15. Januar 2010
Von Viola Reinhardt
Auf den ersten Blick sind die Unterschiede zwischen einer Finnischen Sauna und dem Besuch in der Banja nicht unbedingt zu erkennen. Beide befinden sich in Holzhäusern, in beiden ist es heiß. Doch bei genauerem Hinsehen wird klar: die Banja ist nicht einfach nur eine Sauna, die Banja ist ein Erlebnis.
"Banja" ist im Russischen das Wort für Badehaus oder auch Sauna. Doch die Banja ist mehr als eine Sauna. Den Russen ist sie heilig. Nahezu jeder Russe geht in die Banja, zumeist gehen die Geschlechter getrennt, aber selbstverständlich gibt es auch gemischte Banjas.
Eine Banja ist einfach gebaut, in der Regel besteht sie aus einem Holzhaus, in dem sich Idealerweise neben dem eigentlichen Saunaraum ein Ruheraum sowie ein Baderaum oder ein Waschraum befinden. Der Saunaofen befindet sich außerhalb des Schwitzraumes. Während im Waschraum die Kübel mit dem kalten Wasser zum Abkühlen bereit stehen, werden im Ruheraum zwischen den einzelnen Saunagängen Kleinigkeiten, Tee und Bier oder Wodka gereicht.
Ähnlich wie die Finnische Sauna wird auch die Banja auf 80-100°C aufgeheizt. Im Gegensatz zu ihrer skandinavischen Verwandten werden jedoch in der Banja regelmäßig Aufgüsse mit sehr viel Wasser gemacht, was die Luftfeuchtigkeit bis zur Niederschlagsgrenze erhöht und die Hitze besser wirken lässt. Für die Aufgüsse wird entweder das Wasser benutzt, in dem die Birkenzweige – die Wenik – zum Quästen eingeweicht wurden, oder dem Aufgusswasser werden Wodka beziehungsweise Bier zugefügt. Wenikaufgüsse verbreiten einen angenehmen Duft nach Birke, während ein Bieraufguss nach frischem Brot riecht.
Das Quästen, also das Abschlagen des Körpers mit weichen Zweigen, verbessert die Blutzirkulation und erfrischt angenehm. Begonnen wird mit dem Quästen langsam, indem die Zweige zunächst über die gesamte Rückseite des Körpers inklusive der Fußsohlen gezogen werden. Die Vorderseite wird in der Regel nicht behandelt. Dann wird zu leichtem Schlagen gesteigert, so lange, bis der Körper sichtbar gut durchblutet ist. Am besten ist es, wenn zwei Bündel Wenik zur Verfügung stehen. Im Sommer werden hierfür oft frische Birkenzweige benutzt, im Winter dagegen getrocknete Zweige, die jedoch vor dem Saunagang in heißem Wasser eingeweicht werden. Wichtig ist, dass sich an den Zweigen noch Blätter befinden, weil das Quästen ansonsten sehr schmerzhaft sein kann.
Normalerweise macht man in der Banja zwei bis vier Saunagänge. Nach jedem Gang gilt es, sich komplett abzukühlen. Im Winter kann man sich – so vorhanden – einfach im Schnee wälzen. Ansonsten tut es auch ein Tauchbecken, ein Schwall kaltes Wasser von oben oder die kalte Dusche. Zwischen den Gängen wird gegessen und getrunken, geredet und es werden Geschäfte gemacht.
Die Banja ist wie jede Sauna gut für die Durchblutung und die Abwehrkräfte und wirkt gegen Muskelverspannungen. Für Menschen mit Bluthochdruck, Herzproblemen, akuten Entzündungen oder Venenleiden ist die Banja ebenso wie jede andere Sauna nicht geeignet. Gleiches gilt natürlich für den zu starken Genuss von Wodka, der besonders in den traditionellen Banjas reichlich fließt. Wie bei allem heißt auch bei dem Erlebnis Banja alles mit Maßen zu genießen.
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