Chronische Wunden - Ursachen, Heilungsverlauf und Behandlung

Unter chronischen Wunden versteht man Wunden, die über einen Zeitraum von mehr als vier Wochen nicht abheilen. Es gibt verschiedene Ausprägungsformen; ebenso können die Auslöser verschieden sein. Die richtige Wundpflege inklusive Säuberung ist sehr wichtig, um Verschmutzungen und Infektionen zu vermeiden. Lesen Sie alles Wissenswerte über chronische Wunden.

Chronische Wunden erkennen und richtig säubern und behandeln

Chronische Wunden - Merkmale und Ursachen

Wunden, die sich nur langsam entwickeln und auch nach über vier Wochen noch nicht abgeheilt sind, bezeichnet man als chronische Wunden. Es kann aus unterschiedlichen Gründen zu einer chronischen Wunde kommen. Möglich sind beispielsweise

Zu den typischen chronischen Wunden zählen das Unterschenkelgeschwür Ulcus cruris sowie das Wundliegegeschwür Dekubitus. Des Weiteren können auch akute Wunden zu chronischen werden, wenn sie nicht richtig gepflegt werden.

Arten von chronischen Wunden

Man zählt folgende Wunden zu den chronischen Wunden:

  • Dekubitus, ein Druckgeschwür
  • Ulcus curis venosum als Folge einer chronisch venösen Insuffizienz
  • Ulcus cruris arteriosum als Folge eines arteriellen Gefäßverschlusses
  • Ulcus cruris mixtum als Folge einer chronisch venösen Insuffizienz mit arterieller Gefäßbeteiligung
  • diabetisches Fußsyndrom
  • sekundäre Wundheilungsstörungen

Meistens liegt eine primäre Erkrankung vor, die auf einer Durchblutungsstörung basieren. Als Folge können unterschiedliche Wunden entstehen.

Fuß auf einem Gitter, diabetischer Fuß mit großer offener Wunde an der Fußsohle
Fuß auf einem Gitter, diabetischer Fuß mit großer offener Wunde an der Fußsohle

Folgen und Heilungsverlauf

Die Wundheilung kann durch verschiedene Faktoren verschlechtert werden, so etwa durch Übergewicht oder Rauchen. Es kann zu großen Einschränkungen im Alltag der Betroffenen kommen.

Hinzu kommen zahlreiche Arztbesuche, die auch auf die Psyche schlagen. Solange man die Ursache nicht behebt, bleiben die Chancen auf Heilung gering. Es gilt somit - neben der fachgerechten Versorgung der Wunde - die Grunderkrankung möglichst zu behandeln.

Hinweise zur richtigen Behandlung

Wie bereits erwähnt, ist es wichtig, die Ursache der chronischen Wunde zu beseitigen. Nur dann ist eine Heilung möglich.

Reinigung der chronischen Wunden und Vermeiden von Infektionen

Mindestens ebenso wichtig ist es jedoch, die Wunde sauber zu halten; nur so können weitere Folgen vermieden werden. Bei jeder Wunde ist die Hautbarriere zerstört, was Erregern den Eintritt deutlich erleichtert. Pflegt man die Wunde nicht richtig, kann es zu Verschmutzungen und Infektionen kommen.

Der Reinigung kommt eine große Bedeutung zu. Diese wird beispielsweise mit medizinischen Spüllösungen durchgeführt.

Gibt es abgestorbenes Gewebe, so muss dieses entfernt werden. Im Rahmen des Débridements wird vom Arzt unter Betäubung das Gewebe mithilfe einer Klinge entfernt.

Als Alternative kommt das Auftragen von enzymatisch wirkenden Stoffen in Frage; ebenso können Maden die toten Zellen ablösen. Die Größe sowie die Art der Wunde entscheiden über das jeweils beste Verfahren.

Antibiotika bei chronischen Wunden

Bei bakteriellem Befall kommt neben der Reinigung auch eine Antibiotikatherapie zur Anwendung. Man kann das Mittel als Tablette einnehmen oder erhält es über einen venösen Zugang.

Wundversorgung einer Wunde mit dicker Kruste
Wundversorgung einer Wunde mit dicker Kruste

Abdecken

Chronische Wunden lassen sich nicht verschließen, solange eine Infektion vorliegt. Eine sicheres Abdecken mit Wundauflagen ist daher unumgänglich. Die Wundränder können dadurch nicht austrocknen, und ebenso können erneute Infektionen vermieden werden. Man unterscheidet

  • inaktive Wundauflagen zur Aufnahme von Wundsekret
  • interaktive Wundauflagen zur aktiven Unterstützung des Heilungsprozesses und
  • bioaktive Wundauflagen, wie etwa Hauttransplantate.

