Hepatomegalie (Lebervergrößerung) - Ursachen, Diagnose und Behandlung

Bei einer Hepatomegalie liegt eine vergrößerte Leber vor. Diese Lebervergrößerung ist selbst keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom verschiedener Störungen und Krankheiten. Die Hepatomegalie tritt vor allem bei einer Fettleber in Erscheinung, aber auch bei einer Leberzirrhose oder Herzinsuffizienz. Die Lebervergrößerung durch abtasten zu erkennen ist sehr einfach, um der genauen Ursache auf den Grund zu gehen, können jedoch diverse Untersuchungen notwendig sein. Mehr zu Ursachen, Diagnose und der Behandlung einer Hepatomegalie erfahren Sie in diesem Artikel.

Von Jens Hirseland

Von einer Hepatomegalie ist die Rede, wenn es zu einer abnormen Vergrößerung der Leber kommt. Selbst eine gesunde Leber lässt sich gut ertasten und weist eine weiche Struktur auf. Tritt eine Hepatomegalie auf, können sogar übergewichtige Menschen sie abtasten. Mitunter wird sie auch sichtbar.

Die Hepatomegalie stellt keine eigenständige Erkrankung dar. Stattdessen gilt sie als Untersuchungsbefund.

Die Leber

Bei der Leber (Hepar) handelt es sich um ein lebenswichtiges Stoffwechselorgan. Zu finden ist sie im rechten Oberbauch. Sie erreicht bei erwachsenen Personen ein Gewicht zwischen 1,4 und 1,9 Kilo. Sie hat bedeutenden Anteil am Abbau und Ausscheiden von unterschiedlichen Stoffen. Außerdem verwertet sie zahlreiche Bestandteile aus der Nahrung und stellt Eiweißstoffe her, die lebenswichtig sind.

Menschliche Leber
Die menschliche Leber in gesundem Zustand

Ursachen einer Hepatomegalie

Für eine Hepatomegalie kommen zahlreiche Ursachen infrage. So gilt die Lebervergrößerung als Begleiterscheinung mehrerer Erkrankungen. Die Ärzte unterscheiden zwischen einer echten Hepatomegalie und einer Pseudo-Hepatomegalie.

Stoffwechselstörungen

Zu den bekanntesten Auslösern der echten Hepatomegalie zählen Störungen des Stoffwechsels wie:

Eine Verfettung der Leber ist eine Reaktion des Organs auf schädliche Faktoren wie eine zu üppige Ernährung, die zu Fettsucht führt, den ständigen Konsum von Alkohol, erhöhte Blutfettwerte, Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder Viruserkrankungen sowie die Einnahme von bestimmten Arzneimitteln. Diese Leiden haben eine intensive Fetteinlagerung zur Folge, die wiederum eine Vergrößerung der Leber nach sich zieht.

Speicher- und Stoffwechselerkrankungen

Auch Speicher- und Stoffwechselerkrankungen können eine Hepatomegalie auslösen. Dazu gehören in erster Linie die Hämochromatose, bei der es sich um eine Eisenspeicherkrankheit handelt, sowie einige Formen der Porphyrie. Manchmal sind auch hormonelle Erkrankungen der Auslöser der Lebervergrößerung.

Entzündliche und toxische Auslöser

Eine Hepatomegalie entsteht außerdem durch entzündliche und toxische Ursachen wie:

Menschliche Leber mit Leberzirrhose
Die menschliche Leber bei einer Leberzirrhose

Infektionen

Auch Infektionen durch Keime kommen für eine Vergrößerung der Leber in Betracht. Sie rufen unter anderem eine Cholangitis (Gallengangsentzündung) hervor.

In manchen Fällen sind auch Parasiten für die Hepatomegalie verantwortlich. Sie lösen zum Beispiel eine Schistomiasis (Bilharziose) oder Echinokokkose (Bandwurminfektion) aus.

