Zeichensetzung (Interpunktion) - Regeln, Beispiele und häufige Satzzeichen

Zeichensetzung - oder auch Interpunktoin - ist nicht jedermanns Sache. Die Interpunktionsregeln für Kommas und Punkte beherrschen die meisten Menschen ganz gut. Schwierig wird es jedoch dann, wenn es um Satzzeichen geht, die eher selten vorkommen. Bestes Beispiel hierfür ist das Semikolon oder auch Strichpunkt genannt. Meistens wird das Zeichen aus Unsicherheit überhaupt nicht verwendet, dabei kann es sehr hilfreich dabei sein, Texten den richtigen Schliff zu verleihen. Informieren Sie sich über die wichtigsten Regeln der Zeichensetzung.

Semikolon, Gedankenstrich und Co - wann welche Zeichen eingesetzt werden

Allgemeines zur Zeichensetzung

Mithilfe von Satzzeichen lässt sich ein Text im Rahmen der Zeichensetzung gliedern. Auf diese Weise wird das Lesen erleichtert, was wiederum zu einem besseren Verständnis fürhrt.

Je mehr ein Gefühl für Sprache vorhanden ist, desto leichter geht ein grammatikalisch korrekter Text von der Hand. Wer beispielsweise schon als Kind viel gelesen hat, und auch später regelmäßig Bücher und Zeitungen liest, setzt häufig intuitiv die richtigen Zeichen. Dies ist dadurch zu erklären, dass viele mögliche Satzkonstruktionen mit ihrer Zeichensetzung häufig gelesen und unbewusst verinnerlicht wurden.

Es gibt viele verschiedene Satzzeichen, denen jeweils eine ebenso unterschiedliche Funktion zukommt. In der folgenden Tabelle geben wir einen Überblick über die wichtigsten Satzzeichen.

Wichtige Satzzeichen im Überblick
SatzzeichenSchreibweiseFunktion
Punkt.Abkürzungen/Buchstabenwörter
Ordnungszahlen in Ziffern
Ende von Aussage
Fragezeichen?Kennzeichnung einer Frage
Ausrufezeichen!Für Sätze mit Nachdruck
Komma,Aufzählungen
Nebensätze
Infinitiv-, Partizip-, Adjektivgruppen
Zusätze und Nachträge
Anrede, Stellungnahme, Ausruf
Datums-, Adress-, Literaturangabe
Strichpunkt;Aufzählung,
stärker als Komma
Doppelpunkt:Vor Zitat
Vor Angabe
Vor Aufzählung
Vor Zusammenfassung des Gesagten
GedankenstrichZur Ankündigung
Zur Abgrenzung von Zusätzen
Zur Abgrenzung von Nachträgen
Thema-/Sprecherwechsel
Klammern()Zur Abgrenzung von Zusätzen
Zur Abgrenzung von Nachträgen
Angaben verkürzter Alternativen
Anführungszeichen„"Wörtliches Zitat
Hervorheben von Wörtern/Titeln
Ergänzungsstrich-Kennzeichnung von weggelassenen
Wortteilen in Aufzählungen
Apostroph'Auslassungen
Genitiv
Auslassungspunkte...Auslassung
Schrägstrich/Zusammengehörende Wörter/Zahlen
"pro" in Zahlen- und
Größenangaben
Die Zeichensetzung ist nicht immer ganz einfach, sollte aber besonders geschäftlich beherrscht werde
Die Zeichensetzung ist nicht immer ganz einfach, sollte aber besonders geschäftlich beherrscht werden

Beispiele: Regeln für unterschiedliche Satzzeichen

In Bewerbungsmappen oder bei Präsentationen können Fehler bei der Zeichensetzung schnell zu einem unprofessionellen Eindruck führen. In einem längeren Text ist es schwierig, jeden einzelnen Satz auf die Regeln der Zeichensetzung hin zu überprüfen. Besonders bei der Setzung von Kommata kommt es zu Verunsicherungen. Im Folgenden werden die Regeln zu Zeichensetzung erläutert, bei denen typischerweise Probleme auftreten.

Das Komma

Selbst Erwachsene haben manchmal so ihre Problem mit dem Setzen von Kommas. Viele sehen sie sogar als überflüssig und lästig an.

