Die Grundströmungen und Disziplinen der Philosophie in Überblick

Die Geschichte der westlichen Philosophie begann bereits in der Antike. Im Laufe der Zeit bildeten sich verschiedene Strömungen heraus, die heute mit bekannten Philosophen in Verbindung gebracht werden können und sowohl die Unterschiede als auch die Entwicklung des philosophischen Denkens widerspiegeln. Philosophische Grundströmungen und Disziplinen versuchen, den Menschen, dessen Existenz sowie die Welt zu verstehen. Kennen Sie sich in den unterschiedlichen Strömungen der Philosophie aus? Wir geben einen Überblick.

Von der Logik bis hin zur philosophischen Mystik - die Philosophie stellt eine komplexe Lehre mit zahlreichen unterschiedlichen Strömungen dar

Was ist Philosophie?

Mit der Lehre der Philosophie versucht der Mensch, seine Existenz sowie die Welt zu verstehen. Im Gegensatz zu anderen Wissenschaften gibt es häufig kein spezielles Gebiet oder eine besondere Methode; vielmehr werden durch verschiedene Fragen unterschiedliche Bereiche ergründet.

Die Philosophie setzt sich aus unterschiedlichen Kerngebieten bzw. Strömungen und Grunddisziplinen zusammen. So sind etwa

  • die Logik
  • die Ethik
  • die Metaphysik
  • die Erkenntnistheorie sowie
  • die Wissenschaftstheorie

zu nennen.

Im Mittelpunkt dieser Lehre stehen philosophische Fragen. Dabei handelt es isch um Fragen, auf die man mit einzelnen Wissenschaften nur schwer oder gar nicht eine Antwort findet. Hierbei handelt es sich beispielsweise um die Fragestellungen

  • Was ist gut, was ist böse?
  • Was bedeutet Gerechtigkeit?
  • Was ist der Sinn des Lebens?
  • Gibt es einen Gott?

Dabei ist es schwierig, eine allgemeingültige Definition der Philosophie zu finden, da die eigene Sicht eines jeden Menschen auf unterschiedliche Dinge im Vordergrund steht, sodass es zu zahlreichen Antwortmöglichkeiten kommt.

Philosophische Fragen können mit anderen Wissenschaften nur unzulänglich beantwortet werden
Philosophische Fragen können mit anderen Wissenschaften nur unzulänglich beantwortet werden

Die Grundströmungen der Philosophie

Zunächst einmal widmen wir uns den philosophischen Grundströmungen.

Die Strömung der Vorsokratiker

Mit den Vorsokratikern wurde zwischen 600 und 400 v. Chr. die Geschichte der westlichen Philosophie eingeleitet. Zu dieser Gruppe zählen all diejenigen Philosophen, die vor Sokrates und damit unbeeinflusst von ihm lebten.

Das Denken der Vorsokratiker war naturphilosophisch und naturwissenschaftlich geprägt. Man versuchte, anhand von Beobachtungen Naturphänomene zu begreifen und naturwissenschaftliche Gesetze zu entwickeln.

Bekannte Philosophen dieser Zeit waren

  • Empedokles
  • Thales von Milet und
  • Pythagoras.

Nicht mehr die Natur, sondern der Mensch stand im Mittelpunkt der Sophisten. Diese vorsokratische Gruppe beschäftigte sich vor allem mit ethischen und politischen Fragestellungen.

Mäeutik und Dualismus

Eine neue Strömung setzte mit Sokrates und dessen Schüler Platon ein. Ersterer entwickelte mit der so genannten Mäeutik eine Kunst der Gesprächsführung mit philosophischen Inhalt, die Platon umsetzte und weiterentwickelte. Sokrates machte sich zudem mit seiner Ideenlehre einen Namen, in der er sich mit der Vorstellung des Dualismus, einer zweigeteilten Wirklichkeit auseinandersetzte.

Hellenismus

Im Hellenismus entwickelten sich weitere philosophische Strömungen. Die Epikureer und Stoiker entwickelten zeitgleich um das Jahr 300 v. Chr. eine Lehre, die das Ziel hatte, psychisches Wohlbefinden zu erlangen. Während die Epikureer dieses Ziel durch ein Genussleben erreichen wollten, stand für die Stoiker die Seelenruhe im Vordergrund ihrer Bemühungen.

Patristik und Scholastik

Viele verschiedene Strömungen sind in der Philosophie des Mittelalters zu finden. Im engen Zusammenhang mit der Theologie steht die Patristik. Viele Theologen sahen sich damals auch als Philosophen und verbreiteten religiös orientierte Lehren. Einer der berühmtesten Theologen und Philosophen des Mittelalters war Anselm von Canterbury, der als Gründer der Scholastik angesehen wird und den bekannten Gottesbeweis formulierte.

Politische und religiöse Strömungen

In der Renaissance stand die politische Philosophie im Vordergrund, die unter anderem auf den Ideen von Bildung und Religionsfreiheit beruht. Verschiedene Strömungen im Rationalismus appellieren an das rationale Denken und damit an die Vernunft des Menschen.

So geht es in der Lehre von Descartes zum Beispiel um das Ichbewusstsein und die Wahrheit. Kants Erkenntniskritik dagegen greift nicht nur die Möglichkeiten der menschlichen Erkenntnis, sondern auch die Grenzen auf.

Parallele Strömungen

Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelten sich zahlreiche parallele Strömungen. Während die Philosophen des 19. Jahrhunderts bestrebt waren, Kants Lehre weiterzuentwickeln und die Welt mit methaphysischen oder empiristischen Wissenschaften zu erklären, stehen bei den Philosophen des 20. Jahrhunderts vor allem auch soziale Fragen im Vordergrund.

Einen Überblick über die wichtigsten Philosophen finden Sie hier in unserem separaten Artikel - im Folgenden sehen wir uns die unterschiedlichen Disziplinen der Philosophie einmal genauer an.

Philosophische Disziplinen

Die Bereiche der Philosophie lassen sich in theoretische und praktische Disziplinen einteilen. Selbst wenn es schwierig ist, einen Gesamtbereich, mit dem sich diese Lehre beschäftigt, zu erfassen, lassen sich zumindest einige hauptsächliche Gebiete nennen.

Theoretische Philosophie

Zunächst geben wir einen Überblick über Disziplinen der theoretischen Philosophie. Hierbei geht es um die Grundlagen des Denkens und der Wahrheit.

Logik

Der Mensch ist an nahezu jedem Tag seines Lebens mit der Kommunikation beschäftigt. Nicht selten kommt es dabei zu unterschiedlichen Ansichten zwischen zwei Diskutanten.

Sie tauschen nicht alleine ihre Sichtweisen aus, sondern nennen auch die entsprechenden Argumente dazu. Die Logik erlaubt es, diese Unterfütterung einer These genauer zu betrachten, sie abzuwägen und auf dieser Basis zu dem Schluss zu kommen, dass eine Aussage wahr oder falsch ist.

