Tipps zur Betreuung behinderter Kinder sowie für den Familienalltag

Wenn Eltern in der Schwangerschaft oder nach der Geburt erfahren, dass ihr Kind behindert ist, bricht oft erst einmal eine Welt zusammen. Die Betreuung und das Bestreiten des Familienalltags mit behinderten Kindern ist für die Eltern wesentlich einfacher, wenn sie die Hilfen annehmen, die ihnen angeboten werden. Informieren Sie sich über ein mögliches Betreuungsangebot für behinderte Kinder und holen Sie sich Tipps zur Bewältigung des Familienalltags.

Ein Leben mit behinderten Kindern

Ein Leben mit behinderten Kindern

Sobald der langersehnte Nachwuchs da ist, ändert sich das Leben eines Paares schlagartig. Der Alltag wird komplett auf den Kopf gestellt; es gilt, zwischen Babypflege und Hausarbeit noch ein wenig Schlaf zu tanken, um Kraft für den nächsten vollgepackten Tag zu tanken.

Im Laufe der Zeit wird das Kind selbstständiger und kann immer mehr Aufgaben selbst übernehmen. Nicht jedoch, wenn es mit einer Behinderung geboren wurde. In diesem Fall kommen auf die Eltern ganz besondere Herausforderungen zu - und zwar häufig ein Leben lang.

Sich um ein behindertes Kind zu kümmern, erfordert in vielerlei Hinsicht deutlich mehr Kraft und Aufwand, als die Betreuung eines Kindes ohne Beeinträchtigung ohnehin schon mit sich bringt. Wer über ein unterstützendes Umfeld verfügt, kann sich glücklich schätzen.

Schon vor der Geburt ist es hilfreich, sich mit anderen Eltern, die ein behindertes Kind haben, auszutauschen. Auf diese Weise können Fragen beantwortet und mögliche Sorgen gelindert werden. Eine gute Anlaufstelle stellt zu diesem Zweck beispielsweise eine Selbsthilfegruppe dar.

Welche Arbeiten und Herausforderungen auf die Eltern zukommen, steht natürlich in direkter Verbindung zur Art sowie zum Grad der Behinderung. Einschränkungen gibt es beispielsweise sowohl bei körperlicher als auch geistiger Behinderung, doch benötigen betroffene Kinder andere Hilfsmittel und Unterstützungsmaßnahmen.

Womit man als Elternpaar rechnen sollte, darüber informiert der diagnostizierende Arzt. Er kann auch über hilfreiche Adressen informieren, um die perfekte Unterstützung zu erhalten.

Barrierefreiheit und Normalität

Wer mit einem behinderten Kind lebt, muss die wohnlichen Gegebenheiten entsprechend anpassen. Dies kann beispielsweise bedeuten, auf Treppen zu verzichten, etwa, wenn das Kind im Rollstuhl sitzt.

Des Weiteren ist es wichtig, sich nach den Bedürfnissen des Nachwuchses zu richten und den Alltag entsprechend zu gestalten. Gleichzeitig jedoch ist es ratsam, das Kind bestmöglich in den gängigen Familienalltag zu integrieren. Dies bedeutet etwa, auch mal Spazieren zu gehen, wenn einem danach ist - wenn möglich, nimmt man den Nachwuchs mit - oder Kontakte zu Freunden und Bekannten zu pflegen.

Je mehr Normalität das Kind in der eigenen Familie erfährt, desto wohler wird es sich fühlen. Natürlich benötigt es zudem viel Liebe und Zuneigung. Eine solche Herangehensweise an den Alltag wird es Eltern und auch anderen Familienmitgliedern leichter machen, sich in der Öffentlichkeit wohl zu fühlen und auch anderen Menschen ein besseres Gefühl geben.

Hinweise zur Betreuung

Nicht immer muss eine Behinderung auch ersichtlich sein oder das Kind daran "hindern", sein Leben zu genießen. Eine Behinderung kann sowohl körperlich als auch geistig oder beides in Kombination sein.