Ohne Kommas wären Texte jedoch nur sehr schwer lesbar; sie erleichtern also den Lesefluss und machen die Bedeutung eines Satzes eindeutig. Wer richtig Kommas setzen kann, tut also nicht nur sich selbst, sondern auch anderen etwas Gutes.

Natürlich sollte man die wichtigsten Kommaregeln kennen; es ist jedoch noch viel wichtiger, dass man ein Gefühl für die Satzzeichen bekommt. Nur so kann man flüssig schreiben, ohne sich bei jedem Satz den Kopf zerbrechen zu müssen.

Am einfachsten ist es, sich jeden Satz zuerst laut vorzusagen, oder sich ihn zumindest in gesprochener Form vorzustellen. Immer dort, wo man eine kleine Atempause einlegen würde, steht meist auch ein Komma.

Satztrennung

Die wichtigste Funktion von Kommas ist Sätze voneinander zu trennen. Dabei ist es völlig egal, ob es sich um Haupt- oder Nebensätze handelt.

Beispiel:

Der Baum, der auf dem Berg stand, trug bereits dicke rote Äpfel.

Hier sieht man deutlich, dass der Satz auch dann einen Sinn ergeben würde, wenn man den Mittelteil zwischen den Kommas weg lässt. Um zu markieren, dass es sich hierbei lediglich um einen Zusatz handelt, der den Baum näher beschreibt, setzt man Kommas.

Aufzählungen

Auch Aufzählungen werden durch ein Komma getrennt, sofern zwischen den einzelnen Begriffen kein "und" oder "oder" steht.

Beispiel:

Am Waldrand standen ein Fuchs, ein Igel und ein Hase.

Allerdings darf das Komma hier wirklich nur dann gesetzt werden, wenn man an seiner Stelle "und" bzw. "oder" schreiben könnte.

Beispiel:

Er fühlte sich komplett überflüssig.

Das Wort "komplett" bezieht sich hier nämlich nicht auf die Person selbst, sondern beschreibt das Adjektiv "überflüssig" näher.

Sondern

Vor "sondern" und ähnlichen Wörtern steht ebenfalls ein Komma.

Beispiel:

Er war nicht dumm, sondern lediglich faul.

Gleiches gilt zum Beispiel auch für "sofern" und "allerdings".

Indirekte Rede

Kommas werden auch benutzt, um eine indirekte Rede einzuleiten.

Beispiel:

Er sagte, er müsse morgen in die Schule gehen.

Hierbei ist es vollkommen egal, ob die indirekte Rede mit dem Wörtchen "dass" eingeleitet wird, oder ob sich das Gesagte direkt anschließt.

Grundsätzlich gilt: lieber ein Komma zu viel gesetzt, als eines zu wenig.

Weitere Beispiele

  • Wird in Aufzählungen verwendet:
    "In den Koffer gehören noch Handtücher, Hosen, Strümpfe..."
  • Steht nach Anreden oder Empfindungswörtern:
    "Herr Doktor, ich fühle mich nicht gut."
    "Aua, das hat weh getan."
    "Frau Meier, schön Sie zu sehen."
    "Oh je, das ging voll daneben."
  • Trennt Haupt- von Gliedsätzen:
    "Sie machte sich hübsch, um einen guten Eindruck zu hinterlassen."
    "Der Student ging in die Mensa, nachdem er stundenlang gelernt hatte."
  • Schließt Erläuterungen (z.B. Relativsätze) ein:
    "Das Auto, das zu rosten begann, lief immer noch tadellos."
    "Die Kette, ein Geschenk von ihrem Freund, trug sie jeden Tag."
  • Kann ersetzt werden, durch Wörter wie: weder...noch, und, oder, sowohl...als auch, wie...
  • Steht nach herausgehobenen Satzteilen:
    "Im Gefängnis, DA wirst du landen!"
    "Den Hund, den du vorm Verhungern gerettet hast..."
  • Steht vor entgegen gesetzten Konjunktionen (sondern, doch, jedoch, aber,...):
    "Ich helfe dir, aber nur eine halbe Stunde."
    "Sie sollten nicht hier sein, sondern im Meeting."
    "Er hoffte auf den Sieg, doch sein Gegner war schneller."
Die Kommaregeln werden oft falsch oder gar nicht angewandt
Die Kommaregeln werden oft falsch oder gar nicht angewandt

Der Strichpunkt

Strichpunkte werden immer dann verwendet, wenn man zwei Hauptsätze trennen möchte, sich jedoch nicht zwischen Punkt und Komma entscheiden kann. Ein Punkt trennt zwei Sätze um einiges stärker als ein Komma; manchmal möchte man sich jedoch eben in der Nuance dazwischen aufhalten. Zu diesem Zweck eignet sich das Semikolon ganz hervorragend.

