Dosieraerosole - Arten, Funktion und Anwendung

Dosieraerosole dienen der Behandlung von chronischen Erkrankungen der Atemwege. Dazu gehören in erster Linie Asthma bronchiale und COPD. Dosieraerosole sind handliche Medikamentensprays, die sich problemlos in jeder Hand- oder Jackentasche unterbringen lassen. Inhalationsbehandlungen können durch ihre Anwendung deutlich verbessert werden. Mit ihrer Handlichkeit vermitteln sie chronischen Atemwegspatienten mehr Sicherheit und steigern dadurch deren Lebensqualität. Erfahren Sie hier mehr über die Arten von Dosieraerosolen und deren Anwendung.

Von Jens Hirseland

Zusammensetzung und Funktion

Bei einem Dosieraerosol handelt es sich um einen Druckgas-Dosierinhalator. Es enthält einen medizinischen Wirkstoff in Flüssigform als Emulsion, Suspension oder Lösung. Aufgrund von Treibgasen, die zumeist druckverflüssigt sind, kommt es in dem Arzneimitteldruckreservoir zur Bildung von Druck.

Die Freisetzung des Arzneistoffes findet in portionierten Dosen statt. Es wird in Form von fein verteilten Flüssigkeitstropfen innerhalb einer Gasphase freigegeben. Der Umfang der Tröpfchen schwankt zwischen 0,5 und 6 µm. Als ideal gelten 2 bis 3 µm. Wird eine einzelne Dosis abgegeben, ist von einem Sprühstoß die Rede.

Wie groß die Tröpfchen eines Dosieraerosols ausfallen, richtet sich nach dem Design der Drüsen sowie dem Dampfdruck des Treibgases, das zur Anwendung gelangt. Fällt der Düsendurchmesser des Sprühkopfes klein aus, sind auch die Tröpfchen klein. Zu kleine Düsen haben jedoch den Nachteil, dass sie leicht zu Verstopfungen neigen.

Untergebracht ist der Arzneistoff in einem Behälter aus Aluminium in Korkengröße. Der Behälter befindet sich seinerseits in einer Kunststoffröhre. Durch ein Mundstück kann der Arzneistoff zu den Atemwegen vordringen. Zum Einsatz gelangen in der Regel Präparate zur Entkrampfung der Bronchien wie Beta-2-Sympathomimetika oder Entzündungshemmer wie Glukokortikoide.

Formen

Es gilt zwischen Zwei- und Dreiphasenaerosolen zu unterscheiden. Wird das Flüssigtreibmittel unmittelbar als Lösungsmittel für den Arzneistoff verwendet, handelt es sich um ein Zweiphasenaerosol. Es setzt sich aus einer Gasphase sowie einer flüssigen Treibmittelphase zusammen.

Im Unterschied zum Zweiphasenaerosol lässt sich beim Dreiphasenaerosol die Wirkstofflösung innerhalb des Treibmittels nur wenig lösen. Mitunter ist sogar überhaupt keine Lösung möglich. Die Zusammensetzung besteht getrennt aus einem Flüssigtreibmittel, einer flüssigen Arzneistofflösung sowie einer Gasphase.

Zur Anwendung von Dreiphasenaerosolen werden bestimmte Sprühköpfe benötigt, die über eine mechanische Durchwirbelung verfügen. Im Gegensatz zu den Zweiphasenaerosolen kommt ihre Feinzerstäubung des Arzneistoffs nicht durch Verdampfung zustande.

Indikationen

Dargereicht werden Dosieraerosole zur Therapie von Atemwegserkrankungen. Häufigste Einsatzgebiete sind:

Wegen seiner Verwendung bei Asthma wird das Dosieraerosol auch häufig "Asthmaspray" genannt.

Wirkung

Ihre Wirkung entfalten Dosieraerosole, indem der Patient die enthaltenen Wirkstoffe inhaliert. Bei diesem Vorgang gehen die Substanzen in die Atemwege über und erzielen dort eine örtliche Wirkung. Teilweise ist aber auch eine systemische Resorption möglich.

Um in die tieferen Abschnitte der Atemwege vordringen zu können, ist es erforderlich, Sprühstoß und Atmung miteinander zu koordinieren. Zur Erleichterung dieses Vorgangs kommen sogenannte Spacer zum Einsatz.

Spacer (Inhalierhilfe)

Als Spacer wird eine Hilfe zur Inhalation bezeichnet. Der Spacer lässt sich auf das Mundstück aufsetzen. Er hat die Eigenschaft, Sprühstoß und Einatmung separat voneinander zu ermöglichen. Der Arzneistoff selbst verbleibt im Spacer.

