Akustikusneurinom - Ursachen, Symptome und Behandlung

Bei einem Akustikusneurinom oder auch Kleinhirnbrückenwinkeltumor handelt es sich um eine Geschwulst des achter Hirnnervs. Der gutartige Tumor bleibt durch sein langsames Wachstum oft unerkannt. Häufig wird er erst entdeckt, wenn es zu ersten stärkeren Beschwerden bei den Betroffenen kommt und die Ursachen ergründet werden. Lesen Sie über die Entstehung eines Akustikusneurinoms und informieren Sie sich, wie man diesen erkennen und behandeln kann.

Die Entstehung eines Akustikusneurinoms und wie man ihn erkennen und behandeln kann

Der Akustikusneurinom wird auch Kleinhirnbrückenwinkeltumor genannt und ist eine Geschwulst des achter Hirnnervs, der für das Gleichgewicht und das Gehör zuständig ist. Der Tumor entwickelt sich aus den Zellen, die den achter Hirnnerv umhüllen und ist grundsätzlich gutartig.

Der Tumor wächst im Inneren des Gehörgangs und drückt häufig auf den siebten Hirnnerv, der im inneren Gehörgang verläuft. Zwar wächst der Tumor sehr langsam, doch dehnt er sich sehr schnell in den Kleinhirnwinkel aus und drückt sehr schnell auf das verlängerte Rückenmark. Während der achte Hirnnerv für das Gehör und das Gleichgewicht zuständig ist, ist der siebte Hirnnerv für die Gesichtsmuskulatur, den Geschmack und die Tränenflüssigkeit zuständig ist.

Ursachen

Eine Ursache für die Entstehung des Akustikusneurinoms ist eine Strahlenbelastung aufgrund einer Krebstherapie. Bei Patienten, die eine Krebserkrankung im Kopfbereich hatten und diese mit Hilfe einer Strahlentherapie behandelt wurde, tritt häufig ein Akustikusneurinom auf.

Der Tumor bildet sich jedoch nicht direkt im Anschluss an die Krebserkrankung, sondern meist erst nach etwa zwanzig Jahren. In seltenen Fällen kann das Akustikusneurinom auch vererbt werden. In diesem Fall tritt es dann häufig beidseits an beiden Ohren auf.

Verlauf

Wird der Tumor rechtzeitig erkannt, bestehen oft gute Behandlungserfolge. In den meisten Fällen wird der Tumor operiert. Nach der Operation verschwinden meist Beschwerden wie der Tinnitus oder die Schwindelgefühle. Das verschlechterte Hörvermögen kann jedoch durch die Operation in der Regel nicht verbessert werden.

In der Regel wird im Rahmen der Operation der komplette Tumor entfernt. Dieser kann jedoch jederzeit wieder nachwachsen. Folge der Operation ist häufig eine Lähmung des Gesichtsnervens, die sich jedoch meist wieder zurückbildet.

Kleine Tumore oder sehr große, die nur zum Teil operativ entfernt werden konnten, werden mit einer Strahlentherapie behandelt. In einigen Fällen bleiben jedoch auch Gleichgewichtsstörungen trotz Behandlung zurück.

In jedem Fall müssen regelmäßige MRT-Untersuchungen durchgeführt werden, um ein weiteres oder erneutes Wachstum des Tumors rechtzeitig feststellen zu können. Da es sich bei dem Akustikusneurinom um einen gutartigen Tumor handelt, besteht keine Gefahr, dass der Tumor streut und Metastasen bildet.

Symptome

Da der gutartige Tumor sehr langsam wächst und sich keine Metastasen bilden, kommt es anfangs auch nicht zu Beschwerden. Erst wenn der Tumor wächst und auf die Hirnnerven einwirkt, kommt es zu ersten Symptomen. Meist kommt es anfangs nur zu einer leichten Abnahme des Hörvermögens, was zum Teil kaum wahrgenommen wird, doch mit der Zeit wird das Symptom immer ausgeprägter und es kann bis hin zu einem völligen Verlust des Hörvermögens gehen.

Zuerst werden die hohen Töne schlechter gehört, als Töne im normalen Tonbereich. Unbehandelt verschlechtert sich das Hören jedoch immer mehr, bis der Betroffene schließlich gar nichts mehr hören kann.

Auch eine einseitige Hörminderung oder ein Gehörsturz können Hinweise auf einen Tumor sein. Neben der allgemeinen Abnahme der Hörfähigkeit kommt es häufig zu Tinnitus.

Durch die Beeinträchtigung kommt es immer wieder zu Schwindel und zum Erzittern des Augapfels. Im Verlauf der Erkrankung haben die Patienten Probleme mit dem Gleichgewicht und stürzen häufig.