Beispiel:

Sie wandte sich von ihm ab; man konnte hören, wie sein Herz brach.

An diesem Satz bemerkt man sehr gut, zu welchen Feinjustierungen ein Strichpunkt verwendet werden kann. Würde man an seiner Stelle bei diesem Beispiel einen Punkt setzen, so würde sich der Text zu kalt für seinen Inhalt anhören. Ein Komma wiederum würde "den Ernst der Lage" nicht entsprechend widerspiegeln.

Ansonsten wird das Semikolon meist in Aufzählungen verwendet, wenn man mehrere Kategorien von Dingen inklusive der entsprechenden Vertreter aufzählen möchte.

Beispiel:

Auf ihrem Einkaufszettel standen Orangen, Kirschen und Nektarinen; Butter, Milch und Brot; Bier, Wasser und Wein.

Durch den Strichpunkt bekommt die Liste in diesem Fall eine klarere Struktur und der Leser kann sich die einzelnen Elemente besser merken, da sie zu einprägsamen Gruppen zusammengefasst wurden.

Der Gedankenstrich

Auch der Gedankenstrich gehört zu den Satzzeichen, die häufig falsch oder gar nicht verwendet werden. Dabei ist seine Verwendung eigentlich schon durch die Bezeichnung an sich mehr als deutlich. Gedankenstriche werden immer dann verwendet, wenn man einen Einschub machen und den Leser zum Nachdenken anregen möchte.

Beispiel:

Der Hirnstamm - der sich im hinteren Teil des Gehirns befindet - reguliert alle lebenserhaltenden Funktionen des Körpers.

Zwar könnte man an dieser Stelle auch Kommas setzen; durch die Gedankenstriche wird die Subinformation jedoch besonders hervorgehoben.

Der Gedankenstrich wird aber auch gerne verwendet, wenn der Autor eine gegensätzliche Position oder ein Wechsel unterstreichen möchte.

Beispiel:

Dir gefällt das vielleicht - mir aber nicht.

Beispiel:

Sie ging fort - kehrte jedoch nach kurzer Zeit wieder zurück.

Weitere Merksätze

  • "ins, aufs, durchs..." (Präposition + Artikel), werden ohne Apostroph geschrieben
  • Punkte, Ausrufe- und Fragezeichen stehen vor den Anführungszeichen oben, Kommata stehen hinter dem Anführungszeichen oben. Bsp.: "Ich denke nicht", erwiderte sie. / "Das ist eben so." / "Bring den Müll raus!"
  • Nach einem Doppelpunkt folgen unter anderem Erklärungen; werden diese aber mit "nämlich" oder "zwar" eingeführt, steht ein Komma statt eines Doppelpunktes! Bsp.: "Ich habe die Hausnummer herausgefunden, und zwar lautet sie 13."
  • Das Semikolon wir verwendet, wenn das Komma zu schwach, der Punkt zu stark wäre. Es trennt in Aufzählungen Gruppen zusammengehöriger Begriffe. Bsp.: "Bäume und Sträucher; Steine und Felsen; Seen und Flüsse;..."

Quellen:

  • Heike Kriese-Sukalla: Die Kommasetzung im Deutschen mittels Optimalitätstheorie: Ein neuer didaktischer Zugang zu diesem Problemfeld, Vdm Verlag Dr. Müller, 2008, ISBN 3639028945
  • Anita Schwarzschulz: Die Veränderung der Zeichensetzung im Verlauf der deutschen Schriftsprache: Mit spezieller Betrachtung der Kommasetzung, Grin Verlag, 2009, ISBN 3640337468

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