12. Mai 2010
Von Andreas Hadel
Kohlenhydrate in rauen Mengen und möglichst wenig Fett. Das ist die gängige Richtlinie der meisten ambitionierten Läufer, wenn es um eine sportgerechte Ernährungsplanung geht. Immerhin hat sich das Aufladen mit Kohlenhydraten vor den Wettkampftagen nicht ohne Grund zu einer wahren Tradition etabliert. Dennoch gibt es immer mehr Studien, die den Nutzen fettreicher Diäten für Läufer ermitteln. Bisher konnten die Ergebnisse noch nicht vollkommen überzeugen, zumindest hinsichtlich der Zeiten auf den Laufbahnen. Aber eine aktuelle Untersuchung brachte nun zum Vorschein, dass Fette offenbar das Verletzungsrisiko von Läufern senken können.
Die Studie, die im "Journal of the International Society of Sports Nutrition" veröffentlicht wurde, zeigte einen direkten Zusammenhang zwischen dem Konsum von Nahrungsfetten und der Verletzungsanfälligkeit von Läuferinnen. Athletinnen, die wenig Fett in ihrer täglichen Ernährung zu sich nahmen, hatten eine um 64 Prozent höhere Rate, Überlastungsreaktionen zu zeigen. Darunter ITBS, Stressfrakturen, Entzündungen der Achillessehne und andere Verletzungen, die im Laufsport vorkommen können.
Fette tun mehr, als bloß gut zu schmecken. Fette sind eine notwendige Komponente in der Diät eines ambitionierten Athleten. Und dabei ist die praktizierte Sportart vollkommen irrelevant. Eine angemessene Menge an gesunden Fetten (zwischen 20-35% der gesamten Tageskalorienmenge) verhindert das Entstehen von Vitamin D– und Vitamin K–Mangel. Fette spielen außerdem bei der Regulation des Menstruationszykluses eine wichtige Rolle. Entscheidend für die Verletzungsanfälligkeit ist jedoch, dass Fette auch eine Transportfunktion erfüllen und so an der Regeneration des passiven Bewegungsapparates mitwirken.
Viele ernsthafte Läufer verbrennen Tag für Tag bei ihren Trainingseinheiten enorme Mengen an Kalorien. Wer sich ausschließlich auf eine fettarme Ernährung verlässt, kann unter Umständen Probleme bekommen, die benötigte Kalorienmenge zu konsumieren, um die Energiespeicher wieder komplett aufzufüllen. Fette haben doppelt so viele Kalorien wie Kohlenhydrate und können daher als solide Energieträger in Betracht gezogen werden. Nüsse sowie fettreiche Fischsorten sind nur zwei Beispiele für gesunde Fettlieferanten.
Die vorherrschende Diätmeinung der 90er Jahre lehrte uns, dass Fettkalorien uns übergewichtig machen würden. Diese falsche Annahme wird nun nach und nach durch eine stärker differenzierte Ansicht verdrängt. Tatsächlich ist es das Zusammenspiel aus Zucker und gesättigten Fettsäuren, die unsere eigenen Fettspeicher zum Bersten bringen.
Sie können also beruhigt die Avocado als Zutat für Ihren Salat willkommen heißen oder vom fettfreien Kontaktgrill zurück zum Pfannenbraten mit Olivenöl wechseln. Mandelbutter ist auf Grund des hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren ebenso ein idealer Fettlieferant wie Kokosnussöl.
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