Bei inaktiven Wundauflagen besteht die Gefahr, dass sie die Wunde durch ihre starke Saugfähigkeit austrocknen; außerdem verkleben sie oft mit dem Wundgrund. Beim Wechseln des Verbands kann es sein, dass sich neu gebildetes Gewebe mit ablöst.

Bei interaktiven Wundauflagen entfällt der Nachteil mit dem Verkleben; und auch bleibt es konstant feucht. Die Zerfallsprodukte der Erreger werden von ihnen aufgenommen, sodass sie vor Infektionen schützen.

Die Wundheilung unterstützen

Um die Heilung zu beschleunigen, können unterschiedliche physikalische Verfahren angewendet werden. Zu diesen zählt die Vakuumversiegelung; dabei legt man einen Schwamm mit einem Unterdrucksystem an die offene Wunde - dadurch wird

  • die Wundfläche verkleinert
  • die Gewebedurchblutung verbessert
  • vor Erregern geschützt
  • der Abtransport von Blut und Wundsekret verbessert

Des Weiteren kommt die hyperbare Sauerstofftherapie oder auch Ganzkörperdruckkammertherapie zur Anwendung, so etwa beim diabetischen Fuß. Der bzw. die Betroffene atmet dabei reinen Sauerstoff in einer Druckkammer ein.

Schmerzen behandeln

Und schließlich gilt es, mögliche Schmerzen zu behandeln. Je nach Ausmaß wird ein Schmerztherapeut eingebunden. Schmerzmittel können je nach Beschwerdestärke als

  • Salben
  • Tabletten
  • Spritzen oder
  • Infusionen

verabreicht werden.

Ernährung bei chronischen Wunden

Wie gut eine Wunde verheilt, hängt mitunter auch von der Ernährungsweise des Patienten ab. Wichtig sind ausreichend

  • Vitamine
  • Proteine
  • Spurenelemente und
  • Mineralstoffe.

Bei chronischen Wunden wird mehr Energie verbraucht - der Nährstoffbedarf ist somit erhöht. Viele Nährstoffe gehen zudem bei Wunden, die viel Sekret absondern, verloren.

Betroffene leiden häufig unter einer Mangelernährung; die Anzeichen dafür werden jedoch oft nicht erkannt. Als Mangelernährung gilt in diesem Zusammenhang ein unabsichtlicher Gewichtsverlust von über 5 Prozent des Körpergewichts innerhalb eines Monats oder von über 10 Prozent innehralb der vergangenen sechs Monate.

Um eine Mangelversorung zu vermeiden, sollten Menschen mit chronischen Wunden folgende Grundregeln beachten:

  • die Deckung eines erhöhten Bedarfs an Spurenelementen, Vitaminen, Flüssigkeit, Proteinen und Kalorien durch die Ernährung
  • die Erhaltung der fettfreien Körpermasse und Muskelmasse
  • die Vermeidung möglicher Komplikationen, z.B. Infektanfälligkeit und Immobilisierung

Chronische Wunden: Wissenswertes zum Expertenstandard

Pflegefachkräfte und Pflegeeinrichtungen tragen eine große Verantwortung bei der Versorung von Menschen mit chronischen Wunden. Für sie wurde der Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden vom Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) erarbeitet.

Dabei gibt es fünf Handlungsebenen, die den Expertenstandard aufteilen; eine dieser Ebenen befasst sich mit Schulung, Beratung und Information. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Befähigung des Betroffenen, sich auch aktiv selbst an der Wundversorgung zu beteiligen.

  • Handlungsebene 1: Einschätzungsebene - dient der Identikation von Menschen, die von chronischen Wunden betroffen
  • Handlungsebene 2: Planungsebene - dient der Wissensvermittlung zur Behandlung von wundbedingten Einschränkungen
  • Handlungsebene 3: Durchführungsphase - dient der Maßnahmenkoordination und Netzwerkbildung
  • Handlungsebene 4: Beratungsphase - dient der Information, Beratung, Schulung und Anleitung
  • Handlungsebene 5: Beurteilungsphase - dient der Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen

Patienten mit schweren chronischen Wunden sollen befähigt werden, viele Aspekte der Wundpflege selbst zu übernehmen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang beispielsweise auch das Wissen darüber, wann ein Verbandswechsel erfolgen muss.

Auch die Angehörigen eines Patienten sollten bei dieser Arbeit mit einbezogen werden. Es gibt spezielle Kurse dieses Expertenstandards, in denen alle Aspekte gelehrt werden.

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Quellenangaben
  • infected wound of diabetic foot © ittipol - www.fotolia.de
  • Wound dressing © vladans - www.fotolia.de
  • wound of diabetic foot © saritphoto - www.fotolia.de

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