Schulangst - Ursachen, Merkmale und Tipps zum richtigen Umgang

Wenn ein Kind bereits vor der Schule über Kopfschmerzen oder Bauchweh klagt, können die Ursachen vielfältig sein. Schulangst kennst viele unterschiedliche Formen. Leistungsdruck und Mobbing in der Klasse sind selbst bei den jüngeren Jahrgängen nicht selten. Eltern sollten einige Tipps beherzigen, um etwas dagegen zu unternehmen. Informieren Sie sich über mögliche Ursachen und Merkmale der Schulangst, und wie Sie als Elternteil dagegen angehen können.

Viele Kinder erleben Stress und Angst beim Gang zur Schule

Schulangst: Definition und Verbreitung

Angst ist ein allgemeines und dauerhaftes Gefühl, dessen Auftreten nicht von konkreten Objekten oder Ergebnissen abhängt. Schulangst ist eine spezielle Erscheinungsform der Angst. Sie ist eine Reaktion auf Gefahren oder Bedrohungen in Bezug auf Schule und kann vielfältige Ursachen haben.

Laut einer Umfrage verspüren 25 Prozent der Schüler großen Leistungsdruck und haben Angst vor Prüfungen und Noten. Jedes fünfte Kind leidet unter zu langen Schultagen oder fühlt sich von einem Lehrer unfair behandelt. Ein besonders flaues Gefühl im Magen hat morgens jeder achte Schüler, denn er kommt nicht mit seinen Mitschülern zurecht und leidet unter Mobbing. Davon sind Kinder zwischen 11 und 14 Jahren besonders häufig betroffen.

Schulangst kann sich also viele unterschiedliche Seiten haben. Wer sie frühzeitig erkennt, kann auch dementsprechend dagegen angehen.

Schulphobie

Häufig wird die Schulangst synonym auch als Schulphobie bezeichnet. Diese jedoch ist eher durch das familiäre Umfeld gegeben und steht somit nicht in besonderer Kombination mit der schulischen Situation. Es handelt sich um die seltenste Schulangstform.

Bei der Schulphobie kommt es zu panikartigen Reaktionen, wenn es darum geht, in die Schule zu gehen. Betroffene neigen dazu, den Schulbesuch zu verweigern.

Typisch ist eine sehr starke Bindung an die Eltern oder eine andere Bezugsperson. Somit wird schnell deutlich, dass sich die Phobie bereits im Kindergartenalter zeigen kann. Kinder, die an einer Schulphobie leiden, klagen besonders häufig unter körperlichen Beschwerden; sie neigen allgemein zu Angstverhalten oder können auch depressiv verstimmt sein.

Mögliche Ursachen von Schulangst

Es kann sich um eine generelle Angst vor den Leistungsanforderungen oder um punktuelle Ängste vor Tests oder Schularbeiten handeln. Auch eine Über- oder Unterforderung könnte die mögliche Ursache sein.

Zudem ist es nicht selten, dass eine gewisse Orientierungslosigkeit, in Bezug auf die weitere Schul- oder Berufswahl, Ängste auslöst. Nicht zuletzt ist die Angst vor dem Nichtbestehen in der Klassengemeinschaft häufige Ursache.

Doch häufig handelt es sich um außerschulische Ursachen, wie psychosoziale Probleme im familiären Umfeld. Scheinbar banale Auseinandersetzungen mit den Geschwistern oder Eltern können Gründe für tiefgreifende Störungen sein. Ständige sensible Faktoren, wie

sind ebenfalls mögliche Ursachen, die ein Kind in Schulangst versetzen können.

Die häufigsten Ursachen von Schulangst sind die Angst vorm Versagen, soziale Ängste oder Angst vor Gewalt in der Schule. Abhängig vom Auslöser müssen so schnell wie möglich Maßnahmen ergriffen werden, die dem Schüler die Angst nehmen.

Angst vor dem ersten Schultag

Besonders viele Schüler haben auch Angst vor dem ersten Schultag. Der Übergang vom Kindergarten in die Schule kann so manchen Sprössling überfordern; es kommen viele neue Eindrücke auf einen zu und es gibt einige Punkte, an die man sich erst einmal gewöhnen muss.

Zum einen gibt es nun besondere Regeln, an die man sich halten muss; außerdem sind da eine Menge neuer Gesichter.Lesen Sie hier, wie Sie Ihrem Kind die Angst vor dem ersten Schultag nehmen können.

Schulangst nach den Ferien

Vielen Kindern geht es so: Sie fühlen sich schon Tage vor dem Ferienende unwohl und haben Angst vor der Schule. Hier hilft es den Kindern, wenn die Eltern gegenüber der Schule offen mit diesem Problem umgehen.

Die Angst vor der Schule ist ein weitverbreitetes Problem. Zu Beginn der Ferien sind diese Kinder fröhlich und ausgelassen, doch je näher der Schulbeginn wieder rückt, desto bedrückter wirken die betroffenen Kinder. Sie können nicht mehr richtig schlafen, haben kaum Appetit und klagen über Bauchschmerzen.