Die Entwicklung der Logik

Dieses philosophische Teilgebiet lässt sich hauptsächlich auf den griechischen Denker Aristoteles zurückführen. Er begründete vor mehr als 2.300 Jahren die Theorie der logischen Argumente.

Allerdings blieb er damit nicht alleine. So war es auch anderen Gelehrten in vielen Ländern wie etwa Indien, Japan oder Arabien gelungen, im Laufe der Zeit ähnliche Vorgehensweisen der Philosophie zu entwickeln.

Dennoch beriefen sich viele Gelehrte nach wie vor auf Aristoteles. Das vor allem auch ab dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, als die Logik vermehrt in den Fachbereich der Mathematik eindrang und sich beide Themenkomplexe gegenseitig unterstützten. Heute ist die Logik daher aus dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken.

Die klassische Logik

Bereits Aristoteles kam zu dem Schluss, dass eine Behauptung grundsätzlich nur wahr oder falsch sein kann. Mehr als diese beiden Wahrheitswerte existieren nicht und mehr als einen davon kann eine These nicht besitzen.

Ebenso lassen sich zusammengesetzte Aussagen in ihre einzelnen Bestandteile dividieren, von denen jeder abermals wahr oder falsch sein kann. Allerdings wird hierbei unterschieden.

So besteht eine Ansicht aus einem inhaltlichen und einem formalen Charakter. Eine Aussage kann daher formal gültig oder ungültig und gleichzeitig inhaltlich wahr oder falsch sein. Dieses Phänomen wird als Syllogismus bezeichnet und erlaubt die Betrachtung einer Auffassung und die weitgehend objektive Einschätzung ihres Wahrheitswertes.

Die nichtklassische Logik

Im Gegensatz zur klassischen Disziplin ist es auch möglich, dass eine Aussage nicht alleine nur wahr oder falsch ist. Sie könnte ebenso unbestimmt sein. Das ist meist dann der Fall, wenn sich der Inhalt der These erst noch beweisen oder widerlegen muss, in dem Moment des Ausspruchs also mithin nicht erkennbar ist.

Ebenso kann die nichtklassische Logik dazu führen, dass ein Zerteilen einer Aussage in ihre einzelnen Bausteine nicht zwingend zu dem Schluss kommt, dass alle von ihnen wahr oder falsch sind. Auch sie können unbestimmbar erscheinen. Diese Variante der Betrachtung grenzt sich trotz ihrer Bezeichnung jedoch nur geringfügig von den Lehren des Aristoteles ab - vielmehr basiert sie auf diesen.

Die Argumentationstheorie

Alle Behauptungen können indes nur dann als wahr, falsch oder unbestimmt angesehen werden, wenn sich ihr Wesenskern freilegen lässt. Dazu bedarf es der Argumentation.

Mit logischen Gründen soll es ermöglicht werden, eine Überzeugung zu definieren und sie für sich selbst und andere Personen verständlicher zu gestalten. Ebenso wird sie damit aber angreifbar, kann kritisiert und somit stets auch verneint werden.

Bei der Logik handelt es sich also um eine Form der Überzeugung, die auf das Argument als Hilfsmittel zurückgreift. Ist dieses verständlich, klar und nachvollziehbar begründet worden, wird sich der Betrachter mit dem Fazit, ob eine Aussage wahr oder falsch ist, nicht allzu schwertun.

Erkenntnistheorie

Jeder Mensch weiß etwas. Beispielsweise, wann er die Bahn erreichen muss, um pünktlich auf der Arbeit zu erscheinen. Oder wie ein Apfel schmeckt.

Einige dieser Erfahrungen hat er selbst gesammelt, andere wurden ihm vermittelt. Er verfügt also über Erkenntnisse.

Dabei ist er aber nicht vor Fehlern und Irrtümern gefeit. Auch sie sind ein wichtiger Bestandteil der Erkenntnistheorie.

Das Wesen der Erkenntnis

Bereits die griechischen Philosophen Platon und Aristoteles haben die Erkenntnis in den Mittelpunkt menschlicher Betrachtungsweisen gestellt. Im Laufe der Jahrhunderte waren es Gelehrte wie Descartes oder Spinoza, die ihre Thesen mit Leben füllten.

Sie alle basieren auf den drei Stufen des Wissens.

  • Ein Mensch kann wissen, wie etwas geschieht oder funktioniert. Dieses praktische Wissen umfasst alle Fertigkeiten und Fähigkeiten.

  • Ebenso kann er wissen, wie etwas ist. Er kann es schmecken, sehen, fühlen und mit allen Sinnen wahrnehmen.

  • Letztlich kann er wissen, dass etwas überhaupt ist, dass es existiert und somit einen bestimmten Wert besitzt. Diese letztgenannte Kategorie, die sich dem theoretischen Wissen annimmt, gilt als Überkategorie der Erkenntnislehre.

Eine Verbindung herstellen

Das Wesen der Theorie besteht darin, dass etwas oder jemand weiß, wie sich ein Zustand verhält. Praktisch umgesetzt bedeutet dies, dass der menschliche Betrachter einerseits und der Inhalt einer Aussage andererseits die Erkenntnis bestimmt.

Beispielhaft kann eine Person genannt werden, die ihre beiden Hände betrachtet und nun weiß, dass sich daran zehn Finger befinden. Oder der Zuschauer, der den abendlichen Krimi verfolgt und früher oder später weiß, dass wieder einmal der Gärtner der Mörder war.

Die Erkenntnis wächst folglich in der Sache oder dem Zustand, wird aber erst von einer Projektionsfläche aufgegriffen. Das ist der Mensch, der etwas erkennt und daraus seine Schlüsse zieht - oder auch zu dem Fazit kommen, dass etwas nicht wie dargestellt stattfinden kann.

Der Skeptizismus

Ein wichtiger Bestandteil der Erkenntnis liegt demgegenüber auch darin, das Wissen einer Überprüfung auszusetzen und mithin an dem, was der Mensch zu sehen glaubt, zweifeln zu dürfen. Allerdings muss dabei auf Gründe und Argumentationen ebenso wie auf logische Schlüsse zurückgegriffen werden.

Auch sie resultieren letztlich wiederum in der Erkenntnis, dass etwas ist - oder eben nicht ist. Oft kann beispielsweise auf dem Gebiet der Forschung und Lehre erst über Jahrzehnte oder Jahrhunderte hinweg ein Ergebnis für eine Materie gefunden werden, indem alle Beteiligten ihre Lösungsansätze einfließen lassen und zur Aufklärung sowie der Suche der Wahrheit beitragen.

Fehler bei der Betrachtung

Allerdings ist es gerade an dem Beispiel der Forscher gut sichtbar, dass jeder von ihnen meist nicht selbst zu einer Erkenntnis kommen wird, sondern eine lange Prägung etwa in der Ausbildung oder dem Studium genossen hat.

