Wundpflege - Tipps zur Behandlung, Versorgung und Reinigung verschiedener Wunden

Wunden sind Verletzungen der Körperoberfläche, die durch eine Durchtrennung von Gewebe verursacht werden. Um eine optimale Wundheilung zu gewährleisten, ist eine gute Wundpflege hilfreich.

Von Jens Hirseland

Aufgeschürfte Knie, ein Schnitt in den Finger, Kratzer am Ellenbogen - vor allem Kinder sind etlichen Verletzungsquellen ausgesetzt. Der Schreck ist zwar groß, doch meistens heilen kleinere Wehwehchen schnell wieder ab. Viele Wunden kann man selbst versorgen, doch bei größeren Verletzungen ist ärztliche Hilfe nötig.

Ursachen von Wunden und anschließende Wundheilung

Wunden entstehen durch oberflächliche Verletzungen der Haut, bei der es zu einer Trennung von Gewebe kommt. Ursache für Wunden sind meist äußere Gewalteinwirkung oder bestimmte Krankheiten. Auch ein Geschwür (Ulkus) kann für eine Wunde verantwortlich sein.

Nach der Bildung einer Wunde setzt der natürliche Wundheilungsprozess des Körpers ein. Damit dieser optimal verlaufen kann, ist es wichtig die Wunde entsprechend zu versorgen und zu pflegen. Dabei hängt es von der Art der Wunde, ihrer Tiefe und der Hautschicht ab, auf welche Weise die Wundpflege erfolgt.Besonders wichtig ist es auch, die Wunde steril (keimfrei) zu halten.

Verlauf

Der Verlauf einer Wundheilung hängt von dem Ausmaß der Wunde ab. Bei normaler Wundheilung heilt eine oberflächliche Wunde meist nach einigen Tagen wieder ab. Tiefere Wunden benötigen mehr Zeit.

Eine gute Wundpflege begünstigt meist den Heilungsprozess, denn eine Wunde, die sich nicht infiziert, kann wesentlich schneller heilen als eine Wunde, die eitert oder entzündet ist.

Komplikationen

Wunden können sowohl oberflächlich, wie zum Beispiel bei Schürfwunden, als auch tiefergehend sein, wie bei Schnitt- oder Stichwunden.

Bei tiefer liegenden Wunden besteht die Gefahr, dass Strukturen wie Sehnen, Nerven oder Muskeln in Mitleidenschaft gezogen werden. Besonders gefährlich sind Keime, die in die Wunde eindringen und Hautinfektionen hervorrufen.

Auch

können unter Umständen entstehen. Bei bestimmten Krankheiten, wie zum Beispiel Diabetes mellitus, besteht außerdem die Gefahr von Wundheilungsstörungen.

Wundheilungsstörungen

Problematisch sind Wundheilungsstörungen, die durch bestimmte Erkrankungen verursacht werden. Dann besteht die Gefahr von chronischen Wunden. Dies sind Wunden, die auch nach vier Wochen noch nicht verheilt sind. So leiden Diabetiker beispielsweise oftmals unter offenen Beinen (Ulcus cruris).

Tetanus-Impfung gegen Wundinfektionen

Bei jeder Abschürfung oder Schnittwunde verliert die Haut ihre natürliche Schutzbarriere und Krankheitserreger haben leichtes Spiel. Dringen Keime und Schmutz in eine Wunde ein, kann es zu Infektionen kommen.

Als besonders gefährlich erweisen sich Tetanus-Bakterien, die den gefürchteten Wundstarrkrampf auslösen können. Daher sollte immer ein ausreichender Schutz durch eine Tetanus-Impfung bestehen.

Der Tetanus-Impfschutz gehört zu den Standardimpfungen. Für Kinder ab einem Alter von zwei Monaten empfiehlt sie Ständige Impfkommission (STIKO) die erste Tetanusimpfung, Erwachsene sollten den Tetanusschutz im Rhythmus von zehn Jahren auffrischen.

