchgeführt werden. Befindet sich ein Falschgelenk in der Mitte eines Röhrenknochens, nimmt man eine Marknagelung vor. Dabei wird ein Marknagel aus Metall in den Innenraum des Knochens eingesetzt. Bei sehr harten Pseudarthrosen kann es erforderlich sein, die Falschgelenkstelle zunächst freizulegen und zu präparieren.

Fixierung mit Schrauben und Platten

Ist eine Marknagelung nicht durchführbar, benutzt man stattdessen Schrauben oder Platten, die mit Schrauben fixiert werden. Dazu muss der Operateur jedoch die Falschgelenkstelle freilegen und ungünstiges Narbengewebe entfernen. Manchmal legt man auch ein äußeres Gestell aus Metall, einen Fixateur externe, an, das als Verbindungsstruktur für die Knochenfragmente dient.

Quellen:

  • Uwe Beise, Silke Heimes, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Ingo Blank: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2020, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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