Jonglieren - Merkmale, Vorzüge und Tipps zum Lernen

Wirft man mehrere Gegenstände gleichzeitig in speziellen Bewegungsabläufen in die Luft und fängt sie wieder auf, spricht man vom Jonglieren. Diese Beschäftigung kann in der Freizeit sowie im sportlichen Bereich absolviert werden. Doch auch im Varieté und Zirkus stellt das Jonglieren einen festen Bestandteil dar. Lesen Sie über die Merkmale, Vorzüge und Entwicklung der Jonglierkunst.

Von Kathrin Schramm

Jonglieren - Generelle Merkmale

Beim Jonglieren handelt es sich um eine Bewegungskunst. Sie gehört zur Artistik und ist in diesem Bereich besonders Teil des Varietés und Zirkus.

Ziel des Jonglierens ist es, mehrere Gegenstände gleichzeitig wiederholt in die Luft zu werfen, und diese auch immer wieder aufzufangen. Mindestens einer der Gegenstände befindet sich dabei stets in der Luft.

Betrachtet man die Zirkusdisziplinen, zählen auch noch weitere Künste zu denen des Jonglierens dazu. Dies wären etwa

  • das Stabdrehen
  • das Poi Spinning
  • das Spinning
  • Kontaktjonglage
  • Devilstick und
  • Diabolo.

Gegenstände, die üblicherweise zum Jonglieren genutzt werden

Die üblichsten Jongliergeräte und ihre Vorteile stellen wir Ihnen hier kurz vor.

Merkmale geeigneter Jongliergeräte

Am besten eignen sich Jongliergeräte, die gut zu greifen sind. Das heißt, sie sind entweder aus einem weichen, flexiblen Material oder mit Griffen versehen, die ein gezieltes Zugreifen erleichtern. Spitze oder scharfe Gegenstände sind zum Jonglieren denkbar ungeeignet, das sie ein hohes Verletzungsrisiko bergen.

Beliebte Jongliergeräte:

  • Bälle
  • Stöcke
  • Tücher
  • Ringe
  • Fackeln
  • Messer
  • Diabolos

Sehr beliebt sind inzwischen auch Gegenstände, die

  • phosphoreszieren
  • blinken oder
  • sonstige optische Auffälligkeiten zu bieten haben.

Der Vielfalt sind hier keine Grenzen gesetzt und ständig kommen neue und attraktive Jongliergegenstände auf den Markt.

Bälle, Stöcke und Fackeln

Ursprünglich wurde vorwiegend mit Jonglierbällen oder mit Sand gefüllten Stoffbeuteln jongliert. Auch Tücher und Stöcke sind regelmäßig im Einsatz. Wer die Stockjonglage gut beherrscht, kann sich auch an der Fackel versuchen.

Das Jonglieren mit Fackeln wird zuerst mit nicht brennenden Fackeln versucht. Meistens trägt der Jongleur dabei einen speziellen Schutzhandschuh aus Kevlar.

Vor allem Kinder jonglieren gerne mit bunten Tüchen und Jonglierwürfeln aus weichem Schaumstoff. Hier spielt die Haptik eine sehr große Rolle.

Messer, Keulen und Diabolos

Messer, Keulen und Fackeln werden nur von erfahrenen Jongleuren eingesetzt, da sie sehr schwer zu handhaben sind. Sehr beliebte Jongliergeräte sind auch Ringe, Diabolos und Rola Bola.

Wer auf der Suche nach neuen Gerätschaften zum Jonglieren ist, der wird schnell fündig werden. Jeder Gegenstand, der sich in die Luft werfen und wieder auffangen lässt, kann auch zum Jonglieren genutzt werden. Der Phantasie sind also keine Grenzen gesetzt.

Blonder Artist in grauem Longsleeve balanciert einen weißen Jonglierball auf der Stirn, weitere Bä
Blonder Artist in grauem Longsleeve balanciert einen weißen Jonglierball auf der Stirn, weitere Bälle in beiden Händen

Vorzüge: Jonglieren macht schlau

Das Jonglieren ist eine spannende und abwechslungsreiche Freizeitbeschäfitigung, die viele Vorteile bietet. Einer davon ist die Aufmerksamkeit des Publikums, deren der Jongleur sich tatsächlich überall sicher sein darf. Denn auch auf die Zuschauer übt das Jonglieren eine faszinierende Wirkung aus.

Jonglieren ist (fast) überall möglich, und neben dem Unterhaltungswert hat es tatsächlich positive Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden. Denn viele medizinische Tests haben es ergeben: Regelmäßiges Jonglieren führt tatsächlich zu einer Verbesserung der Gehirnleistung.

