Sprichwörter - Merkmale, Themen und Bereiche, berühmte Zitate und Herkunft bekannter Sprichwörter

Viele Menschen verwenden Sprichwörter; sie prägen unseren Alltag und die meisten Menschen erkennen und kennen sie, wenn sie sie hören. Neben Lebensweisheiten wollen sie uns auch Warnungen oder gute Ratschläge geben. Humor, Freundschaft, Liebe und Lebensanleitungen zählen zu den typischen Themen und Bereichen. Nur selten weiß man dabei, woher die Sprichwörter überhaupt stammen. Lesen Sie alles Wissenswerte über Sprichwörter sowie deren Bedeutung und Herkunft.

Sprichwörter können nach verschiedenen Themen und Bereichen gegliedert werden; sie drücken in der Regel eine Weisheit oder Lebensregel aus

Bei einem Sprichwort handelt es sich um eine kurze Aussage, einen Satz, der beispielsweise einen Zustand oder ein Verhalten auf traditionelle, volkstümliche Art und Weise wiedergibt. Typisch für Sprichwörter sind deren unbekannte Autoren, doch gibt es auch Formen, die beispielsweise aus der Bibel hergeleitet sind.

Typische Themen und Bereiche

Das Sprichwort hat eine feste Form und eine unveränderliche Formulierung. Es kann sich reimen, muss es aber nicht.

Humor, Freundschaft und Lebensanleitungen

Sehr beliebt sind humoristische Sprichwörter wie zum Beispiel "Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist". Manche Sprichwörter wurden auch weiterentwickelt oder vermischt, um sie zu karikieren. "Morgenstund hat Gold im Mund" und "Müßiggang ist aller Laster Anfang" wurde so zu "Morgenstund ist aller Laster Anfang".

Grob kann man die Sprichwörter auch in nationale und internationale Sprichwörter unterteilen. Sie wollen immer eine Lebensweisheit ausdrücken und sprechen bestimmte Themen und Lebensbereiche an. Freundschaft ist ein großes Thema bei den Sprichwörtern.

  • "Gleich und gleich gesellt sich gern"
  • "Kurze Besuche verlängern die Freundschaft" oder auch
  • "Den Freund erkennt man in der Not".

weisen darauf hin. Viele Sprichwörter wollen Anleitungen für das tägliche Leben geben, wie

  • "Spare in der Zeit, dann hast du in der Not"
  • "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen"
  • "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" oder
  • "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold".

Ehe und Familie

Auch Ehe und Familie ist ein großer Themenbereich den Sprichwörter aufgreifen, ebenso die Liebe.

  • "Alte Liebe rostet nicht"
  • "Wo man Liebe säet, da wächst Freude empor"
  • "Keine Lieb ohne Leid"
  • "Prüfe wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Besseres findet"
  • "Eine Mutter kann sieben Kinder ernähren, aber sieben Kinder keine Mutter"

sind Beispiele dafür.

Glück, Freude und Leid

Auch rund um das Glück gibt es eine Vielzahl von Sprichwörtern wie

  • "Glück und Glas, wie leicht bricht das"
  • "Jeder ist seines Glückes Schmied"
  • "Das Glück ist ein Rindvieh und sucht seinesgleichen" oder
  • "Das Glück lässt sich nicht zwingen".

Freude und Leid sind immer wieder Motive in Sprichwörtern:

  • "Des einen Freud ist des anderen Leid"
  • "Geteilte Freude ist doppelte Freude"
  • "Froh zu sein bedarf es wenig und wer froh ist, ist ein König"
  • "Klage nicht über ein kleines Leid, das Schicksal könnte es durch ein größeres heilen"
  • "Geteiltes Leid ist halbes Leid" oder
  • "Nach Freude folgt Leid".

Nur selten weiß man, woher die Sprichwörter überhaupt stammen...

Bekannte Beispiele und deren Herkunft

"Spinnen am Morgen bringt Kummer und Sorgen, Spinnen am Abend erquickend und labend". Das hat nichts mit den kleinen Tierchen zu tun, sondern kommt aus der Zeit, als die Menschen noch Flachs gesponnen haben.

Reiche Bauern hatten Land und mussten morgens ernten; sie haben dann erst am Abend gesponnen. Arme Leute ohne Land hingegen mussten morgens schon spinnen.

"Allen Leuten Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann" ist vermutlich aus der Bibel abgeleitet, dass man nicht zwei Herren dienen kann. Dieses Sprichwort beschreibt das Unvermögen, es allen und jedem recht zu machen.

Auf einem alten Trinkspruch basiert das Sprichwort "Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren". Das Sprichwort "Lügen haben kurze Beine" beschreibt, dass man mit kurzen Beinen genauso wenig vorankommt wie mit Lügen. "Auge um Auge, Zahn um Zahn" ist sprichwörtlich der Bibel entnommen.