Blutgefäßerkrankungen

Eine weitere mögliche Ursache der Lebervergrößerung sind Erkrankungen, die die Blutgefäße betreffen. Dazu zählt insbesondere die Rechtsherzinsuffizienz, bei der es zu einem Rückstau des venösen Blutes kommt. Die Folge ist eine Stauungsleber verbunden mit einer Hepatomegalie. Ein solcher Rückstau tritt außerdem bei einer konstriktiven Perikarditis oder Herzklappenfehlern auf.

Tumorbildung

Gut- oder bösartige Tumore können ebenfalls eine Vergrößerung der Leber verursachen. Mitunter sind auch Metastasen (Tochtergeschwülste), die sich in der Leber ansiedeln, für deren Anwachsen verantwortlich.

Leberzysten

Von einer Leberzyste sprechen Mediziner, wenn sich in dem Organ glatte begrenzte Hohlräume bilden, die mit Flüssigkeit gefüllt sind. Ihr Ausmaß schwankt zwischen einigen Millimetern bis hin zu zehn Zentimetern. Treten die Zysten vermehrt auf, ist von einer Zystenleber die Rede. Erreichen die Zysten einen großen Umfang, bewirken sie eine Vergrößerung des Organs.

Pseudo-Hepatomegalie

Keine echte Lebervergrößerung liegt bei einer sogenannten Pseudo-Hepatomegalie vor. Sie zeigt sich vorwiegend bei abgemagerten Patienten oder durch kaudale Verdrängungen wie bei einem großen Pleuraerguss oder einem Lungenemphysem.

Beschwerden bei einer Hepatomegalie

Eine Lebervergrößerung kann unterschiedliche Beschwerden und Begleiterscheinungen mit sich bringen:

  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Juckreiz, der den gesamten Körper befallen kann
  • brüchige Fingernägel
  • plötzlich einsetzende Oberbauchschmerzen
  • Sensibilitätsstörungen der Haut
  • allgemeines Unwohlsein
  • Erschöpfung
  • Fieber
  • Stuhl- oder Harnverhalt durch Stauungsbeschwerden

Diagnose einer Hepatomegalie

Führen die Beschwerden einer Lebervergrößerung den Betroffenen zum Arzt, erkundigt sich dieser zunächst nach eventuellen Vorerkrankungen wie Hepatitis oder ob andere Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Gallensteine oder Fettstoffwechselstörungen vorliegen. Von Interesse sind außerdem die mögliche Einnahme von Medikamenten sowie der Alkoholkonsum des Patienten. Auch zurückliegende Reisen in tropische Gebiete sollten angegeben werden.

Körperliche Untersuchung

Nächster Schritt ist die körperliche Untersuchung. Dabei wird der Bauch des Patienten abgetastet. Auf diese Weise schätzt der Arzt den Umfang der Leber ein. Zeigt sich die Leber glatt und weich oder reagiert auf Druck mit Schmerzen, gilt dies als Hinweis auf eine Stauungsleber oder eine Leberentzündung. Weist das Organ hingegen Unregelmäßigkeiten auf, kann dies ein Indiz für eine Leberzirrhose oder einen Lebertumor sein.

Weil neben der Hepatomegalie oft zusätzlich eine Splenomegalie auftritt, bei der sich die Milz vergrößert, tastet der Arzt auch deren Körperbereich ab.

Äußerliche Anzeichen

Wichtig ist zudem eine Kontrolle auf mögliche Anzeichen von Gelbsucht oder dunklen Hautverfärbungen. Ebenso weisen bestimmte Hautveränderungen auf chronische Erkrankungen der Leber wie eine Leberzirrhose hin. Als typische Hinweise gelten Erweiterungen der Hautarterien, die wie die Gliedmaßen von Spinnen aussehen sowie Rötungen an den Innenflächen der Hände. Stauungen der Halsvenen oder geschwollene Beine weisen wiederum auf eine Rechtsherzschwäche hin, die als Ursache für die Hepatomegalie in Betracht kommt.