  • Frauenarm bekommt Verband um Handgelenk

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  • Männliche Hand klebt Pflaster auf Wunde am Finger

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  • Nahaufnahme bandagierte Frauenhand mit Wunde auf Handfläche

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  • Verbandsmaterial wie Pflaster, Schere und Mullbinde liegen vor einem Erste Hilfe-Verbandskasten

    © Zerbor - www.fotolia.de

Behandlung und Pflege von Wunden

Oberflächliche, kleine Wunden können selbst behandelt werden. Bei tiefen, großen Wunden muss jedoch ein Arzt hinzugezogen werden.

Mittel zur Wundbehandlung

Erforderlich für die Wundbehandlung und Wundpflege sind

Um nötigenfalls Erste Hilfe zu leisten, sollten stets ausreichend Mullbinden und Kompressen in der Hausapotheke auf Lager sein. Ein Verbandskasten sollte der DIN 13157 entsprechen.

Medikamentöse Wundbehandlung

Für die Behandlung und Pflege von Wunden sind bestimmte Medikamente hilfreich. Diese enthalten Wirkstoffe wie

  • Povidon-Jod für das Abtöten von Keimen auf der Haut
  • Zink zur Entzündungshemmung, Juckreizlinderung und Förderung der Wundheilung
  • Dexpanthenol zur Förderung der Wundpflege
  • Lebertran, Hexetidin, Tyrothricin zur Behandlung von Hautinfektionen und Unterstützung der Wundpflege
  • 8-Chinolinolsulfat-Kaliumsulfat zum Abtöten von Krankheitserregern auf der Haut sowie
  • Salicylsäure zur Entzündungshemmung und Schmerzstillung.

Behandlung von kleineren Wunden

Bei kleinen Wunden, die nur leicht bluten, genügt in der Regel das Auftragen eines Pflasters oder eines einfachen Schutzverbandes. Das Verbandsmaterial sollte möglichst steril sein, um Infektionen zu vermeiden.

Schürfwunden, die verschmutzt sind, müssen vor dem Verbinden mit Wasser gesäubert werden. Für die Desinfektion der Haut kann man antiseptische Salben oder Lösungen, die Povidon-Jod enthalten, anwenden. Wenn man die blutende Wunde einer anderen Person behandelt, ist es ratsam stets Schutzhandschuhe zu verwenden.

Behandlung von größeren Wunden

Größere Wunden wie

müssen ärztlich behandelt werden. Bei solchen Verletzungen besteht immer die Gefahr von großem Blutverlust und Infektionen. Auch bei Wunden im Gesicht sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden, damit keine sichtbaren Narben entstehen. Zudem muss immer auf den Impfschutz geachtet werden, um Tetanus zu verhindern.

Ist eine ärztliche Behandlung der Wunde erforderlich, wird diese desinfiziert und gegebenenfalls chirurgisch behandelt, um die Blutung zu stoppen. Kommt es zu einer Infektion mit Rötungen, Eiterbildung und Schmerzen wird die Wunde gründlich gereinigt. Zudem können Antibiotika verabreicht werden.

Trockene und feuchte Wundbehandlung

  • Bei der Behandlung und Pflege von Wunden wird zwischen trockener und feuchter Wundbehandlung unterschieden. Bei einer trockenen Wundbehandlung wird eine sterile Kompresse auf die Verletzung gelegt. Anschließend wickelt man eine Mullbinde um die Wunde. Auf diese Weise werden die meisten akuten Wunden versorgt.

  • Bei feuchten Wundbehandlungen wird die Wunde hingegen feucht gehalten. Dazu werden spezielle Wundauflagen verwendet, die dafür sorgen, dass die Wunde stets feucht bleibt. Diese Behandlung erfolgt nach der trockenen Erstversorgung und wird immer häufiger angewendet, da durch die Feuchtigkeit die Wunde besser verheilen kann. Außerdem wird sie auf diese Weise vor Keimen und äußeren Einflüssen besser geschützt.

Bei der Wundpflege muss zudem auf eine gute Belüftung der Wunde geachtet werden.

Hinweise zur Versorgung von Schürfwunden

Bei Schürfwunden können schnell Splitter, Schmutz oder Steinchen eindringen. Wunden sollten vorsichtig mit kühlem Wasser gereinigt werden, allerdings ohne zu wischen.