Morgens am ersten Schultag nach den Ferien ist es am schlimmsten. Die Kinder bilden sich dabei ihre Bauchschmerzen keineswegs ein. Auch wenn ihre Schmerzen eine psychische Ursache, nämlich die Angst vor der Schule, haben, so ist der Schmerz dennoch spürbar.

Gründe finden

Keineswegs ist es ein Ausweg aus diesen Beschwerden, wenn den Kindern Medikamente verabreicht werden. Man sollte offen mit seinem Kind über dessen Angst sprechen und fragen, wovor es genau Angst hat.

Sind es die

  • anderen Mitschüler
  • die Lehrer
  • der Schulstoff
  • die Angst vor dem Schulbusfahren oder
  • die Angst, in der Schule zu versagen?

Haben die Kinder Angst davor, sich zu melden und dann etwas Falsches zu sagen? Wurden die Kinder vielleicht schon einmal von den Mitschülern ausgelacht?

Übergang in eine weiterführende Schule

Häufig treten die Ängste auch vor Schulantritt an einer weiterführenden Schule auf. Oftmals fühlen sich die Kinder nicht ausreichend vorbereitet und empfinden den Start besonders anstrengend.

Es gibt einige Veränderungen, mit denen die Schüler nun klarkommen müssen; dazu zählen

  • die neue Umgebung
  • längere Schultage
  • erhöhtes Leistungsniveau und
  • neue Schulfächer.

Die Schultage werden stressig, was sich letztendlich Angst zur Folge haben kann.

Warnzeichen erkennen

sind Symptome, die auf Schulstress oder Angst vor der Schule hinweisen können. Auf Stress in der Schule reagieren Kinder sehr unterschiedlich. Viele sprechen nicht aus, was sie bewegt, sondern klagen vor der Schule über Bauch- und Kopfschmerzen. Bei Mädchen ist das häufiger der Fall als bei Jungen. Andere

  • schlafen schlecht
  • verlieren den Appetit oder
  • ziehen sich komplett zurück.

Es gibt auch Schüler, die dazu neigen, unter Stress sehr zappelig und aufgedreht zu werden.

Wichtig ist, dass man als Elternteil auf die Warnsignale achtet und diese entsprechend ernst nimmt. In einem ruhigen Moment sollte man mit dem Kind das Gespräch suchen, ohne es unter Druck zu setzen. Ein guter Zeitpunkt wäre vor dem Einschlafen oder in einem ruhigen Moment am Wochenende.

Was tun gegen Schulangst?

Es gibt einige Ratschläge, die man befolgen sollte, wenn es darum geht, gegen die Schulangst anzugehen.

Hilfe durch Ärzte und Eltern

Schul- oder Hausärzte haben die Möglichkeit herauszufinden, was hinter den oberflächlich erkennbaren Symptomen steht und können dann Hinweise auf unterstützende und beratende Einrichtungen geben. Doch auch Eltern können und müssen eingreifen und vor allem die Ängste und Aussagen der Kinder ernst nehmen und ihnen Aufmerksamkeit schenken.

Zudem sind Entspannungsübungen hilfreich, sowie das Loben bei erbrachten Leistungen. Aber vor allem, das Vertrauen des Kindes zu sich selbst zu fördern, ist eine Maßnahme mit großer Bedeutung. Internationale Studien zeigen, dass Kinder und Jugendliche, die den Schulalltag aktiv und selbstbestimmt mitgestalten, deutlich gesünder sind und weniger Ängste in der Schule aufbauen.

Weitere Tipps für die Eltern:

  • dem Schüler Fragen stellen, um auch hinter das Problem kommen zu können, wenn dieser nicht darüber sprechen möchte
  • die Situation keinesfalls dramatisieren, sie jedoch auch nicht runterspielen
  • das Kind in den Arm nehmen und ihm versprechen, dass man zusammen gegen die Schulangst angehen wird
  • für eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und Bewegung sorgen, um die Fitness des Kindes zu fördern - dies sorgt für ein besseres Wohlbefinden
  • das Selbstbewusstsein des Nachwuchses fördern, indem man auf dessen Stärken eingeht

Gespräch mit dem Lehrer suchen

Wirklich lösen kann man das Problem oft nur in einem gemeinsamen Gespräch mit der Lehrkraft. Die meisten Lehrer wissen gar nicht, dass sie Schüler in der Klasse haben, die von einer derart großen Angst gepackt werden, wenn sie nur an das Schulhaus denken.

Die Lehrer zeigen in der Regel durchaus Verständnis für die Schulangst und versuchen, den Kindern zu helfen. Bereits das klärende Gespräch mit der Lehrkraft hilft den Kindern, ihre Angst zu überwinden.

Nächster Schritt: Kinderpsychologe

Hilft das Gespräch mit der Schule nicht oder nur unzureichend, kann auch ein Kinderpsychologe die richtige Adresse sein. Dieser spricht mit den Kindern über ihre Probleme und erarbeitet gemeinsam mit ihnen Lösungen zur Angstbewältigung.

