19. Mai 2010
Als Lippen bezeichnet man zwei Weichteilfalten, die sich an der Mundöffnung befinden. Sie sind wichtig für die Nahrungsaufnahme und als Tastorgan.
Unter der Lippe (Labium Oris) versteht man ein paariges Organ, das sich an der Mundöffnung befindet. Die Lippen dichten die Mundhöhle von der Außenwelt ab und sind sehr beweglich. Zusammen mit den Wangen bilden sie die äußere Grenze des Mundvorhofs (Vestibulum oris).
Unterteilt werden die Lippen in Oberlippe (Labium superius) und Unterlippe (Labium inferius). In den meisten Fällen ist die Unterlippe ein wenig größer als die Oberlippe. In der Mitte der Oberlippe befindet sich eine Einbuchtung, die man als Amorbogen oder Lippenherz bezeichnet. An der Innenseite der Lippen befinden sich zwei dünne Bindgewebsfältchen, die von der Mundschleimhaut bedeckt werden. Dabei handelt es sich um die Lippenbändchen (Frenulum labii superioris und Frenulum labii inferioris), die eine Verbindung zum Zahnfleisch (Gingiva) herstellen. Die fleischige Basis der Lippen wird vom Musculus orbicularis oris gebildet. Bei ihren Bewegungen erhalten sie zudem Unterstützung durch weitere Anteile der mimischen Muskulatur. Die vertikale Vertiefung zwischen der Nase und dem Amorbogen wird Philtrum genannt. Das Philtrum hat die Form einer Rinne und kann unterschiedlich ausgeprägt sein. An seinem oberen Ende grenzt es an den Nasensteg (Columella) mit dem es den nasolabialen Winkel bildet.
Die Lippenhaut des Menschen ist sehr dünn und verfügt lediglich über drei bis fünf Zellschichten. Da die Lippenhaut bei heller Hautfarbe keine Pigment-Zellen enthält, kommt es zu einer Rotfärbung der Lippen, da das Blut der Blutgefäße, die sich unter ihnen befinden, stärker durchscheint als bei der übrigen Gesichtshaut. Im Falle einer dunkleren Hautfarbe ist die Lippenhaut hingegen mit Melanin durchsetzt, wodurch dieser Effekt weniger deutlich ausfällt. Die Haut der Lippen hat weder Schweiß- noch Talgdrüsen und verfügt auch nicht über Haare. Da sie deshalb nicht den Hypo-Lipid-Film besitzt, der für die Geschmeidigkeit der restlichen Haut sorgt, kann sie schneller austrocknen und spröde werden.
Zu den wichtigsten Aufgaben der Lippen gehört die Aufnahme von Nahrung, indem sie die Speisen festhalten oder in den Mund befördern. Die sehr beweglichen Lippen sorgen zudem für einen luftdichten Verschluss des Mundes, wodurch Nahrung und Speichel im Mundinneren verbleiben können. Um die Saugkraft des Mundes zu erhöhen, bilden die Lippen einen schmalen Trichter, der saugende Nahrungsaufnahme ermöglicht. Zudem dienen die Lippen, die über zahlreiche Nervenenden verfügen, als Tastorgan. So reagieren sie sehr empfindlich auf Kaltes oder Warmes. Darüber hinaus sind die Lippen auch wichtig für den Sprachapparat, da durch sie Lippenlaute wie z.B. die Buchstaben B, F, P und W gebildet werden. Auch das Spielen von Musikinstrumenten wie Flöte oder Trompete oder das Pfeifen wird durch die Lippen ermöglicht. Des Weiteren sind die Lippen wichtig für den mimischen Ausdruck von Gefühlen. So können sie Freude oder auch Trauer durch Hoch- oder Herunterziehen des Mundwinkels signalisieren. Auch für die Erotik spielen die Lippen eine Rolle, da schöne Lippen die sexuelle Anziehungskraft eines Menschen steigern können. Zudem gelten sie als Symbol für Sinnlichkeit.
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