9. November 2007
Die sinkende Geburtenrate in Deutschland ist bereits seit einiger Zeit ein Thema in den Medien. Diese hat nicht nur zur Folge, dass immer mehr kinderlose Haushalte existieren, sondern auch, dass die Anzahl der Einzelkinder ansteigt. Was in früheren Zeiten eher einen Sonderfall darstellte, wird immer mehr zur Normalität.

Was für die Öffentlichkeit eine klare Definition ist, so setzt die sozialwissenschaftliche Forschung in der Bezeichnung "Einzelkind" einen anderen Maßstab: hier werden solche Individuen als Einzelkinder betrachtet, die mindestens sechs Jahre ohne Geschwister aufgewachsen sind und daher die prägende Phase ihrer Sozialisation als Einzelkind verbracht haben.
Entgegen den Ergebnissen mancher Studien besteht häufig die Meinung, dass sich das Dasein als Einzelkind negativ auf die Charakterentwicklung des Individuums auswirkt. Einzelkinder werden in diesem Zusammenhang als Mittelpunkt der Familie betrachtet und mit zu großer Aufmerksamkeit und Zuneigung von Seiten der Eltern konfrontiert, was zu Verzogenheit führen würde. Weiterhin werden Stimmen laut, die Einzelkinder mit Egoismus und Mangel an Kooperation in Verbindung bringen, da diese mangels des sozialen Umgangs mit Geschwistern nicht lernen, zu teilen. Ihnen wird darüber hinaus vorgeworfen, altklug und nicht anpassungsfähig zu sein; doch ihnen wird auch eine gewisse Einsamkeit nachgesagt. Untersuchungen entkräften diesen Vorwurf jedoch.
Allerdings gibt es auch Meinungen, die das Vorhandensein von Geschwistern als mögliche, negative Ursachen betrachten, die sich in Aggressionen oder starkem Konkurrenzdrang im späteren Leben ausdrücken und somit den Grundstein für dieses Verhalten durch die von den Geschwistern mitgeprägte, primäre Sozialisationsphase sehen. Andere sehen Vorteile eher in der intensiveren Bildungsförderung und somit einem besseren Schulabschluss der Einzelkinder. Dieser Punkt wurde bereits von einer kalifornischen Studie bestätigt.
Das Deutsche Jugendinstitut stellte dagegen fest, dass Einzelkinder sich oft in außerelterlicher Betreuung aufhalten und sich mehr Interessen suchen, denen sie sich ohne Geschwister widmen können. Die zuvor angesprochene Einsamkeit wäre hier nicht vollkommen zutreffend; manche vermuten allerdings ein Problem für die Entstehung von emotionalen Bindungen.
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