Spielerisch mit dem Problem umgehen

Eltern, die noch nicht so weit gehen möchten, können ihren Kindern auch Bücher zum Thema Schulangst kaufen. Es gibt diverse Bilderbücher, die man gemeinsam mit den Kindern lesen und über das Problem sprechen kann.

Keinesfalls dürfen die Kinder mit ihrer Schulangst alleingelassen werden. Die Eltern sollten immer das Gespräch mit ihren Kindern suchen, wenn diese plötzlich am Schulanfang oder nach dem Wochenende über Bauchschmerzen oder Übelkeit klagen.

Bezogen auf die unterschiedlichen Ursachen der Schulangst sind auch folgende Tipps zu beherzigen...

Bei Versagensängsten

Bei Versagensangst sind in erster Linie die Eltern gefordert. Denn meist liegen die Gründe darin, dass an die Kinder zu hohe Erwartungen gestellt werden. Wenn diese aus Sicht des Kindes aber nicht erfüllt werden können, geht nicht nur der Spaß am Lernen verloren, sondern es entwickeln sich im schlimmsten Fall sogar Ängste.

Eltern sollten ihren Kindern nur das zumuten, was ihren Fähigkeiten entspricht. Schlechte Schulnoten sollten nicht bestraft und gute nicht etwa mit Geld belohnt werden. So wird vermieden, dass das Kind die Einstellung entwickelt, es sei nur bei guten Leistungen etwas wert.

Zudem ist es ganz wichtig, dass Eltern ihren Kindern klarmachen, dass es nicht darum geht, der Klassenbeste zu sein. Wenn in der Schule die Leistungen nicht zufriedenstellend sind, sollte das Kind die Chance bekommen, sein Selbstbewusstsein durch gute Leistungen im außerschulischen Bereich – zum Beispiel im Sportverein oder an der Musikschule – zu stärken. Viele Kinder verlieren auf diesem Weg ihre Angst vor dem Leistungsdruck in der Schule und damit auch ihre Schulangst.

Bei sozialen Ängsten

Soziale Ängste äußern sich nicht nur in der Schule, sondern auch in anderen Bereichen des Alltags. In der Schule sind sie dann von Bedeutung, wenn Kinder neue Lehrer bekommen oder in eine andere Klasse wechseln. Um den Betroffenen diese Art der Angst zu nehmen, ist in vielen Fällen eine Psychotherapie der letzte Ausweg.

Bei Angst vor Gewalt

Immer bedeutender wird die Schulangst, die aufgrund von Gewaltandrohungen und -erfahrungen auftritt. Bereits in der Grundschule werden Kinder systematisch gemobbt und erpresst. In solchen Fällen gilt: Sobald das Problem bekannt ist, müssen Eltern das Gespräch mit dem Klassenlehrer und der Schulleitung suchen.

Wer Mitschülern Gewalt antut, wird ermahnt oder der Schule verwiesen. Es ist sinnvoll, dass die Eltern der Opfer sich auch an Klassenkameraden und Schulfreunde des Kindes wenden. Feste Freunde und ältere Geschwister, die das eigene Kind auf dem Schulweg begleiten bzw. in der Pause mit ihm spielen, erwirken Wunder bei der Bekämpfung von Mobbing oder anderer Gewalt. Die Kinder können mit einem Gefühl der Sicherheit in die Schule gehen und ihre Schulangst ablegen.

Vorbeugende Maßnahmen

Vorbeugend kann man für ein Gefühl der Sicherheit sorgen, indem man für einen geregelten Tagesrhythmus sorgt. Feste Zeiten für Mahlzeiten, Schlafengehen und Hausaufgaben helfen dabei.

Auch Ruhepausen und Zeit zum Spielen und Toben gehören dazu. Außerdem sollten die Eltern sich auch über kleine Leistungen freuen und das Kind loben, um ihm Selbstvertrauen zu vermitteln.

Quellen:

  • Rolf Heiderich und Gerhart Rohr: Ohne Angst in der Schule: Probleme erkennen und erfolgreich überwinden, Urania, Freiburg, 2007, ISBN 3332020080
  • Wolfgang Oelsner und Gerd Lehmkuhl: Schulangst: Ein Ratgeber für Eltern und Lehrer, Walter-Verlag, 2002, ISBN 353040120X

Unsere Artikel werden auf Grundlage fundierter wissenschaftlicher Quellen sowie dem zum Zeitpunkt der Erstellung aktuellsten Forschungsstand verfasst und regelmäßig von Experten geprüft. Wie wir arbeiten und unsere Artikel aktuell halten, beschreiben wir ausführlich auf dieser Seite.

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Historie:
Zuletzt aktualisiert am
So arbeiten wir
Autor:

Mehr über uns
Warum kein namentlicher Autor?
Bildnachweise:
  • upset boy against a wall © Mikael Damkier - www.fotolia.de
  • Schultafel Kreidetafel Textur © Gunnar Assmy - www.fotolia.de

Weitere Artikel zum Thema