So ist es auch dem Menschen nicht ganz leicht, eine Erkenntnis lediglich aus der Betrachtung eines Zusammenhangs zu erkennen. Immerhin kann er dabei auch irren.

Der Zuschauer des Krimis ist vielleicht der Finte der Drehbuchautoren auf den Leim gegangen, der Mörder ist nicht der Gärtner. Die Erkenntnis entsteht folglich nicht alleine aus dem Betrachter und dem Inhalt einer Aussage, sondern immer auch daraus, wie frei oder verdeckt sich die Sichtweise des einen auf das andere gestaltet.

Wissenschaftstheorie

Die Suche nach der Wahrheit ist ein Bestandteil der Wissenschaft. Jenes strukturierten Vorgehens also, das Thesen aufstellen, sie betrachten und mit Fakten füllen sowie anschließend bestätigen oder verneinen soll.

Die Wissenschaftstheorie spielt in der Philosophie eine gesteigerte Rolle und gehört somit zum Teilgebiet der Erkenntnistheorie. Behandelt werden dabei unterschiedliche Fragen, die das Wesen der Wissenschaft umkreisen und näher zu beleuchten versuchen.

Symbol des Fortschritts

Bereits in den antiken Kulturen war die Wissenschaftstheorie vorhanden. So wurde sie etwa von dem griechischen Gelehrten Aristoteles mitentwickelt. Dennoch ist diese philosophische Materie vornehmlich in jenen Jahrhunderten gewachsen, da der Mensch immer bessere Methoden entwickelte, Naturgesetze und ähnliche Phänomene zu überprüfen.

Es werden somit drei Teilbereiche unterschieden:

  • Die spezielle Wissenschaftstheorie nimmt sich den Fachrichtungen wie der Biologie, der Geschichte oder der Mathematik an.
  • Die allgemeine Wissenschaftstheorie bemüht sich dagegen um den Inhalt der Begriffe, Lehren, Aussagen oder Erklärungen.
  • Abschließend bleibt die Naturphilosophie, die sich etwa um die Freiheit, die Beziehung von Raum und Zeit, die Unterschiede zwischen dem Geist und dem Körper sowie der Materie als solcher dreht.
Was ist Wissen?

Ganz allgemein gesprochen versucht die Wissenschaftstheorie der Frage auf den Grund zu gehen, was Wissen eigentlich ist und wodurch es sich von der Erkenntnis unterscheidet. Welchen Inhalt muss ein Gesetz umfassen, um als Erklärung einer These tauglich zu sein?

Hierbei steht es im Vordergrund, möglichst systematisch zu agieren und eine Aussage zuverlässig zu untermauern. Aber nicht jede Erklärung wird im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit als verwendbar angesehen. Sie muss über eine bestimmte Struktur verfügen.

Auch diese formalen Aspekte bilden das Wesen der Wissenschaftstheorie, die sich im Laufe der Zeit voranentwickeln und neue Kriterien zur Beurteilung aufstellen kann: Was einst als gültig angesehen wurde, kann heute als unzulässig zurückgewiesen werden.

Die Warum-Fragen

Grundsätzlich kann eine Erklärung im wissenschaftlichen Sinne immer als Antwort auf die so genannten Warum-Fragen angesehen werden. Warum ist der Schnee weiß, warum können Flugzeuge fliegen und warum ist das menschliche Leben auf wenige Jahrzehnte begrenzt? Zu jeder Frage lassen sich Erklärungen finden, die das Problem behandeln und lösen. Dabei werden zwei Aspekte getrennt.

Einerseits steht die Antwort im Raum: "Der Schnee ist weiß, weil das Sonnenlicht auf den Kristallen weiß reflektiert wird". Andererseits bedarf es aber der genauen Erklärung, warum das so ist.

Die Untermauerung der Aussage wird also abermals geleistet und die Antwort bestmöglich gestützt. Diese Erklärung wiederum kann betrachtet, bestätigt oder verneint werden.

Gesetze und Argumente

Mögen sich in einer herkömmlichen Debatte noch diverse Meinungen aufgrund schlichter Argumente vertreten lassen, so haben sich in den letzten Jahrhunderten in der Wissenschaft vielfältige Gesetze entwickelt. Sie erklären einen bestimmten Zusammenhang in unumstößlicher Form. Soll eine solche Aussage negiert werden, bedarf es dazu eines anderen Gesetzes, das weitreichender formuliert ist und die Fehler des Ersten ausschließt.

Das Gesetz soll allgemeingültige Antworten darauf finden, wie etwas ist - ohne, dass dies stets für den Einzelfall neu beantwortet werden müsste. Allerdings bedürfen auch diese Gesetze bestimmter formaler Aspekte, können mithin nicht beliebig verändert oder erstellt werden. So sind nicht wenige der noch heute geltenden Naturgesetze viele einhundert Jahre alt.

Metaphysik

Der Mensch lebt in einer Welt, ist unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt und erfreut sich vielleicht beim nachmittäglichen Spaziergang an den Schönheiten der Natur. Er nimmt also seine Umgebung wahr und interpretiert diese für sich selbst.

Bereits Aristoteles hinterfragte diese Erkenntnis in seinen 14 Büchern der Metaphysik jedoch. Er stellte das infrage, was sich hinter dem Seienden verbirgt.

So könne die Welt, die Natur, jede Person und alles, was ist, nicht aus sich selbst heraus existieren. Meist gebe es etwas Übergeordnetes, woraus das Seiende entspringt.

Wie agieren also die unterschiedlichen Elemente der Natur, wie beeinflussen sie sich - und warum agieren sie genau so? Es wird folglich eine bestimmte Struktur darin gesehen.

Veränderlich und unveränderlich

Die meisten Philosophen berufen sich in ihren Schriften noch immer auf die Ausgangsthesen des Aristoteles, der in seiner Denkweise wiederum durch seinen Lehrer Platon beeinflusst wurde.

Demzufolge gibt es zwei zu trennende Ursprünge:

Auf der einen Seite steht jene Substanz, die verändert und wahrgenommen werden kann. Die Lehre von ihr wird als Ontologie verstanden.

Alles, was der Mensch sieht, kann er neu gestalten, er kann es zerstören oder anderweitig aufbauen.

Demgegenüber steht alles das, was weder sichtbar ist, noch beeinflusst werden kann. Dieses Fachgebiet wird als Theologie beschrieben und umfasst alle Werte, die der Mensch nicht sehen, aber fühlen kann. Auf sie besitzt er keinen Einfluss.

Ontologie

Das Wesen der veränderlichen Welt wurde hauptsächlich im 17. Jahrhundert durch Johann Micraelius sowie im 18. Jahrhundert durch Christian Wolff geprägt. Gemeint ist die Frage nach allem, was ist: "Was gibt es?" Das, was besteht, kann nicht nur beeinflusst und verändert werden.