Laboruntersuchungen

Erhärtet sich der Verdacht auf eine Lebervergrößerung, findet eine Blutuntersuchung statt. In deren Rahmen werden mehrere Leberenzyme, das Blutbild, die Blutgerinnung sowie Cholesterin- und Eisenspiegel im Körper analysiert.

Bildgebende Untersuchungsmethoden

Auch bildgebende Verfahren sind für die Diagnostik wichtig. Zu den gängigsten Methoden zählt die Abdomensonografie, in deren Rahmen der Bauchraum per Ultraschall untersucht wird. Neben der Leber inspiziert der Arzt auch Milz, das Pfortadersystem sowie die Gallenwege.

Weitere Aufschlüsse über die Ursache der Lebervergrößerung lassen sich durch Röntgenaufnahmen des Brustkorbs erhalten. Zum Beispiel können auf dem Röntgenbild angeschwollene Lymphknoten entdeckt werden.

Leberbiopsie

In manchen Fällen ist die Durchführung einer Leberbiopsie notwendig. Dabei entnimmt der Arzt durch eine Punktion etwas vom Lebergewebe, das anschließend in einem Labor untersucht wird. Durch dieses Vorgehen lassen sich Hinweise erhalten, ob die Hepatomegalie durch eine Sarkoidose oder Tuberkulose verursacht wurde.

Behandlung einer Hepatomegalie

Auf welche Weise die Hepatomegalie behandelt wird, richtet sich nach der auslösenden Grunderkrankung. Ist zum Beispiel Adipositas die Ursache der Lebervergrößerung, trägt der Abbau von Gewicht zum Schrumpfen des Organs bei. Für den Fall, dass ein Übermaß an Alkohol für die Beschwerden verantwortlich ist, muss auf eben diesen konsequent verzichtet werden.

Behandlung mit Medikamenten

Eine virale Hepatitis heilt oft von selbst wieder ab. Als hilfreich gelten viel Ruhe sowie eine Ernährungsweise, die die Leber schont. Hepatitis C kann allerdings chronische Ausmaße annehmen. Darum erhalten die Patienten Arzneimittel mit virenhemmenden Eigenschaften wie Alpha-Interferon.

Besteht dagegen eine bakterielle Infektion, erhält der Patient Antibiotika, die gegen die Keime vorgehen.

Therapie einer Rechtsherzschwäche

Wird die Hepatomegalie durch eine Rechtsherzschwäche ausgelöst, gelangen Beta-Blocker, Diuretika oder ACE-Hemmer zum Einsatz. Sie verfügen über die Eigenschaft, das Herz zu entlasten.

Änderung des Lebensstils

Die meisten Lebervergrößerungen entstehen durch eine Fettleber. Diese kann wiederum im Laufe der Zeit eine lebensgefährliche Leberzirrhose auslösen. Damit dies nicht geschieht, wird dem Patienten empfohlen, seinen Lebensstil in Zukunft gesünder zu gestalten. Dazu gehören der Abbau von Übergewicht, mehr Bewegung sowie ein maßvoller Konsum von fettem Essen und Alkohol, um für eine Entlastung der Leber zu sorgen.

Prognose bei einer Hepatomegalie

Die Prognose bei einer Hepatomegalie hängt davon ab, durch welche Erkrankung sie ausgelöst wird. Auch ein früher Behandlungsbeginn wirkt sich in der Regel günstig aus. Schlechter sind die Aussichten, wenn bereits eine schwere Krankheit wie eine Leberzirrhose oder Leberkrebs besteht. In solchen Fällen bedarf es meist einer Lebertransplantation oder einer palliativen Behandlung.

Prävention einer Hepatomegalie

Es ist nur unzureichend möglich, einer Lebervergrößerung vorzubeugen. So lassen sich Infektionen durch Viren oder Bakterien oft nur schwer verhindern. Um eine Fettleber durch Alkohol zu verhindern, muss auf ständigen Alkoholgenuss verzichtet werden. Eine gesunde Ernährung sowie genügend Bewegung beugen zumindest Übergewicht vor, das als ein Hauptauslöser der Hepatomegalie gilt.

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