Unterschiedliche Hirnbereiche in Aktion

Beim Jonglieren...

  • beobachten
  • berechnen
  • koordinieren
  • aufmerksam sein

Doch woran liegt das, und wie kann man dieses Phänomen erklären? Der Nachweis ist schnell und einfach erbracht. Denn beim Jonglieren werden viele verschiedene Bereiche des Gehirns beschäftigt.

  • Zum einen ist das Sehzentrum gefragt.
  • Die zu jonglierenden Gegenstände müssen jedoch nicht nur gesehen und genau beobachtet werden, sondern ihre Flugbahn muss berechnet werden. Dafür ist ein anderer Bereich des Gehirns zuständig.
  • Ein wieder anderer Bereich, der im Bewegungszentrum angesiedelt ist, sorgt für die richtige Koordination der fangenden und werfenden Hände und Arme und nicht zuletzt für die entsprechende Beinarbeit.
  • Zu all diesen Faktoren kommt eine notwendigerweise erhöhte Aufmerksamkeit hinzu.

Wie bei allen anderen Körperteilen, so gilt auch beim Gehirn, dass besonders die Bereiche leistungsfähig sind, die regelmäßig trainiert werden. Das Jonglieren aktiviert also die Gehirntätigkeit, was sich insgesamt positiv auf das Gehirn und seine Leistungsfähigkeit auswirkt.

Zusammenarbeit ist gefragt

Hinzu kommt, dass die Bereiche übergreifend miteinander arbeiten müssen. Dies tun sie jedoch nicht nur kurzfristig während des Jonglierens selbst: Die Stimulation regt das Wachstum von Synapsen an, die wiederum dafür sorgen, dass einzelne Bereiche besser zusammen arbeiten. Diese angelegten Synapsen und Verbindungen können jedoch nicht nur beim Jonglieren genutzt werden, sondern greifen auch in vielen anderen Bereichen des täglichen Lebens und bei schwierigen Aufgabenstellungen ein.

Übertragung auf alltägliche Aufgaben

Das bedeutet, das trainierte Gehirn arbeitet insgesamt

  • schneller
  • müheloser
  • mit weniger Ermüdungserscheinungen und
  • auch sehr viel flexibler.

So ist zum Beispiel erwiesen, dass gerade die mathematischen Fähigkeiten durch das regelmäßige Jonglieren verbessert werden können. Das trainierte Gehirn ist in der Lage, auch komplexere Aufgaben schneller zu lösen, da die Vernetzung insgesamt besser funktioniert.

So erwirbt das Gehirn durchs Jonglieren gewisse kognitive Fähigkeiten, die in vielen Bereichen nützlich sind. Gerade Kinder können diese Fähigkeiten oft besonders gut ein- und umsetzen.

Pantomime mit weiß geschminktem Gesicht und Hut jongliert mit fünf Äpfeln vor rosa Hintergrund
Pantomime mit weiß geschminktem Gesicht und Hut jongliert mit fünf Äpfeln vor rosa Hintergrund

Tipps zum Lernen

Das Grundmuster des Jonglierens stellt die Kaskade, das Jonglieren mit drei Bällen dar. Dabei wirft man diese diagonal von einer in die andere Hand. Um dies zu lernen, beginnt man am besten mit einem Ball.

Man wirft einen Ball über Kopfhöhe diagonal von der rechten Hand in die linke, und anschließend von der linken in die rechte Hand. Dabei sollte man darauf achten, die Arme nah am Körper zu belassen und die Unterarme waagerecht zu halten, wenn man die Bälle fängt.

Hat man diese Bewegungen verinnerlicht, kann man sich an das Jonglieren mit zwei Bällen heranwagen. Man nimmt in jede Hand einen Ball und wirft den rechten diagonal über der Stirnhöhe nach links.

Hat er den höchsten Punkt erreicht, wirft man den linken auf gleiche Art und Weise nach rechts. Man fängt die Bälle und beginnt dann mit der linken Hand. Wichtig ist, die Bälle nicht zu hoch zu fangen.

Nun nimmt man sich drei Bälle vor. In die rechte Hand legt man zwei, in die linke Hand einen Ball.

Nun wirft man wie bei der vorherigen Übung rechts, links, rechts und fängt alle Bälle, sodass man zwei Bälle in der linken und einen in der rechten Hand halten sollte. Jetzt wirft man links, rechts, links und fängt wieder alle Bälle.