In dem Moment, da es der Mensch betrachtet, interpretiert er es und erkennt darin das, was er erkennen kann oder will. Das ist aber nicht zwangsläufig das, was tatsächlich existiert.

Die Ontologie bedient sich dabei eines breiten Spektrums an Lösungswegen, auf denen eine Annäherung zu dem Seienden gelingen soll. Es wird hinterfragt und argumentiert, erklärt und bestätigt, dass etwas vorhanden ist und wie dieses beschaffen ist.

Etwas existiert

Aber was bedeutet es eigentlich, dass etwas existiert? Alleine diese Frage lässt sich unterschiedlich beantworten, kann doch der Wesensgehalt zwischen den Worten verschoben werden. Bereits der Inhalt von "etwas" ist dabei ebenso umstritten wie die Definition der Existenz.

Durchgesetzt hat sich die Sichtweise, dass die Existenz eine Eigenschaft gehobener Ordnung darstellt, dabei aber nicht auf Gegenstände angewandt werden kann. Allerdings ist auch diese Ansicht umstritten.

Ein abermaliger Beleg dafür, dass der Anspruch der Ontologie, unumstößliche Werkzeuge zum Verständnis der Wirklichkeit zu bieten, nicht liefern kann. Sie sollte daher ebenso als philosophischer Prozess angesehen werden, die Dinge und deren Existenz zu begreifen.

Sprachphilosophie

Ein jeder Mensch benutzt sie täglich, er bewegt sich routiniert in ihr und kann sie nach seinen Zwecken gebrauchen: Die Sprache erleichtert die Kommunikation. Das jedoch nur, wenn ihre Bedeutung verstanden wird.

Gelingt das nicht, erscheint sie kryptisch, unbrauchbar und abweisend. Wer die Sprache verstehen will, muss nicht jedes Wort im Einzelnen kennen. Mitunter reicht bereits eine Lautmalung, um dem Gesprächspartner zuzuhören.

Der Wert des Wortes

Bereits in der griechischen Philosophie ist die Bedeutung der Sprache bekannt gewesen. Sätze konnten schon nach dem Verständnis der damaligen Gelehrten eine variierende Bedeutung besitzen.

Denn wie der Volksmund weiß: Der Ton macht die Musik. Ob ein Wort gelassen, humorvoll, sarkastisch, wütend oder mit anderen Gefühlsprägungen ausgesprochen wird, ist unterschiedlich.

Auf den Empfänger wirkt folglich nicht nur das Wort an sich. Entscheidend ist es nicht, was gesagt wird - sondern wie. Das ist indes nicht immer leicht zu erkennen, kann doch das geschriebene Wort ohne weitere Erläuterungen zu abweichenden Interpretationen führen. Der Wert einer Aussage unterscheidet sich mithin durch deren Intension.

Die Bedeutung verstehen

Jedes Wort und jede Bezeichnung besitzt einen bestimmten Gehalt. So weiß der Angesprochene, dass mit dem Begriff "Katze" ein Tier gemeint ist und mit einem Namen eine gewisse Person assoziiert wird.

Das Verstehen liegt nun darin, einen Satz in seine Einzelteile zu dividieren und jeden von ihnen in ein Verhältnis zu den anderen zu rücken. "Die Katze von Frau Meier ist krank" - der Zuhörer muss weder Frau Meier noch deren Katze kennen, um die Bedeutung des Satzes und seine Tragweite halbwegs ermessen zu können.

Probleme treten immer erst dann auf, wenn eines der Bestandteile nicht näher definiert wurde oder gänzlich unbekannt ist. So wird der Empfänger weder mit dem Namen Frau Meiers noch mit der Bezeichnung der Krankheit ihrer Katze isoliert betrachtet etwas anzufangen wissen.

In der eigenen Sprache fremd

Wie schwierig es werden kann, einen Satz zu erkennen, ohne eines der darin enthaltenen Worte zu verstehen, verdeutlichen nicht alleine die Fachausdrücke. Gerade der Unterhaltung zweier Ärzte, Juristen oder ähnlich Gelehrter kann ein Laie mehrere Minuten zuhören, ohne den Wert des Gesprächs erfassen zu können oder gar dem Gesagten zu folgen.

So wird der Zuhörer zwar die Worte seiner Sprache zuordnen, sie aber inhaltlich nicht begreifen. Sämtliche Aussagen sind für ihn demzufolge nutzlos, solange er nicht die unverständlichen Worte näher beleuchtet, sie definiert und zueinander in ein Verhältnis setzt.

Zwischen den Zeilen lesen

Doch egal, ob das Wort gelesen oder gehört wird, stets findet der Betrachter mehr als nur den Begriff an sich vor. So kann er

einordnen. Denn ob des Menschen liebster Freund als "Hund" oder als "Töle" bezeichnet wird, gibt über den Äußernden weitaus mehr preis, als es auf den ersten Blick erscheint.

Was und wie etwas gesagt wird, kann zudem von den Hörern unterschiedlich aufgefasst werden. Auch hier ist eine pauschale Zuordnung im Regelfall nicht möglich, muss doch der Kontext der Aussage ebenso verstanden werden. Die Sprache gehört somit zu den Mysterien der Menschheit, bei denen sich auch eine philosophische Annäherung stets lohnt.

Praktische Philosophie

Es folgt ein Einblick in die praktische Philosophie. Hier geht es um die menschliche Praxis bzw. deren Erforschung.

Ethik

Bereits in der griechischen Philosophie war die Frage der Moral bekannt. Hauptsächlich wurde sie von Cicero beantwortet, der der Materie sogleich ein ganzes Werk widmete. Im Mittelpunkt steht somit der Anlass dafür, etwas zu tun, etwas anderes aber zu unterlassen.

Steht der Mensch am Kreuzweg zwischen zwei Optionen, so wird er zumeist die ethisch vertretbare wählen. Entscheidet er sich anders, kommt es gerne einmal zu den Gewissensbissen.

Tief im Bewusstsein wissen wir also, was rechtmäßig ist. Auch, wenn es dazu keine schriftlichen Gesetze gibt. Das ethische Handeln gilt somit als Basis einer fairen Gesellschaft, in der nicht alleine der Vorteil des Einzelnen gesucht wird.

Das gute Leben

Vielleicht lässt sich der Begriff der Ethik aber auch mit der Sehnsucht nach einem guten Leben definieren. Der Mensch ist bestrebt, für sich selbst und andere Personen ein möglichst fruchtbares Umfeld zu schaffen.

Was dabei als gut angesehen wird, ist verschieden. So kann etwa die Moralvorstellung der Geschäftswelt von jenen Werten abweichen, die Privatpersonen für sich etablieren.

