28. Oktober 2009
Mal Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt Händchen gehalten? Sie können sich nicht mehr daran erinnern? Ist es zumindest lange her, oder war es vielleicht sogar schon in ihrer Jugend? Dann sind Sie einem großen Irrtum aufgesessen: Denn zum Händchenhalten ist man nie zu alt. Nur meistens irgendwann zu faul und zu bequem. Also geben Sie sich einen Ruck und zeigen Sie Ihrem Partner durchs Händchenhalten Ihre Zuneigung.
Das Händchenhalten hat viele Bedeutungen. In jedem Fall ist es aber ein Ausdruck der Zugehörigkeit und damit auch ein demonstratives Zeichen nach außen, ein Signal, dass man mit dem Partner zusammen gehört und eine Einheit bildet. Für junge Paare ist das Händchenhalten häufig eine erste vorsichtige Form der Annäherung. Wer nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen möchte, der kann vorsichtig damit beginnen, einmal die Hand des hoffentlich zukünftigen Partners zu nehmen und abzuwarten, was dann geschieht. Lässt der andere das Händchenhalten zu, so kann man getrost davon ausgehen, dass die eigenen Gefühle erwidert werden. Wird die Hand entzogen, sollte man vielleicht wieder etwas auf Abstand gehen.
Wer kein Mensch großer Worte ist, der kann das Händchenhalten als Mittel der nonverbalen Kommunikation einsetzen. Es signalisiert Zuneigung und Zuwendung nicht nur unter sich findenden, sondern auch unter alt gedienten Paaren. Übrigens war das Händchenhalten noch vor wenigen Jahrzehnten in der Öffentlichkeit nicht gern gesehen; viele Menschen empfanden es als unanständig und unpassend, ihre Gefühle derart demonstrativ zur Schau zu stellen. Diese Ansichten haben sich jedoch inzwischen verloren. Heute sieht man das Händchenhalten sogar bei sehr betagten Paaren, für die es in ihrer Jugend undenkbar gewesen wäre, sich in der Öffentlichkeit so zu zeigen. Gerade bei älteren Menschen zeigt es auch die gegenseitige Fürsorge, indem sie sich beim Gehen nicht nur symbolisch, sondern auch tatsächlich festen Halt geben.
Noch etwas ungewohnt mutet in vielen - vor allem dörflichen - Umgebungen jedoch das Händchenhalten homosexueller Paare an. In Großstädten gehört es dagegen schon zum festen Stadtbild und erregt die Gemüter nicht mehr. Ist man den Anblick händchenhaltender Freundinnen bereits gewohnt und assoziiert man diesen nicht zwangsweise mit einer homosexuellen Bindung, so werden händchenhaltende Freunde jedoch eindeutig als Liebespaar identifiziert. Die Toleranz dieser Liebesbezeugung gegenüber ist zwar am Wachsen, steckt aber immer noch in den Kinderschuhen.
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