Auf das Werfen sollte dabei in erster Zeit mehr geachtet werden; das Fangen wird sich nach einigen Malen als immer leichter erweisen. Wichtig ist immer, den nächsten Ball erst dann zu werfen, wenn der vorherige Ball den höchsten Punkt erreicht hat.

Folgende Fehler sollten vermieden werden:

  • das Werfen nach vorne
  • die Bälle zu hoch fangen
  • unrhythmisch werfen und fangen

Man kann diese Fehler umgehen, indem man sich beispielsweise vor eine Wand stellt oder bewusst leicht nach hinten wirft. Die Bälle sollten ganz bewusst unten gefangen werden. Einen klaren Rhythmus erhält man, wenn man beim Jonglieren laut zählt: bei jedem Wurf aus der rechten Hand sagt man eine Zahl auf, bei jedem Wurf aus der linken Hand folgt das Wörtchen "und", also "1 und 2 und 3 und 1...".

Die Geschichte des Jonglieren

Das Jonglieren zählt zur Bewegungskunst der Artistik und dient unterschiedlichen Zielen. Seine Geschichte reicht weit zurück. Bereits aus der Antike sind Aufzeichnungen bekannt, die das Jonglieren zeigen.

Damals diente es vor allem der Unterhaltung. In der heutigen Zeit hat die Forschung bewiesen, dass sich das Jonglieren sogar positiv auf die kognitiven Fähigkeiten, die Konzentrations- und Lernfähigkeit auswirkt.

Deshalb wird es heutzutage auch therapeutisch eingesetzt. Einen kurzen Überblick über die geschichtliche Entwicklung des Jonglierens geben wir Ihnen hier.

In der Antike

Bereits aus der Antike sind Aufzeichnungen von Jongleuren aus China, Indien und von den Azteken bekannt und überliefert. Sicher ist, dass zu dieser Zeit das Jongliergerät Diabolo in China erfunden wurde. Auch aus der griechischen Antike sind Darstelllungen überliefert. Sehr häufig sind Frauen auf diesen Abbildungen zu sehen.

Jonglieren im frühen Europa

Im Nationalen Museum von Athen ist die Statue eines Jongleurs ausgestellt, die in den Pyrinen gefunden wurde.

Von den Römern ist überliefert, dass sie zur Unterhaltung und Belustigung des Volkes Gaukler und Jongleure aus dem Orient importierten. In den meisten Fällen waren diese Jongleure Sklaven, die sich durch ihre Kunstfertigkeit ein besseres Leben erarbeiteten. Doch auch beim Militär war das Jonglieren weit verbreitet.

In China

Auch in chinesischen Aufzeichnungen aus der frühesten Zeit wurden Jongleure erwähnt. Meistens waren die Jongleure Krieger, die ihre Fertigkeiten auf die Kriegskunst anwendeten. Sie jonglierten mit Schwertern, Bällen und anderen Gegenständen.

Im Mittelalter

Nicht selten wurde den Jongleuren im Mittelalter die Hexerei unterstellt. Erst die Barden und Hofnarren brachten das Jonglieren wieder an die Höfe und in die Gasthäuser.

Zu dieser Zeit entstand auch das Jonglieren auf der Straße, mit dem das knappe Budget aufgebessert wurde. Der Ruf der Jongleure war zu der Zeit jedoch schlecht, da sich auch viele Trickbetrüger und Taschendiebe als Jongleure tarnten.

Im Zeitalter der Industrialisierung

In der Mitte des 18. Jahrhunderts entstand die Unterhaltungsform des Zirkus. Fortan wurde sehr häufig auch im Zirkus jongliert, wo die Jongleure ein festes Engagement und eine Mitreisemöglichkeit fanden.

Den Höhepunkt der Beliebtheit erreichte das Jonglieren um die Mitte des 20. Jahrhunderts, danach ebbte die Welle wieder etwas ab. Jongleure wurden oft als Pausenfüller bei Varietés oder Unterhaltungsshows engagiert. Vor der Entwicklung von Kunststoffen wurde mit allerlei schwereren Gegenständen jongliert, was deutlich schwieriger war.

  • Dave Finnigan, Todd Strong und Allen Jacobs Alles über die Kunst des Jonglierens, DuMont Reiseverlag, Ostfildern, 2002, ISBN 3770122143
  • Michael J. Gelb und Tony Buzan Die Kunst des Jonglierens, Droemer Knaur, 1996, ISBN 3426820862
  • Sabine Peter Jonglieren mit Bällen, Keulen, Ringen und Diabolo. Das Spiel mit der Schwerkraft, Falken-Vlg., Niedernhein, 1998, ISBN 3806810095

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