Entscheidend ist jedoch, dass die Gemeinschaft als Ganzes funktioniert und mit der geschaffenen Ethik Fortschritte erzielt. Wer sich ihr entgegensetzt, handelt dem Gemeinwesen zuwider. Aber woher wissen wir, was gut und was schlecht eigentlich bedeutet?

Metaethik

Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat sich neben der Ethik ein weiterer philosophischer Zweig herausgearbeitet. Er entstand vornehmlich im angloamerikanischen Raum und befasst sich mit den Hintergründen der Moral.

Gelöst werden soll daher die Frage, warum sich ein Mensch in einer bestimmten Weise verhält, eine Alternative aber trotz besserer Erfolgsaussichten ungenutzt lässt.

  • Wo liegt im Wesen der Person also der kleine Baustein, der über zulässiges und verbotenes Handeln befindet - und wodurch wird dieser geprägt?

Der Mensch erlernt seine Normen zumeist durch seine Umgebung. Je mehr er ethisch einwandfreien Einflüssen ausgesetzt ist, desto eher wird er sich "richtig" entscheiden können. Bleibt ihm dieses Privileg versagt, kann er mit dem Begriff der Moral nur wenig anfangen und wird bei verbotenen Taten auch keine Regungen des Gewissens verspüren.

Welchem Zweck dient die Moral

Allerdings umfasst die Metaethik diverse Streitpunkte und konträre Ansichten, aus denen sich das Wesen der Moral ergeben soll. So kann bereits hinterfragt werden, warum wir zulässig handeln, statt Alternativen zu beschreiten. Ebenso gilt es aber auch, die vermeintliche Wahrheit als solche zu überprüfen.

Wenn wir ein Handeln vermeiden, das uns seit Kindesbeinen an als falsch verdeutlicht wurde, muss es dann tatsächlich falsch sein oder irrten jene, die uns dieses Wissen vermittelt haben? Und wie verhält es sich, wenn der Mensch den Leitfaden seines Charakters lediglich auf eigens begründete Urteile und Empfindungen stützt? Der Kern der Ethik wird in diesem philosophischen Teilgebiet daher beleuchtet.

Rechtsphilosophie

Alles, was der Mensch tut, unterliegt einer gewissen Ordnung und kann somit von einer höheren Instanz hinterfragt werden. Mag es sich dabei einerseits um moralische und ethische Grundsätze handeln, die vielleicht nicht schriftlich normiert, aber dennoch allgemeingültig sind, so steht demgegenüber das Rechtssystem. Seit Jahrtausenden wird auch dessen Existenz in den Fokus der Philosophie geschoben - nicht selten reifte daraus ein Einfluss auf die Gesetze.

Das Recht

Hauptsächlicher Bestandteil der Rechtsphilosophie ist das Recht an sich. Dieses war bereits den Naturvölkern bekannt, die Recht von Unrecht unterschieden und Straftäter in ihrer Gemeinschaft sanktionierten. Erst daraus entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte die Möglichkeit, einerseits ein Gesetz zu entwickeln, dem sich alle natürlichen und juristischen Personen eines Geltungsbereichs zu unterwerfen hatten.

Andererseits konnte aber gleichermaßen die Sanktion selbst hinterfragt und verändert werden. So lassen sich heute gerade die Körperstrafen in den Rechtsbüchern zivilisierter Länder nicht mehr finden. Es kam im Laufe der Zeit also zu einem Wandel, der das Recht beeinflusste und somit immer auch direkt auf eine Gesellschaft einwirkte.

Die grundlegenden Prinzipien

Allerdings beeinflussen sich die Gesellschaft und das Recht wechselseitig. Die Gesetze folgen dabei bestimmten Grundsätzen, die in ihrer Zeit als unabänderlich angesehen werden.

  • So steht im Mittelpunkt des deutschen Rechtswesens die Würde des Menschen.
  • Andere Nationen rücken dagegen das Wohlergehen des Staates oder die Freiheit des Einzelnen in den Fokus.

Meist ergibt sich aus sehr wenigen Prinzipien sodann eine ganze Bandbreite an Gesetzen und Normen, denen sich alle Personen und Institutionen zu unterwerfen haben. Da diese Prinzipien aber veränderlich sind und im Laufe der Jahrhunderte an Wert gewinnen oder verlieren, wandeln sich auch die Gesetze und somit das Recht als solches. Dieser Prozess gehört zur Entwicklung einer Gesellschaft dazu.

Recht und Unrecht

Was allerdings richtig und falsch, erlaubt und verboten, Recht und Unrecht bedeutet, ist ebenso einem Wandel unterworfen. Das gilt gleichermaßen für die Tat wie für die daraus folgende rechtliche Konsequenz.

Als Beispiel kann das Vergehen genannt werden, das nur deshalb nicht bestraft wird, weil es verjährt ist. Der Bruch der Rechtsordnung führt daher nicht zwangsläufig zur Sanktion.

Das vor allem auch dann nicht, wenn der Täter zwar ein Unrecht begeht, dieses ihm persönlich aber nicht vorwerfbar ist. So könnte er seine Sinne im fraglichen Zeitpunkt durch Alkohol und Drogen betrübt haben. Ebenso könnte er geistig nicht in der Lage gewesen sein, die Tragweite seiner Handlung einzuschätzen.

Die Suche der Gerechtigkeit

Die Behandlung des Rechts und des Unrechts zeigt, wie sehr eine Gesellschaft um die Suche der Gerechtigkeit bemüht ist. So sind es oft gerade die totalitären Staaten, die hier zu einem Ungleichgewicht kommen und die öffentliche Abschreckung über das Finden der tatsächlichen Wahrheit stellen.

Doch selbst wenn diese ermittelt wird, stellt sich spätestens beim Strafmaß abermals die Frage der Gerechtigkeit: Wie gerecht ist es, einen Menschen für viele Jahre einzusperren?

Diese Probleme muss die Rechtsphilosophie lösen. Das gelingt ihr seit vielen Jahrhunderten und sie wird auch künftig einen wichtigen Bestandteil im Rechtswesen einnehmen. Gelänge ihr das nicht, wären alle moralischen Werte variabel und somit de facto nichtig.

Politische Philosophie

In seinem Handeln ist der Mensch stets einem höheren Wesen unterworfen. Dieses wird in der Gemeinschaft mit anderen Individuen sowie Institutionen angesehen.

Das Gesamtwesen des Staates wird ebenso durch den Einzelnen geprägt, wie er seinerseits den Einzelnen beeinflusst. Allerdings stellt sich auch dabei die Frage, wozu der Mensch überhaupt den Zusammenschluss eines Staates benötigt - und woher bezieht dieser seine Autorität?

In der Antike begründet

Das moderne Staatswesen ist in seiner Form keine Entwicklung der letzten Jahrhunderte. Vielmehr haben bereits die griechischen Philosophen um Platon das Wesen der Herrschaft ergründet und hinterfragt.

