9. Dezember 2008
Von Andreas Hadel
"3, 2, 1, Go", hallt es durch den Saal und noch ehe der Schall verklungen ist, greifen viele Händepaare nach Kettlebells, schwingen Lasten mehrmals kraftvoll über Köpfe und hieven in atemberaubender Geschwindigkeit Körper an Stangen hoch. Ein Paar dieser Hände ist auffällig groß. Schwielen sind stumme Zeugen schwerer Arbeit. Ehrenvoller Arbeit.
Die Hände gehören zu Jeremy, einem Feuerwehrmann, der hier seinen Körper schindet, um ihn für die lebensbedrohlichen Gefahren zu wappnen, die seine Berufung mit sich bringt. Gleich neben seinen Händen fanden jene von Tracy an der Stange Platz, um ihren zierlichen Leib wiederholt nach oben ziehen zu können. Tracy ist Schauspielerin und versucht hier in dem von Alter und Wetter gezeichnetem Gebäude ein Gespür für Körperbewegungen zu finden. Ein Gespür, das ihr auf der Bühne helfen soll, ein Star zu werden. "Und ich möchte am Strand von Long Island eine gute Figur machen", verrät sie mir später und lächelt verlegen. Zwei Menschen, wie sie verschiedener nicht sein könnten, geeint durch die schiere Intensität, die typisch für CrossFit ist, der neuen Fitness-Bewegung in Amerika.

Wir sind in Brooklyn, jenem Stadtteil New Yorks, der Künstler, Freidenker und der demographischen Mittelschicht eine neue Heimat gibt, seitdem sich Chelsea zum hippen Szeneviertel gewandelt hat und mehr und mehr vom kostspieligen Lebenswandel Downtown's assimiliert wird. Das Lyceum, ein altes Gebaude, das vor knapp einem Jahrhundert für die Bildung und Erziehung der Kinder genutzt wurde, die in der schlaflosen Stadt nach dem Erwachsen werden suchten, ist reduziert auf das Notwendigste. Heute dienen Keller und Oberetage Theatermachern und CrossFittern gleichermaßen die Möglichkeit zur Entfaltung. Im Erdgeschoss philosophieren derweil Freidenker und Intellektuelle über schwere Themen, die mit Wein und Jazz augenscheinlich leichter zu überblicken sind. Wie das Lyceum den Anwohnern einen Ort der geistigen Reife gibt, so bietet CrossFit Athleten aus allen Sportarten und jeglich motivierten Fitness-Begeisterten eine Plattform, die sie in ihrer körperlichen Entwicklung soweit vorantreibt, wie es nur wenige Trainingssysteme vermögen.
"CrossFit ist ein Trainingsansatz, der keiner Spezifik unterliegt, sondern das Ziel hat, den perfekten Allround-Athleten zu schaffen", erklärt mir David Osorio, der Leiter und Inhaber der CrossFit-Einrichtung in Brooklyn. Der perfekte Allround-Athlet verfügt laut David über ein hohes Maß an Ausdauer, überdurchschnittlicher Kraft und natürlich ein ausgeprägtes Bewegungsgefühl. Um diese Attribute zu vervollkommnen, nutzen CrossFitter neben Ausdauerläufen, Übungen aus dem Gewichtheben sowie Kraftdreikampf, aber auch dem Turnen und der Leichtathletik. Angesichts dieser Vielfalt liegt die Vermutung langandauender und umfangreicher Trainingseinheiten nahe, doch tatsächlich kommen typische CrossFit-Workouts in der Regel mit knapp 20 Minuten aus. "Ausdauerläufe sind eher die Ausnahme als die Regel", so Osorio weiter. "Um den Körper zu konditionieren, strukturieren wir viele Einheiten als Zirkel und führen mehrere Übungen hintereinander ohne Pause aus. Wenn ein Workout auf die maximale Kraft abzielen soll, machen wir meistens wenige Arbeitssätze mit 1-5 Wiederholungen."
Workout – Beispiele
| Konditionseinheiten | |
| Workout Beispiel I | Workout Beispiel II |
| Absolviere in 20 Minuten so viele Runden wie möglich: 20 Klimmzüge 30 Liegestütz 40 Sit-ups 50 Kniebeugen | Absolviere 30 Wiederholungen so schnell wie möglich: Umsetzen und Stossen mit 60 kg |
| Krafteinheiten | |
| Workout Beispiel I | Workout Beispiel II |
| Überkopfdrücken 5x3 Kreuzheben 5x1 | Reißen 5x3 Kniebeugen 5x3 |

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