Je nachdem, wie stark eine Behinderung ist, benötigt ein Kind mehr Betreuung als ein gesundes Kind. Kann es nicht alleine laufen, so wird man es viel umhertragen und später einen Rollstuhl benötigen. Hat ein Kind geistige Defizite, so muss man es im Alltag häufig engmaschiger betreuen. Wie hoch der Betreuungsaufwand eines behinderten Kindes ist, hängt maßgeblich von der Art und Schwere der Behinderung ab.

Verschiedene Hilfsmittel

Benötigt ein Kind Hilfsmittel im Alltag, so bekommen Eltern diese häufig von ihrer Kranken- oder Pflegeversicherung finanziert oder zumindest bezuschusst. Derartige Hilfsmittel können den Alltag von Kindern und Eltern deutlich vereinfachen.

Nicht immer ist es jedoch auch so einfach, diese genehmigt zu bekommen. Doch dies lernen Eltern behinderter Kinder in der Regel zwangsläufig recht früh, dass sie für ihre Kinder kämpfen müssen.

Integrativer Kindergarten

Auch beim Eintritt in den Kindergarten haben es behinderte Kinder oft nicht so leicht. Eltern können sie in einem so genannten Integrativkindergarten anmelden, in dem gesunde und behinderte Kinder zusammen in einer Kindergartengruppe sind. Da die Plätze jedoch grundsätzlich knapp bemessen sind, ist es nicht ganz einfach, einen Platz zu bekommen. Dafür werden die Kinder hier optimal gefördert und nicht nur von speziell ausgebildeten Kindergärtnerinnen betreut, sondern erhalten dort je nach Bedarf auch ergotherapeutische, logopädische oder krankengymnastische Behandlungen.

Grundschule oder Förderschule

Nach der Kindergartenzeit müssen die Eltern die richtige Schule für ihr behindertes Kind finden. Je nach Art der Behinderung ist es am besten in einer normalen Grundschule oder auch einer Förderschule aufgehoben.

Dies hängt auch davon ab, wie hoch der Betreuungsaufwand des Kindes ist. Gerade wenn die Eltern ihr Kind in einer normalen Grundschule anmelden möchten, kostet auch dies oft viel Kraft, wenn die Schuldirektoren den vermehrten Betreuungsaufwand scheuen oder keine entsprechenden Fachkräfte für die Kinder haben.

Hartnäckig zu bleiben, haben die meisten Eltern behinderter Kinder jedoch schon in den Jahren zuvor gelernt und werden daher dann auch die richtige Schule für ihre Kinder finden. Oftmals fällt die Wahl auch auf eine integrative Schule.

Hilfe annehmen lernen

Eltern behinderter Kinder sollten Hilfe annehmen, wenn sie ihnen angeboten wird. Gerade bei schwerbehinderten Kindern ist der Betreuungsaufwand enorm hoch und kostet sehr viel Kraft.

Wenn man dann das Angebot der Großeltern oder von Freunden annimmt und einen Nachmittag "blaumachen" kann, so gibt dies wieder viel Kraft für die weitere Betreuung.

Je normaler behinderte Kinder aufwachsen dürfen, desto besser werden sie durchs Leben kommen. Und auch nicht behinderte Kinder dürfen schließlich einmal einen Nachmittag bei Oma und Opa verbringen.

Lächelnde Mutter trägt lächelndes, behindertes Kind mit Down-Syndrom auf dem Rücken Huckepack
Lächelnde Mutter trägt lächelndes, behindertes Kind mit Down-Syndrom auf dem Rücken Huckepack

Doch auch abseits des Themas Betreuung sollten Eltern behinderter Kinder für den Alltag einige Tipps beherzigen...

Tipps für den Familienalltag mit behinderten Kindern

Wie sich der Familienalltag mit einem behinderten Kind gestaltet, kann man nicht pauschal sagen. Allgemein ist es jedoch so, dass der Betreuungsaufwand sich nach der Art und Schwere der Behinderung richtet.

Die Geschwister nicht vernachlässigen

Der Alltag mit einem behinderten Kind kann sehr kräftezehrend für die Eltern und auch die Geschwisterkinder sein. Denn diese bekommen weniger Mama/Papa-Zeit, wenn die sich vermehrt um die behinderte Schwester oder den behinderten Bruder kümmern müssen.

