Anwendung und Wirkung unterschiedlicher Gegengifte (Antidota)

Grüne Giftschlange (Buschviper) mit aufgerissenem Mund

Zur Reduzierung der schädlichen Wirkung des Gifts und dessen Umwandlung in weniger giftige Stoffe

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  • von Paradisi-Redaktion

Bei Antidota handelt es sich um Gegenmittel gegen Gifte. Sie werden bei unterschiedlichen Vergiftungen verabreicht.

Antidota bezeichnet man auch als Antitoxine oder Gegengifte. Gemeint sind damit stoffliche Gegenmittel zu Toxinen, Giften, Medikamenten oder anderen schädlichen Substanzen. Ein Antidot verfügt über die Eigenschaft, ein Gift inaktiv zu machen bzw. seine Wirkung aufzuheben oder zumindest abzuschwächen.

Wirkung von Antidota

Antidota sind in der Lage, die giftige Wirkung einer schädlichen Substanz zu reduzieren. Außerdem können sie

  • giftige Substanzen in weniger giftige Stoffe umwandeln
  • einen Giftstoff vom Wirkungsort verdrängen
  • Giftstoffe an sich binden sowie
  • die Verstoffwechselung und das Ausscheiden des Giftes beschleunigen.

Manche Gegengifte verfügen über mehrere dieser Eigenschaften.

In der Medizin unterscheidet man zwischen zwei unterschiedlichen Arten von Antidota: dabei handelt es sich um das Dekorporierungsantidot und das funktionelle Antidot.

Während das Dekorporierungsantidot ein Gift direkt an sich bindet und damit neutralisiert, kann das funktionelle Antidot den Giftstoff zwar nicht direkt an sich binden, seine Wirkung jedoch abschwächen. Das Wirkungsprinzip sämtlicher Gegengifte beruht auf chemischen Reaktionen, biochemischen Abläufen sowie physikalischen Effekten.

Manche Gegengifte können ebenfalls eine giftige Wirkung haben. Daher lassen sie sich nur in begrenztem Maße prophylaktisch einsetzen.

Weitere notwendige Maßnahmen

Darüber hinaus reicht die Gabe eines Antidots nicht immer aus, um eine Vergiftung erfolgreich zu behandeln. So können auch weitere Maßnahmen notwendig sein, wie

  • das Sichern der Vitalfunktionen
  • provoziertes Erbrechen
  • eine Magenspülung
  • das Verabreichen von Aktivkohle
  • die Gabe von Laxantien
  • eine forcierte Diurese
  • eine Hämodialyse oder
  • eine Urin-Alkalisierung.

Verfügbarkeit

Laut Apothekenbetriebsordnung müssen Antidota bei Bedarf in jeder Apotheke umgehend zu Verfügung stehen. Zu diesen Gegengiften gehören unter anderem Mittel gegen Vergiftungen mit

  • Cyaniden
  • Opioiden
  • Cholinesterasehemmern und
  • Methämoglobinbildern.

Die häufigsten Vergiftungsfälle sind Vergiftungen mit Medikamenten. Aber auch tierische Gifte, pflanzliche Gifte sowie Bakterien- und Pilzgifte können zu schweren Intoxikationen führen.

Im Folgenden stellen wir Ihnen unterschiedliche Gegengifte einmal genauer vor.

Beispiele für Antidota gegen tierische Gifte

In seltenen Fällen werden Antidota auch gegen tierische Gifte eingesetzt. Zu den bekanntesten Gegengiften gehören Antiseren gegen Schlangenbisse.

Während hierzulande kaum mit gefährlichen Vergiftungen durch Tiere zu rechnen ist, besteht bei Fernreisen in exotische Gebiete durchaus die Gefahr, von einem giftigen Tier gebissen zu werden. Gegen bestimmte Vergiftungen, wie zum Beispiel durch Schlangengift, lassen sich im Notfall Gegengifte verabreichen.

