21. November 2008
Von Andreas Hadel
Egal ob Anfänger oder ambitionierter Wettkampfsportler und ungeachtet der betriebenen Sportart, hat sich jeder schon einmal einen Muskel gezerrt. Und obwohl die Zerrung zu den gängigsten Sportverletzungen zählt, sind sich Athleten wie Trainer häufig gleichermaßen darüber unsicher, was man tun sollte, um möglichst schnell die körperliche Leistungsfähigkeit wieder komplett herzustellen.

In der Regel handelt es sich bei den meisten Zerrungen nicht um wirklich schwerwiegende Verletzungen. Dennoch kann sich jedoch bei falscher Behandlung eine Heilung über mehrere Wochen, manchmal sogar Monate erstrecken und damit zum Greifen nah scheinende Fitnessziele in die Ferne rücken oder eine Wettkampfvorbereitung zum scheitern bringen.
Von einer Muskelzerrung spricht man, wenn es zu einer Aufdehnung muskulärer Gewebestrukturen kommt. In schlimmeren Fällen kann es sogar zu einer Zerstörung der kontraktilen Gewebe kommen. Ist das Gewebe soweit beeinträchtigt, dass ganze Muskelfasern davon betroffen sind, liegt ein Muskelfaserriss vor. Letzterer tritt jedoch vergleichsweise selten auf und kann im Zweifelsfall auch ertastet werden.
Durch das Aufdehnen des Muskelgewebes steigt der Muskeltonus abrupt an, wodurch ein deutlich spürbarer Bewegungsschmerz erzeugt wird. Ursachen für eine Zerrung können eine unzureichende Elastizität des Muskels, eine Muskelübermüdung oder eine fehlerhafte intramuskuläre Koordination sein. Dass man mit einem ausgiebigen Aufwärmprogramm eine Zerrung ausschließen könnte, ist demnach nicht ganz richtig. Zwar kann man dadurch das Risiko deutlich verringern, eine steife Muskulatur bleibt jedoch trotzdem der größte Risikofaktor. Diese Tatsache stellt Schnellkraft- und Maximalkraftsportler vor eine Gewissensfrage, da diese für optimale Leistungen eine erhöhte Grundspannung in der Muskulatur benötigen. Dynamisches Stretching könnte dabei ein Kompromiss sein, um das Verletzungsrisiko zu verringern und trotzdem den Tonus nicht zu sehr zu reduzieren.
Vor relativ kurzer Zeit herrschte in der Sportmedizin die Meinung vor, dass man bei einer Zerrung abhängig vom Schweregrad mit der sportlichen Belastung bis zu zwei Wochen komplett aussetzen muss. Für ambitionierte Athleten und enthusiastische Fitnesssportler ist das natürlich nicht hinnehmbar. Kein geringerer als Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der Arzt der deutschen Fußballnationalmannschaft, hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich in den letzten Jahren neue und vor allem schnellere Behandlungsmethoden bei einer Muskelzerrung durchgesetzt haben.
Das oberste Gebot bei der Behandlung einer Muskelzerrung lautet, den Muskeltonus so schnell wie möglich wieder zu normalisieren. Dafür hat sich das folgende Behandlungsmuster als sehr wirksam erwiesen:
Der erste Schritt ist es, den betroffenen Muskel zunächst für 20-30 Minuten zu kühlen. Anschließend sollte die gezerrte Muskulatur passiv bis zu 20 mal gedehnt werden. Das darf jedoch ausschließlich im schmerzfreien Bereich passieren.
Schon nach wenigen Stunden oder spätestens nach einen Tag sollte der Sportler die Körperregion wieder leicht belasten. Wobei auch hierbei nur der schmerzfreie Bewegungsbereich zu berücksichtigen ist. Begleitend dazu wird der Muskel vorsichtig gedehnt.
Dieses Muster sollte täglich zwei- bis viermal ausgeführt, wobei der Patient versucht muss, seinen schmerzfreien Bewegungsumfang vorsichtig zu vergrößern. Mit dieser Methode können auch schwerere Muskelzerrungen innerhalb von fünf bis sieben Tagen fast komplett ausgeheilt werden.
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