Zudem kann es durch zunehmende Größe des Tumors zu Lähmungen im Gesicht kommen und auch die Schwächung der Gesichtsmuskulatur ist häufig der Fall, wodurch es zu einem asymmetrischen Aussehen des Gesichtes kommt.

Auch zu

kann es kommen.

Diagnose

Da diese Symptome auch für andere Erkrankungen sprechen können, erfolgt zuerst eine körperliche Untersuchung. Erst wenn andere Krankheiten ausgeschlossen werden können, überweist der Hausarzt den Patienten zum Facharzt, dem HNO-Arzt.

Der HNO-Arzt untersucht die Ohren eingehend und führt einen Hörtest durch. Liegt ein Akustikusneurinom vor, kann der Arzt während dieser Untersuchung die Hörminderung feststellen.

Hat der Patient bereits Probleme mit dem Gleichgewicht, ist meist schon der Gleichgewichtsnerv betroffen. Dies kann der Arzt herausfinden, indem er zuerst warmes, dann kaltes Wasser in die Ohrmuschel laufen lässt.

Auf der Seite, auf der sich das Akustikusneurinom befindet, reagiert der Patient weniger auf den Temperaturunterschied als auf der Seite des gesunden Ohres. Beim Patienten bemerkt man dies durch ein Zittern des Augapfels.

Zusätzlich wird auch eine Magnetresonanztomografie durchgeführt. Oft wird dem Patienten dazu ein Kontrastmittel gespritzt.

Durch diese Untersuchung können auch kleine Tumore diagnostiziert werden. Im Rahmen dieser Untersuchung kann die Diagnose Akustikusneurinom sichergestellt werden.

Die anderen Untersuchungen werden zwar im Rahmen der Diagnostik ebenfalls durchgeführt, für eine sichere Diagnosestellung sind sie jedoch nicht ausreichend.

Behandlungsmöglichkeiten

Da der Akustikusneurinom Tumor sehr langsam wächst, setzen Ärzte in erster Linie auf Beobachten und Abwarten. Besonders bei älteren Menschen wächst der Tumor noch langsamer als bei jüngeren, so dass besonders hier mit der Operation gewartet werden kann. Solange sich die Beschwerden für den Patienten in Grenzen halten, wird regelmäßig durch eine Magnetresonanz Untersuchung das Wachstum kontrolliert.

Erst wenn sich Symptome verschlimmern, setzen Mediziner auf eine Operation oder eine gezielte Bestrahlung. Die Bestrahlung wird nur bei Tumoren mit weniger als 30 Millimeter Durchmesser angewendet, da sie nur dann effektiv ist und das Tumorgewebe durch die Strahlen zerstört werden kann. Das zerstörte Gewebe beseitigt der menschliche Körper nach und nach selbst und so ist kein weiteres Eingreifen nötig.

Operative Behandlung

Bei einer Größe über 30 Millimeter bleibt nur noch eine Operation. Im Rahmen der Operation können die Funktionen der Nerven, die im Ohr verlaufen, sowie das Hörvermögen nur dann erhalten werden, wenn das Akustikusneurinom noch klein ist.

Allerdings ist auch eine Operation nicht ganz ungefährlich, da es zu einem völligen Verlust des Gehörs kommen kann, wenn der Tumor zu groß ist. Solange das Gehör noch vorhanden ist, wird versucht, den Tumor über eine winzige Öffnung des Schädelknochen mittels Mikrochirurgie zu entfernen, um möglichst die Nerven nicht zu zerstören. Eine Operation über das Ohr kann ein Taubwerden zur Folge haben; der Operationsweg über das Ohr wird nur dann gewählt, wenn der Patient als Folge des Tumors bereits taub ist.

Strahlentherapie

Konnte der Tumor während der Operation nur zum Teil entfernt werden oder handelt es sich um einen sehr kleinen Tumor, erfolgt die Behandlung in Form einer Strahlentherapie. Diese Behandlungsform weist die geringsten Risiken auf.

Rehabilitation

Ist die Akutbehandlung im Krankenhaus abgeschlossen, folgt meist eine mehrwöchige Rehabilitationsbehandlung in einer speziellen Fachklinik. Hier werden

  • spezielle physiotherapeutische Übungen mit den Patienten durchgeführt
  • das Gleichgewicht geschult und
  • weitere Beeinträchtigungen durch das Akustikusneurinom behandelt.

Vorbeugung

Da die genauen Ursachen für die Entstehung eines Akustikusneurinoms nicht bekannt sind, kann diesem Tumor auch nicht vorgebeugt werden.

Quellen:

  • Uwe Beise, Silke Heimes, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Ingo Blank: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2020, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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