Schlangengift

Schlangenbisse kommen zwar nur selten vor; treten sie jedoch einmal ein, haben sie meist unangenehme Folgen. Giftschlangen verfügen über die Fähigkeit, in ihren Giftdrüsen komplexe Konzentrate aus aktiven Toxinen und Enzymen zu bilden. Nach einem Schlangenbiss, bei dem Gift freigesetzt wird, kann es zu einer örtlichen Nekrose sowie zur Bildung einer Hämorrhagie und eines Ödems an der Bissstelle kommen.

Allerdings setzen nicht alle Giftschlangen ihr Gift frei, wenn sie einen Menschen beißen. In diesem Fall handelt es sich um einen trockenen Biss, sodass kein Antidot nötig ist. Grundsätzlich verabreicht man Antiseren gegen Schlangenbisse nur bei akuten Vergiftungserscheinungen oder erheblichen Beschwerden.

Gewinnung und Verabreichung von Antiseren

Pharmaunternehmen schwört auf die Heilkraft von Schlangengift

Grüne Otter (Giftschlange) vor schwarzem Hintergrund
Gumprecht's green pitviper (Trimeresurus gumprechti ) © mgkuijpers - www.fotolia.de

Nördlich von Hamburg hat das Pharmaunternehmen Nordmark die größte Schlangenfarm Europas gebaut. Ziel des Konzerns ist es, Schlaganfallpatienten mit Hilfe von Substanzen aus den Giftdrüsen der malaiischen Grubenotter zu helfen. Im nächsten Jahr schon soll eine Studie die Wirksamkeit des Schlangengiftes unter Beweis stellen.

Bei der Substanz handelt es sich um ein blutverdünnendes Enzym, welches aus dem Gift gewonnen wird. Nordmark hofft nach einer erfolgreichen Studie auf einen weltweiten Umsatz mit Viprinex von rund zehn Milliarden US-Dollar.

Gewonnen werden Antiseren zumeist von Tieren wie

  • Pferden
  • Kaninchen oder
  • Schafen,

die man mit einem Antigen impft. Bei Antigenen handelt es sich um körperfremde Proteine wie Gifte oder Krankheitserreger, die vom Immunsystem als feindlich erkannt und entsprechend bekämpft werden. Bei dieser Immunantwort kommt es zur Herstellung von spezifischen Antikörpern gegen die körperfremde Substanz.

Bei tierischen Giften wie Schlangengift und Skorpiongift oder Spinnengift beginnt man stets mit einer kleinen Dosis. Diese wird dann Schritt für Schritt gesteigert. Sollen die Antikörper als Gegenmittel gegen Schlangengift dienen, behandelt man sie fermentativ, damit es nicht zu einer Immunreaktion gegen die Proteine kommt.

Falls erforderlich, muss das Antiserum möglichst rasch verabreicht werden. Dies erfolgt in der Regel auf intravenöse Weise. Welches Antidot letztlich zur Anwendung gelangt, hängt von der Art der Schlange und deren Giftstoff ab.

Beispiele für Antidota gegen pflanzliche Gifte

Verschiedene Pflanzen können zu schweren Vergiftungen führen, die das Verabreichen eines Antidots erforderlich machen. Ein Gegengift gegen Vergiftungen mit Tropanalkaloiden ist Physostigmin.

Physostigmin

Bei Physostigmin handelt es sich um ein Indolalkaloid, das dem Samen der Kalabarbohne entstammt. Es zählt zu den indirekten Parasympathomimetika.

So sorgt Physostigmin dafür, dass sich die Wirkung des parasympathischen Nervensystems im Organismus verstärkt. Außerdem bewirkt es als Acetylcholinesterase-Hemmer, dass Acetylcholin abgebaut wird.

Verwendung

Zur Anwendung kommt Physostigmin als Antidot bei Vergiftungen mit pflanzlichen Tropanalkaloiden wie

  • Atropin
  • Scopolamin und
  • Hyoscyamin.

Aber auch bei einer Überdosierung von Stoffen wie

gelangt Physostigmin zum Einsatz.

Kontraindikation

Nicht verabreicht werden darf das Antidot bei bestimmten Krankheiten wie

Digitalis-Antidot

Ein weiteres bewährtes Gegengift ist das Digitalis-Antidot. Es wird bei einer Digitalisvergiftung verabreicht. Zu einer solchen Vergiftung kann es durch eine Überdosierung mit Digitoxin, Digoxin oder Digoxin-Derivaten kommen.