Die Politische Philosophie umfasst somit Schnittmengen zu weiteren philosophischen Teilgebieten, etwa

Die Frage der Macht der Politik steht dabei stets im Widerspruch zur Freiheit des Einzelnen. Das Wohl der Gemeinschaft zuweilen nicht im Einklang mit dem Wohl des Individuums. Ebenso muss kritisch betrachtet werden, woher der Staat die Macht bezieht, die Freiheit des Bürgers zu beschränken und diesen zu einem bestimmten Verhalten zu drängen. Denn im Mittelpunkt steht immer auch die Würde des Menschen.

Der Sinn des Staates

Grundlegend bleibt die Frage, warum der Mensch überhaupt einen Staat benötigt. Könnte er nicht einfacher und erfolgreicher agieren, wenn er sich außerhalb dieses Zusammenschlusses stellt? Dann aber dürfte er nur wenige Rechte und Privilegien beanspruchen.

Die im Staatswesen für den Einzelnen herrschende Verpflichtung wird somit durch die Vorteile aufgewogen, die er in diesem erlangt. Aber nicht nur die Existenz des Staates wird beleuchtet.

Auch sein Wirken kann betrachtet werden. Etwa jede einzelne Maßnahme von ihm, jede Beschränkung des Individuums und jede wie auch immer geartete nach innen oder nach außen gerichtete Politik. Denn der Staat agiert nicht isoliert von der Außenwelt, sondern vielmehr gemeinsam mit ihr.

Die Autorität des Staates

Eine Nation kann aber immer nur dann als Ganzes handeln, wenn die breite Masse des Volkes den Anweisungen der wenigen Regierenden folgt. Es erkennt also dessen Befugnis zur Macht an und setzt diese in die Tat um.

Die Legitimation folgt dabei in den meisten zivilen Staaten heutzutage aus der Demokratie: Der Mensch wählt jene Personen, von deren Politik er überzeugt ist. Das mehrheitliche Votum der Gesellschaft verhilft dem Politiker also zu jener Stellung, in der er

  • Maßnahmen ergreifen
  • Strukturen verändern und
  • das Recht beeinflussen

kann. Das Gegenteil davon stellen die diktatorischen oder totalitären Regime dar. Sie basieren entweder nicht auf dem Wunsch der Bevölkerung oder nabeln sich im Laufe der Regentschaft von diesem ab.

Das legitime Handeln des Staates

Mit dem zuvor betrachteten Aspekt stellt sich aber auch die Frage, welche Handlungen des Staates als legitim angesehen werden können und somit von der Gesellschaft zu akzeptieren sind. Denn der Umstand, dass eine Regierung demokratisch zulässig gewählt wurde, verleiht ihr nicht automatisch das Privileg, die Freiheiten und Rechte jener zu beschneiden, die sie gewählt hat.

Der Staat gründet seine Vorgehensweise daher auf das geltende Recht und die moralischen Grundsätze. Erst, wenn diesen zuwidergelaufen wird, kann ein Verlust der Rechtmäßigkeit der Maßnahmen und damit eine Reduzierung der Autorität einhergehen. In solchen Fällen stehen zumeist Neuwahlen oder Revolutionen an.

Neuere Disziplinen

Schließlich gehen wir noch auf die Neueren Disziplinen der Philosophien ein. Diese befassen sich u.a. mit dem Wesen des Menschen und der Analyse des menschlichen Handelns.

Philosophie des Geistes und des Bewusstseins

Nicht alleine die äußeren Umstände prägen den Menschen. Er ist also nicht ausschließlich von seiner Umwelt abhängig und von jenen Personen, die ihn umgeben.

Vielmehr besitzt er einen Charakter, einen Geist und mithin das Bewusstsein, er selbst zu sein. Auch diese Aspekte können einer philosophischen Betrachtung unterzogen werden - denn noch immer streiten sich die Gelehrten darüber, was das Bewusstsein eigentlich ist.

Das Bewusstsein

Im Gegensatz zu weiteren philosophischen Errungenschaften wurden die Lehre und das Verständnis des Bewusstseins erst relativ spät ergründet. Im 18. Jahrhundert gelang es Christian Wolff erstmals, den Begriff zu etablieren.

Was mit ihm genau gemeint ist, beschäftigt indes noch heute die Gelehrten. Das Bewusstsein umfasst dabei

  • das geistige Wesen
  • dessen Beeinflussung und
  • die Möglichkeit, sich selbst zu erkennen - sich seiner bewusst zu werden.

Das Bewusstsein kann eine Vielzahl an Emotionen auslösen, mentale Schmerzen spürbar werden lassen oder auch nur Gedanken heraufbeschwören. Das Bewusstsein wird dabei ähnlich komplex wie das Universum angesehen. Beide Zustände scheinen weder ein Anfang noch ein Ende zu besitzen und mithin unendlich zu sein.

Ein großes Rätsel

Doch so eindeutig sich die Materie des Gehirns aus bilogischer Sicht auch darstellt, so schwer ist es, das Bewusstsein zu definieren. Wie können Gedanken entstehen, die lediglich in einer organischen Masse hervorgerufen werden? Worin unterscheidet sich zudem das Bewusstsein eines Menschen von dem eines Tieres?

Wobei zu fragen ist, ob es überhaupt tatsächliche Abweichungen gibt, denn das Bewusstsein einer Maus oder eines Hundes lässt sich in der letzten Konsequenz eben nicht erforschen. Oder anders formuliert: Der Mensch kann stets nur wissen, wie es in ihm selbst aussieht.

Bereits seinem Nebenmann kann er im Bewusstsein nicht auf den Zahn fühlen. Die große Welt stößt folglich bereits am eigenen Ich an ihre Grenzen.

Der Geist

Etwas anders verhält es sich beim Geist. Er umschreibt den Zustand, der eine Person beseelt, der sein Denken beeinflusst und Gefühle erlebbar werden lässt.

Nach herrschender Ansicht besitzt ein Mensch zwei Seiten. Zum einen werden alle physischen Aspekte umfasst: die körperlichen Eigenschaften und Fähigkeiten, das Gehirn und der gesamte materielle Aufbau des Leibes.

Zum anderen verfügt er über mentale Besonderheiten: er ist sich seiner bewusst, kann psychisch in einer bestimmten Weise geformt sein und darf seinen Geist gebrauchen.

Beide Zustände sind nicht miteinander verbunden. Alleine daraus wird erkennbar, dass der Geist nicht zwingend im Körper einer Person wohnt, sondern diesen eher zu begleiten scheint.

Zustand des Menschen oder der Natur?

Allerdings geht mit der vorgenannten Betrachtungsweise auch die Frage einher, ob der Geist aus einem Menschen oder aus der Natur - und somit seiner Umgebung - geboren wird. Für Letzteres könnte sprechen, dass sich die Entscheidungen des Geistes nicht als richtig oder falsch einordnen lassen.