Auch "Glaube kann Berge versetzen" stammt aus der Bibel, genauso wie "der Mensch lebt nicht vom Brot allein".

"Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen" war früher ein Hinweis, wie man sich bei Gewitter verhalten soll. Heutzutage hat diese Empfehlung keinen Bestand mehr, bei Gewitter kann es unter jedem Baum gefährlich sein.

Einige Sprichwörter entstanden vermutlich auch einfach durch Beobachtung:

  • "Der frühe Vogel fängt den Wurm"
  • "Dem Glücklichen schlägt keine Stunde"
  • "Der Hunger kommt mit dem Essen" oder
  • "Die dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln".

Andere Sprichwörter basieren auf Erfahrung, wie

  • "Der Schuster hat die schlechtesten Schuhe" oder
  • "Die Eingangstür des Schreiners ist meistens kaputt".

Manche Sprichwörter sind wahrscheinlich auch aus alltäglichen Situationen heraus entstanden, wie zum Beispiel

  • "Die Suppe wird nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird"
  • "Eigener Herd ist Goldes wert".

Andere Sprichwörter kommen aus der lateinischen Sprache, beispielsweise "Ein voller Bauch studiert nicht gern". Und aus so manchem gut gemeinten Ratschlag ist ein Sprichwort entstanden: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es".

Auch nach Zitaten berühmter Personen lassen sich Sprichwörter sortieren...

Sprichwörter als Zitate von berühmten Personen

Viele Zitate von berühmten Menschen wurden zu regelrechten Sprichwörtern. Manche sind mehr, andere weniger bekannt. Aber die meisten hat man schon einmal gehört.

Schiller, Schleiermacher und Rollenhagen

"Die Axt im Hause erspart den Zimmermann". Dieser Ausspruch stammt von Friedrich Schiller aus Wilhelm Tell. Ebenso "Früh übt sich, was ein Meister werden will". "Haste was, dann biste was" ist aus einem Gedicht von Schiller. "Lange Rede, kurzer Sinn" ist sprichwörtlich nach Schiller aus Wallenstein.

Der deutsche und evangelische Theologe und Philosoph Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher lebte im 19. Jahrhundert, von ihm stammt das Zitat "Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft". Der deutsche Schriftsteller, Pädagoge und Prediger Georg Rollenhagen lebte in der frühen Neuzeit, ihm schreibt man folgendes Zitat zu: "Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn". "Gleich und gleich gesellt sich gern", soll auf Platon zurückgehen.

Weiße, Shakespeare und Goethe

Christian Felix Weiße war ein deutscher Dichter, der von 1726-1804 lebte. "Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute", wurde von ihm geprägt. "Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage" stammt von Shakespeare aus Hamlet. "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst". Eike von Repgow lebte im Mittelalter und verfasste den Sachsenspiegel, er prägte dieses Sprichwort. "Wie gewonnen, so zerronnen" und "Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten" stammen von Johann Wolfgang von Goethe aus Reineke Fuchs und Götz von Berlichingen.

"Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder". Das stammt von Johann Gottfried Seume, einem deutschen Schriftsteller, der von 1763-1810 lebte.

Brecht, Chanel und Einstein

Berthold Brecht war ein deutscher Dramatiker, der bis 1956 lebte. "Erst kommt das Fressen, dann die Moral" ist sprichwörtlich nach Bertolt Brecht aus seiner Dreigroschenoper. Erich Kästner ist für seinen Humor bekannt, von ihm stammt der Ausspruch "Die Liebe ist ein Zeitvertreib, man nimmt dazu den Unterleib".

Coco Chanel sagte einmal: "Alter schützt vor Liebe nicht, aber die Liebe vor dem Altern". Albert Einstein ist für viele Aussprüche berühmt, er sagte auch einmal: "Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle".

Von Christian Morgenstern stammt die Aussage "Den Charakter eines Menschen erkennt man an den Scherzen, die er übel nimmt". "Der Wissende weiß, dass er glauben muss" wurde von Friedrich Dürrenmatt geprägt.

Quellen:

  • Elke Gerr: 4000 Sprichwörter und Zitate: Für jeden Anlass die passenden Worte, Langenscheidt, 2001, ISBN 3468299672
  • Karl August Fritz: Das große Buch der Sprichwörter und Spruchweisheiten, Anaconda, 2009, ISBN 3866473206
  • Wolfgang Mieder: Deutsche Sprichwörter und Redensarten, Reclam, Ditzingen, 1986, ISBN 3150095506
  • Kristian S. Weidenfeld: Lexikon der schönsten Sprichwörter und Zitate, Bassermann Verlag, 2008, ISBN 3809419842
  • Gabriele Jockel: Zitate und Sprichwörter: Das richtige Wort zur richtigen Zeit, Garant, 2006, ISBN 3938264179

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