Nicht selten werden diese Stoffe in selbstmörderischer Absicht verabreicht. Sie führen zu schweren und lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen.

Das Digitalis-Antidot besteht aus Fab-Antikörperfragmenten von IgG-Immunglobulinen, die man aus dem Blutserum von immunisierten Schafen gewinnt. Die Wirkung des Gegengifts beruht darauf, dass es schnell und fast vollständig an das freie Digitalis-Glykosid gebunden wird.

Infolgedessen kommt es zur Neutralisation des Giftstoffes. Nach der Anwendung eines Digitalis-Antidots gehen die gefährlichen Herzrhythmusstörungen nach einigen Stunden wieder zurück.

Naloxon

In der Notfallmedizin eingesetzt wird Naloxon, um eine Opiatüberdosierung, wie zum Beispiel durch Heroin, zu bekämpfen. Setzt man Naloxon intravenös bei Atemdepressionen oder sogar Atemstillstand ein, wirkt es bereits nach wenigen Sekunden.

Naloxon zählt zu den reinen Opiat-Antagonisten. Das heißt, dass es die Wirkungen, die durch Opioide und Opiate entstehen, wieder aufhebt.

Weitere Antidota gegen pflanzliche Gifte sind Natriumsulfit bei einer Nikotinvergiftung sowie Kortison bei einer Vergiftung mit dem gefleckten Aronstab.

Beispiele für Antidota gegen Bakterien- und Pilzgifte

Antidota dienen als Gegenmittel bei Vergiftungen, so auch gegen Bakterien- und Pilzgifte.

Antitoxine gegen Bakteriengifte

Zu den bekanntesten Erkrankungen, die durch Bakteriengifte entstehen, gehört Diphtherie. Die ansteckende Krankheit wird von dem Corynebacterium diphtheriae verursacht. Dieses sondert den Giftstoff Diphtherietoxin ab, das für lebensgefährliche Komplikationen verantwortlich ist. So kann es zu

kommen. Um die Diphtherie zu behandeln, besteht die Möglichkeit, ein Antitoxin zu verabreichen. Dabei handelt es sich um ein Antikörperserum, dass die im Organismus vorhandenen Bakteriengifte neutralisiert. In der Regel gewinnt man Antitoxine aus dem Blutserum von genesenden Menschen oder von Labortieren.

Antidota werden auch gegen Pilzgifte eingesetzt
Antidota werden auch gegen Pilzgifte eingesetzt

Antidota gegen Pilzgifte

Pilzgifte gelangen durch den Verzehr von giftigen Pilzen in den Organismus und führen dort zu Vergiftungserscheinungen, die mitunter sogar lebensgefährlich sein können. Zu den gefährlichsten Pilzgiften gehören Amatoxine wie Alpha- und Beta-Amanitin. Diese Zellgifte kommen im Grünen Knollenblätterpilz vor.

Bemerkbar macht sich eine Vergiftung mit Amatoxinen durch

Als Antidot gegen die Pilzgifte hat sich Silibinin bewährt. Dabei handelt es sich um eine aktive Substanz aus der Mariendistel. Nicht selten kombiniert man das Silibinin mit einem Beta-Lactam-Antibiotikum, um den antidotischen Effekt zu verstärken.

Das Silibinin hemmt die Aufnahme der Amatoxine und stabilisiert die Zellmembranen der Hepatozyten. Durch die Behandlung mit Silibinin konnte die Sterblichkeitsrate bei Knollenblätterpilzvergiftungen deutlich reduziert werden.

Ein weiteres Antidot gegen Pilzgifte ist Atropin. Man setzt es bei Vergiftungen mit dem Alkaloid Muskarin ein, welches im Ziegelroten Risspilz vorkommt. Das Atropin, das selbst zu Vergiftungen führen kann, bewirkt eine Hemmung der muskarinartigen Effekte. Außerdem wird die Signalübertragung in der Nervenleitung unterbrochen.

Grundinformationen zu Vergiftungen

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Attacking snake / Atheris nitschei © mgkuijpers - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Amanita poisonous mushroom © IKO - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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