Eine Inhalationshilfe wie der Spacer eignen sich besonders gut für Kinder oder Patienten, die sich mit dem koordinierten Einatmen schwer tun.

Junge beim Inhalieren von Asthmaspray mit Hilfe eines Spacers
Junger Asthma-Patient mit einem sogenannten Spacer als Dosierhilfe

Moderne Druckgas-Dosierinhalatoren

Eine moderne Variante stellt der Autohaler dar. Dieses Dosieraerosol lässt sich vor seiner Anwendung mit einer Feder spannen. Beim Einatmen erfolgt durch diese Methode der Sprühstoß automatisch. Ähnlich findet die Verwendung bei Easi-Breathe statt, wobei bei dieser Variante jedoch kein Vorspannen nötig ist.

Autohaler und Easi-Breathe zählen zu den modernen Druckgas-Dosierinhalatoren. Durch sie soll ein höherer Behandlungserfolg erreicht werden.

Anwendung eines Dosieraerosols

Probleme bei der Anwendung

Ein Problem der Dosieraerosole besteht in ihrer korrekten Anwendung, die den meisten Patienten schwerfällt. Als besonders heikel gilt das zeitliche Abstimmen zwischen Einatmen und Auslösen des Sprühstoßes. In diesem Bereich treten die meisten Probleme auf.

Fällt die Koordination zwischen Einatmen und dem Auslösen des Sprühstoßes nicht richtig aus, gelangt weniger Arzneistoff in die Patientenlunge als vorgesehen. Amerikanischen Studien zufolge kommt es dabei zu Dosisschwankungen von bis zu 23 Prozent.

Mitunter können durch Fehler bei der Anwendung lediglich 20 Prozent des Wirkstoffes in die Lunge vordringen. Es ist daher von besonderer Wichtigkeit, dass zur gleichen Zeit, in der der Patient den Sprühstoß auslöst, einatmet. Zögert er auch nur eine halbe Sekunde, kommt weniger von dem Arzneistoff in der Lunge an.

Korrekte Anwendung eines Dosieraerosols

Erster Schritt ist, den Deckel des Dosieraerosols vom Mundstück zu entfernen. Vor der ersten Anwendung oder nach einer längeren Pause von über einer Woche werden vor der Darreichung zwei Sprühstöße in die Luft abgegeben.

Das Dosieraerosol hält der Patient aufrecht mit dem Mundstück in die untere Richtung. Anschließend atmet er langsam und vollständig aus. Danach wird das Mundstück unverzüglich zum Mund geführt und fest mit den Lippen umschlossen.

Über drei Sekunden atmet der Patient tief ein und löst eine halbe Sekunde nach dem Einatmen den Sprühstoß aus, wobei er Zeigefinger und Daumen fest gegeneinander drückt, damit die erforderliche Dosis freigesetzt werden kann.

Für eine optimale Aufnahme des Wirkstoffes empfiehlt es sich, die Luft möglichst lange anzuhalten und danach langsam wieder auszuatmen.

Muss ein zweiter Aerosolstoß vorgenommen werden, erfolgt nach einer Wartezeit von einer halben Minute der gleiche Vorgang. Zum Schluss wird der Deckel wieder auf das Mundstück aufgesetzt.

Besonderheiten bei der Handhabung

Es ist darauf Acht zu geben, dass das Dosieraerosol stets über ausreichende Wirkstoffmengen verfügt. Die vorhandene Menge lässt sich durch eine Anzeige auf der Außenseite des Dosierinhalators ablesen.

Vor dem Gebrauch ist das Dosieraerosol stets zu schütteln, um die passende Wirkstoffmenge für den Sprühstoß zu dosieren. Bei Fragen oder Unklarheiten sollte stets der Arzt zu Rate gezogen werden.

Reinigung

Für die Funktionalität des Dosieraerosols ist es wichtig, es wenigstens einmal pro Woche einer Reinigung zu unterziehen. Zu diesem Zweck wird der Metallbehälter aus dem Kunststoffgehäuse gezogen. Das Gehäuse und der Deckel sind getrennt voneinander mit warmem Wasser auszuspülen und komplett zu trocknen.

Zum Ende der Reinigung kann der Metallbehälter wieder in das Kunststoffgehäuse eingesetzt werden. Abschließend erfolgt das Aufsetzen des Deckels.

Nicht in Kontakt mit Wasser darf der Metallbehälter geraten. Ist ein Spacer vorhanden, muss dieser ebenfalls regelmäßig gereinigt werden.

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