Kleinere Schmutzpartikel lassen sich mit einer desinfizierten Pinzette entfernen. Besteht Unsicherheit, ob noch Fremdkörper in der Wunde zurückgeblieben sind, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Pflaster oder Verbände eignen sich weniger zum Abdecken von Schürfwunden, da sie schnell mit den Wundrändern verkleben. Beim Wechsel der Wundauflagen könnten frische Hautzellen mit abgerissen werden. Kleine Verletzungen heilen an der Luft am besten.

Spezielle Gele unterstützen die feuchte Wundheilung. Auch Sprühverbände eignen sich zur Behandlung von Abschürfungen, halten die Wunde jedoch nicht feucht.

Hinweise zur Versorgung von Schnittwunden und Platzwunden

Schnitt- und Platzwunden können stark bluten und sich schnell infizieren. Deshalb kommt es in erster Linie darauf an, die Blutung zu stoppen. Die Verletzung sollte mit einer Kompresse oder einem Tuch abgedeckt werden.

Lässt sich eine Blutung nicht stoppen, muss ein Druckverband angelegt und der Notarzt benachrichtigt werden. Bei einem hohen Blutverlust kann Lebensgefahr bestehen. Klaffende Schnittwunden im Gesicht oder blutende Platzwunden am Kopf müssen eventuell geklammert oder genäht werden.

Um die besten Heilungserfolge zu erzielen, sollte die Behandlung innerhalb der nächsten sechs Stunden erfolgen. Der Arzt klärt auch, ob Strukturen wie Sehnen, Muskeln und Knochen verletzt wurden oder ob bereits Keime in tiefere Gewebeschichten eingedrungen sind.

Oberflächliche Platzwunden und Schnittverletzungen lassen sich ebenfalls mit Gelen behandeln, die eine feuchte Wundheilung fördern und eine Schutzbarriere gegen Krankheitserreger aus der Umgebung bilden.

Hinweise zur Versorgung von Bisswunden

Bisse oder Kratzer von Tieren bedeuten grundsätzlich eine hohe Infektionsgefahr, da Keime mit dem Speichel in die Wunden gelangen und Wundstarrkrampf oder eine Blutvergiftung auslösen können. Oft sehen diese Verletzungen nicht gefährlich aus, dennoch sind vor allem Bisswunden oft sehr tief sein und gehören deshalb in ärztliche Behandlung.

Befinden sich Fremdkörper wie Haare in der Wunde, sollten diese auf keinen Fall selbst entfernt werden. Biss- und Kratzwunden von Tieren müssen fachmännisch gereinigt, desinfiziert und verbunden werden.

Zudem ist es sinnvoll, in Erfahrung zu bringen, ob das Tier an Tollwut leidet. Seit 2010 sind nach Angaben der Welttiergesundheitsorganisation in Deutschland zwar keine Tollwutfälle durch Bisse von Hunden oder Füchsen aufgetreten, jedoch besteht ein Übertragungsrisiko durch Fledermäuse. Ebenso werden aus verschiedenen Ländern weiterhin Tollwutfälle gemeldet.

Alternative Behandlungsansätze

Immer häufiger kommen auch alternative Behandlungsmethoden zur Wundheilung und Pflege zum Einsatz. So wird zum Beispiel Honig zur Behandlung von bestimmten Wunden eingesetzt, um die Wundheilung zu beschleunigen. Eine weitere alternative Methode ist der Einsatz von Maden (Fliegenlarven), die auf schlecht heilende Wunden aufgesetzt werden, um auf diese Weise abgestorbenes Gewebe zu beseitigen.

Tipps zur Vermeidung von Wunden bei Kindern

Kinder wollen toben und sind nicht in der Lage, Verletzungsrisiken richtig einzuschätzen. Beim Skateboard- und Fahrradfahren sollten Kinder Knieprotektoren, Ellenbogenschützer und Schutzhelm tragen.

Im Haushalt sollten Scheren, Messer und andere spitze Gegenstände nicht erreichbar sein. Kindersichere Verschlüsse für Schranktüren oder Schubladen bieten einen guten Schutz. Beim Basteln und hantieren mit Werkzeugen sollten kleinere Kinder nie unbeaufsichtigt sein.