Sie geschehen so, wie die Prozesse der Natur ablaufen: nach Prinzipien also, die für den Menschen nicht immer erkennbar sind und die zulässige oder unzulässige Konsequenzen nicht kennen. Dennoch steuert der Geist mitsamt seinen Gedanken auch den Körper des Menschen. Und das bewusst.

Das Wesen des Geistes ist daher nicht ganz überraschend derart vielschichtig, dass sich die philosophischen Ansichten über ihn eher zu mehren, statt auf wenige Erkenntnisse zu reduzieren scheinen.

Moderne philosophische Anthropologie

Wissenschaftlich kann der Mensch in unterschiedliche Aspekte unterteilt werden. Der Psychologe wird dessen mentale Seiten erforschen, der Arzt seine biologischen Voraussetzungen. Wie die Person sich in die Gesellschaft einfügt, ermittelt der Soziologe.

Doch was genau ist der Mensch in seiner Gesamtheit eigentlich? Das wiederum bildet die Frage, mit der sich die moderne philosophische Anthropologie beschäftigt. Sie grenzt den Menschen als einzigartiges Wesen ein.

Der Mensch als solcher

Schon in der griechischen Philosophie konnten sich die Gelehrten um Aristoteles nur mühsam dem Menschen als abstraktem Individuum nähern. Die damalige Vermutung lag darin, dass der Mensch in der Lage ist, seine Sinne zu gebrauchen. Ebenso, dass er über die Vernunft verfügt,

  • Richtiges von Falschem
  • Brauchbares von Nutzlosem und
  • Zulässiges von Unzulässigem

zu trennen. Aus heutiger Sicht muss diese Erkenntnis beinahe revolutionär erscheinen, kann sie doch noch immer Gültigkeit beanspruchen. Beide genannten Eigenschaften unterscheiden den Menschen von anderen Lebewesen und sogar von Maschinen.

Bislang ist es nicht gelungen, ein Pendant des Menschen zu finden oder nachzuahmen. Zudem ist fraglich, ob das jemals gelingen wird.

Der Unterschied zum Tier

Grob differenzieren sich Menschen und Tiere nicht zwingend durch die Möglichkeit der Sinnesnutzung. Der Hund oder die Katze wird sich der Beute riechend, hören oder sehend annähern. Gleiches steht einer Person offen, die zunächst an ihren Lebensmitteln riecht, ehe sie diese verzehrt oder die den ersten Bissen besonders intensiv kostet, um seine Qualität zu prüfen.

Dennoch setzt der Mensch seine Vernunft ein. Er wägt ab. Vorteile und negative Aspekte werden ausgelotet, betrachtet, hinterfragt - ehe sie zu einem Urteil zusammengefügt werden.

Dazu sind Tiere nach heutiger Erkenntnis nicht in der Lage. Der Mensch ist den übrigen Lebewesen daher aus anthropologischer Sicht überlegen und vielschichtiger aufgebaut.

Denken und Fühlen

Ein weiterer Aspekt des menschlichen Wesens liegt in seiner Fähigkeit, Gedanken zu ergründen und zu fühlen. Auch das mag ihn vom Tier unterscheiden. Mehr noch, selbst mit allen neuen Errungenschaften ist es nicht gelungen, dem Menschen ebenbürtig zu sein.

Zu denken wäre an die Vielzahl an Computern und Maschinen, die seine Arbeitskraft ersetzen. Doch sie handeln mechanisch, ohne zu wissen, was genau sie tun, warum sie so handeln und welchem Zweck sie dienen.

Der Mensch wiederum wird für jeden seiner Schritte einen Grund angeben und ein Ziel benennen können. Diese mentalen Eigenarten sind es daher, die ihn derart einzigartig werden lassen, dass er bislang keine Konkurrenz fürchten musste.

Vergangenes und Künftiges

Doch damit nicht genug. Als einziges Lebewesen ist der Mensch zudem in der Lage, die Vergangenheit und die Zukunft ebenso wahrzunehmen wie die Gegenwart. Daraus entwickelt sich die Möglichkeit, diese zu beeinflussen.

So kann er aus Fehlern lernen und sich Ziele für die eigene Zukunft setzen. Auch diese Option steht weder Maschinen noch Tieren zu.

Letztgenannte können bestenfalls im Jetzt und Hier ein Verlangen spüren. Ein derart breit angelegtes Bewusstsein wie das einer Person ist ihnen aber nicht gegeben. Die moderne philosophische Anthropologie untersucht folglich alle diese Zustände und versucht, den Menschen als einzigartiges Wesen zu verstehen - auch, wenn das aufgrund der Komplexität nur schwer gelingen wird.

Rationalitäts-, Handlungs- und Spieltheorie

Gerade Studenten kennen die Vielfalt des Alltags: Soll man sich nach dem morgendlichen Aufstehen in die Universität begeben oder lieber das gute Wetter nutzen? Man könnte ja Kompromisse eingehen: Erst arbeiten, dann faulenzen.

Doch welche Wirkung entsteht eigentlich, wenn man sich abermals nicht den Studien widmet? Jede Person kennt derartige Kreuzwege, an denen sie sich auf unterschiedliche Weise entscheiden kann.

Denken, Handeln, Entfalten

Der Mensch folgt bestimmten Impulsen, wenn er etwas tut oder unterlässt. Der gesamte dabei ablaufende Prozess wird meist unbewusst vorgenommen, existiert aber dennoch. Verschiedene Theorien widmen sich der Frage, warum wir so handeln, wie wir es tun.

Ebenso werden aber die Konsequenzen betrachtet: Wie gestaltet sich die Welt, wenn sich jede Person nach eigenen Wünschen und Bedürfnissen entfalten könnte?

Die Philosophie soll alle dabei entstehenden Probleme und Fragestellungen lösen und mithin zu einem besseren - weil effizienterem - Zusammenleben der Gesellschaft führen. Mag das Denken dabei seit vielen Jahrhunderten in den Fokus der Philosophen gerückt sein, so wird gerade die Spieltheorie erst seit wenigen Jahrzehnten in der Arbeit eingesetzt.

Die Rationalitätstheorie

Nach allgemeiner Ansicht kann eine Person emotional oder rational handeln. Ersteres immer dann, wenn sie sich von ihren Gefühlen lenken lässt, Letztgenanntes stets, wenn sie gewisse Strukturen und Muster in ihrem Vorgehen nutzt. Im Mittelpunkt steht dabei die Suche nach Wahrheit: Der Mensch will nicht mit dem Schicksal hadern oder sein Glück ausloten - vielmehr strebt er den einzig richtigen Weg an.

