Patchworkfamilien Artikel
Patchworkfamilien sind gar nicht mehr selten
Von Annett Biermann
Ein nicht ganz leichter Alltag begleitet die meisten Patchworkfamilien. Streitereien, Eifersüchteleien oder durcheinander gebrachte Familiengefüge sind oft an der Tagesordnung. Aber: das Problem kann gelöst werden, und zwar mit Akzeptanz, Geduld und Liebe.
Eine Patchworkfamilie weicht vom klassischen Vater-Mutter-Kind-Ideal ab und hat daher viele Gesichter. So ist eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft mit Kindern, eine Pflege- oder Adoptivfamilie ebenso eine Patchworkfamilie, wie die Familie, in der ein Mann mit einer Frau, welche bereits eine gescheiterte Beziehung hinter sich haben, eine neue Beziehung eingeht und jeder eigene Kinder in die neue Beziehung mit einbringt. Das ist wohl die Konstellation, die die Meisten mit dem Begriff Patchworkfamilie zusammenbringen. In Deutschland lebt etwa jede sechste Familie in einer solchen Beziehung.
Eine Patchworkfamilie hat oft nicht nur mit den normalen Alltagsproblemen einer Familie zu kämpfen. Besonders die Kinder haben innere und äußere Konflikte zu lösen. Zum einen mussten sie erst die Trennung vom anderen leiblichen Elternteil miterleben, welche bei ihnen eine tiefe Wunde hinterlassen hat, zum anderen erleben sie nun, wie sich der verbliebene Elternteil einer neuen Liebe zuwendet. Dies kann zu großen Konflikten führen. Auch eventuell vorhandene Kinder des neuen Partners lösen einen großen Zwiespalt aus.
Das Zusammenwachsen zu einer Familie stellt an alle Beteiligten große Anforderungen. Die Mühe lohnt sich aber, denn auch eine Patchworkfamilie kann ein stabiles Familiengefüge erhalten.
Wichtig in einer solchen Familie ist es zu erst einmal, dass jeder seine Rolle kennt und in diese hineinwächst. Dafür ist Geduld und Ausdauer gefragt. Experten schätzen diese "Platzfindung" auf eine Dauer von bis zu 7 Jahren. Da sich die Kinder oft am schwersten tun, sollte jedes Kind ernst genommen werden. Gespräche über die Ängste und Erwartungen aller Familienmitglieder sollten öfters auf der Tagesordnung stehen und alle sollten daran teilhaben. Dies hilft zum einen, den Zusammenhalt zu stärken und zum anderen, Verständnis für die anderen Familienmitglieder zu erlangen. Andererseits ist es aber auch wichtig, dass jedes Kind auch einzeln die Möglichkeit hat, mit Vater oder Mutter Zeit zu verbringen, um nicht zu vereinsamen.
Um mit allen Kindern klar zu kommen, sollten sich auch beide Partner von Anfang an über die Erziehung einig sein. Hier stellt sich im Allgemeinen die Frage "Wer erzieht wen?". Für die Kinder ist es meist genug verwirrend, dass sie eine Bezugsperson verloren haben oder nur noch selten sehen. Kommt nun plötzlich eine "Ersatzmama" oder ein "Ersatzpapa" und will miterziehen, sind Konflikte oft vorprogrammiert und es kommt sogar vor, dass sich verhärtete Fronten bilden, die sehr schwer oder manchmal auch gar nicht mehr einzureißen sind. Um es nicht so weit kommen zu lassen, sollten sich beide Partner über die künftige Erziehung der eigenen Kinder und der des neuen Partners absprechen.
Wichtig in der neuen Familie ist die Akzeptanz untereinander. Wenn sich alle Familienmitglieder gegenseitig akzeptieren, ist das der beste Weg zu einer harmonischen Familie.