Besonders schwer ist es für die Geschwister, wenn sie älter sind. Kennen sie es hingegen von klein auf nicht anders, so kommen sie mit der Situation oft leichter zurecht.

Eltern sollten trotz des oft enormen Betreuungsaufwandes nicht vergessen, dass auch ihre (gesunden) Kinder intensive Zeit benötigen. Dies muss nicht täglich bedeuten, dass man mit den anderen Kindern Eisessen oder Schlittschluhlaufen geht.

Oft sind es auch die kleinen Dinge. Macht ein behindertes Kind beispielsweise gerade Mittagsschlaf, so kann man sich mit dem anderen Kind hinsetzen und ein paar Minuten intensiv ein Buch ansehen.vGibt es diese intensive Zeit, so werden die Geschwister es auch leichter akzeptieren können, wenn Mama oder Papa sich anschließend wieder um den Bruder oder die Schwester kümmern müssen.

Zudem ist Offenheit den Geschwistern gegenüber besonders wichtig. Man sollte ihnen genau erklären, warum man sich so viel um den Bruder oder die Schwester kümmern muss und was passieren würde, wenn man dies nicht täte.

Die Beziehung zum Partner pflegen

Gerade zwischen den Eltern ist es oft schwierig, wenn ein behindertes Kind zu pflegen und zu betreuen ist. Die Eltern sehen sich dann oft nur noch als Mama und Papa und nicht mehr als Mann und Frau. Hier ist es wichtig, offen miteinander zu sprechen und sich ganz bewusst gemeinsame Zeit zu schaffen, auch wenn dies nur kurz ist.

Hilfe annehmen

Verwandte bieten sicher gerne Hilfe an. So schwer einem dies vielleicht manchmal fällt, man sollte sie annehmen. So hat man einmal wieder einen Abend für sich und die Kinder freuen sich bestimmt auch, wenn Oma und Opa sie bettfertig machen und die Gute-Nacht-Geschichte lesen.

Ist das Kind schwerbehindert, so kann man nicht einfach einen Babysitter engagieren. Es muss entweder eine versierte Fachkraft sein oder die Großeltern, die sicher schon von Geburt an die Pflege des Enkelkindes mitbekommen haben.

Fazit

In jedem Fall kann es ein wahrer körperlicher und seelischer Kraftakt sein, ein behindertes Kind zu pflegen. Man muss vielleicht mehrmals täglich Medikamente verabreichen, das Kind waschen und anziehen, umhertragen, beschäftigen, medizinische Geräte bedienen usw.

Je schwerer die Behinderung, desto schwieriger wird der Familienalltag. Alle betroffenen Eltern behinderter Kinder sind sich jedoch einig, dass man in dieser Situation merkt, wer die wahren Freunde sind und auch lernt, deren Hilfe und natürlich die Hilfe der Familie anzunehmen.

Während es bei gesunden Kindern immer leichter wird, ändert sich der Pflegeaufwand gerade bei schwerbehinderten Kindern nie. Sie werden immer ihre Eltern oder anderer Pflegepersonen brauchen, um durchs Leben zu kommen.

Trotz einer Behinderung empfinden Eltern ihre Kinder, auch wenn sie ein Handycap haben, als sehr bereichernd. Die Erfolge liegen hier im Kleinen, beispielsweise darin, dass das Kind zum ersten Mal gelächelt oder gesprochen hat, Essen mit dem Löffel genommen hat oder auf bestimmte Dinge reagiert hat.

Quellen:

  • Inge-Ellen Plattner: Behindert?, Müller & Steinicke, 2007, ISBN 3875691938
  • Melanie Ahrens: Glück, ich sehe dich anders: Mit behinderten Kindern leben, Lübbe, 2006, ISBN 3404615999
  • Barbara Senckel: Mit geistig Behinderten leben und arbeiten: Eine entwicklungspsychologische Einführung, C.H.Beck, 2006, ISBN 3406381111
  • Hanni Holthaus und Angelika Pollmächer: Wie geht es weiter?: Jugendliche mit einer Behinderung werden erwachsen, Reinhardt, München, 2007, ISBN 349701933X

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