Wie sehr das emotionale und das rationale Verhalten auf die Bevölkerung verteilt ist, gestaltet sich unter Philosophen als Streitpunkt. Ebenso gibt es konträre Ansichten darüber, welchen Auslösern ein Mensch folgt, wie er diese gewichtet oder ob im Unterbewusstsein eine Abwägung beider Gegenpole stattfinden kann.

Die Handlungstheorie

Meist sind es die emotional oder rational gefassten Gründe, die eine Person zu einer Handlung bewegen. Hierbei folgt sie bestimmten Absichten und Wünschen. Auch eine Meinung liegt ihrem Vorgehen zugrunde, wobei eine vorherige kritische Betrachtung bereits stattgefunden hat und ein Entscheidungsprozess durchlaufen wurde.

Der Verlauf erfolgt dabei im Regelfall kausal: Es liegt einerseits ein Grund vor, der den Menschen andererseits zu seiner Handlung verleitet. Zudem ist mit seiner Maßnahme eine Außenwirkung verbunden.

Diese kann aber zumindest dann entfallen, wenn es sich etwa um das Lösen eines Rätsels handelt. Hier sei aber bereits der Versuch tauglich, um von einer Handlung im philosophischen Sinne zu sprechen. Ungelöst ist bislang aber die Frage einer zwar kausal, aber dennoch zufällig herbeigeführten Handlung.

Die Spieltheorie

Jeder Mensch wird für seine Vorgehensweisen bestimmte Absichten hegen. Gute Gründe also, die ihn dazu verleiten. Wie gestaltet sich die Welt aber, wenn jeder im reinen Gewissen handelt und folglich früher oder später die unterschiedlichen Ziele kollidieren? Eine Antwort darauf soll die vorherige Simulation liefern.

In einem Spiel können diverse Teilnehmer versuchen, ihre Sichtweisen durchzusetzen. Oft sind die Spieler dabei in ihren Maßnahmen nicht eingeschränkt, können sich also frei entfalten.

Die daraus resultierenden Konsequenzen führen im Regelfall dennoch vor Augen, dass der Mensch nicht als Individuum existiert, sondern sich einerseits innerhalb gewisser Grenzen befindet, andererseits aber stets auch gemeinsam im Rahmen der Gesellschaft agiert.

Philosophische Mystik

Manch ein Mensch betet morgens und abends. Andere hingegen glauben nicht an Gott, können sich aber übersinnlicher Wahrnehmungen nicht entziehen.

Die Mystik bestimmt das Wesen vieler Gesellschaften bereits seit unseren frühesten Vorfahren. Sie wird zudem in der Philosophie thematisiert und betrachtet.

Die Mystik

Bereits die Philosophen der antiken Kulturen waren sich darin einig, dass der Mensch und die Welt nicht alleine existieren, sondern dass dahinter etwas Größeres steht. Eine Macht also, die jede Gesellschaft stets nach ihrem Willen interpretiert und gedeutet hat.

Die daraus entstandenen fünf großen Weltreligionen gehören daher ebenso zum Bereich der Mystik wie die unterschiedlichen kleinen und nicht selten weitverzweigten Glaubensgemeinschaften. Sie alle wurden von den Philosophen betrachtet und bewertet, stets aber zum Gegenstand weitreichender Schriften gemacht.

Zwar galt es gemeinhin unter den Gelehrten als üblich, dass nur das thematisiert werden konnte, was mehr oder minder zweifelsfrei sichtbar ist. Gerade der Geist und die Religion gehörten dennoch zu den oft diskutierten Streitpunkten.

Der Grund aller Lehren

Philosophen wie Schopenhauer und Nietzsche waren es, die die Äußerung hegten, dass die Religion ohnehin aller philosophischen Denkweise zugrunde liege. So ruhe der Mensch stets in etwas Höherem.

Wer also den Menschen betrachten wolle, müsse auch dessen Umfeld einbeziehen. Hier wäre einerseits das Sichtbare relevant, das wahrgenommen und verändert werden kann. So wie die Natur oder die Elemente.

Demgegenüber gebe es aber auch etwas, das sich nicht beeinflussen lässt und zumeist nicht einmal sichtbar ist. Im Gegensatz zur religiösen Philosophie betrachtet die mystische Philosophie das Dahinterliegende nicht aus einer Blickrichtung, sondern versucht in allen Strömungen das einzig Wahre zu erkennen.

Vergleiche ermöglichen

Die philosophische Mystik ist bei der Suche nach dem Wahren aber immer auch bestrebt, eine Überprüfung aller religiösen Schriften vorzunehmen und diese gegenüberzustellen. Das gelingt indes nur, wenn grundlegende Begriffe und Definitionen geklärt werden können und damit einer Betrachtung zugänglich sind. Genau genommen geht es also erst zweitrangig um die Frage, was sich hinter dem Menschen befindet.

Wichtiger ist die Sichtweise darauf, was die unterschiedlichen Kulturen als Religion und Gott verstanden haben. Denn darin variieren sie zuweilen.

Selbst wenn das, was gemeinhin als Gott bezeichnet wird, in vielen Gesellschaften weitgehend deckungsgleich definiert wird. Oft fließen somit naturwissenschaftliche Teilbereiche in die Philosophie ein, denn wer mag schon zu bestätigen, ob ein Phänomen religiösen oder natürlichen Ursprungs gewesen ist?

Nah und fern

Philosophen wie Platon, Eckhart von Hochheim oder Nietzsche waren es, die im Laufe der Jahrhunderte die Distanz zur Mystik vergrößert oder verringert haben. So stand teilweise gar der Vorwurf im Raume, die Philosophie lasse sich von der Religion vereinnahmen und als dessen Werkzeug nutzen.

Gerade in den letzten Jahrzehnten bestand zwischen beiden Teilgebieten aber eine spürbare Entfernung. Sie ist erst zuletzt wieder reduziert worden, da die Religionen und somit auch das mystische Empfinden das Handeln vieler Menschen und Konflikte weltweit zu bestimmen scheint. Die Philosophie ist daher bemüht, auch diese Zusammenhänge zu erkennen und zu erläutern.

Quellen:

  • Wolfgang Röd: Der Weg der Philosophie 1. Von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert: Von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert. Altertum, Mittelalter, Renaissance: BD 1, Beck, 2008, ISBN 3406585809
  • Wolfgang Röd: Der Weg der Philosophie 2. Von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert: 17. bis. 20. Jahrhundert, Beck, 2009, ISBN 3406585817
  • Arno Anzenbacher: Einführung in die Philosophie, Herder, Freiburg, 2009, ISBN 3451278510
  • Bryan Magee: Geschichte der Philosophie, Coventgarden, 2007, ISBN 3831090580
  • Christoph Helferich: Geschichte der Philosophie: Von den Anfängen bis zur Gegenwart und Östliches Denken, Deutscher Taschenbuch Verlag, 1998, ISBN 3423307064

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