30. Oktober 2004

Belastungs-EKG Artikel

Politiker streiten noch... - Sie sollten mit der richtigen Vorbeugung aber schonmal anfangen!

In der derzeitigen gesundheitspolitischen Diskussion wird kaum ein Gesetzesvorhaben mit so viel Spannung erwartet wie das Präventionsgesetz. Noch streiten SPD und CDU darüber, wie dies verwirklicht werden soll. Denn trotz zahlreicher Erklärungen, die Prävention zu einer vierten Säule des Gesundheitswesens auszubauen, fehlt bis heute ein schlüssiges Konzept.


EKE - Dr. Oliver Bruder - Funktionsoberarzt in der Klinik für Kardiologie und Angiologie

Parteiübergreifend besteht aber kein Zweifel daran, dass der Schlüssel für die Zukunft unseres Gesundheitssystems nicht in der Heilung, sondern in der Vermeidung von Krankheiten liegt. Eine besondere Bedeutung bei der Verwirklichung dieses Ziels kommt dabei dem Sport zu.

Wir haben für Sie mit dem Herzspezialisten Dr. Oliver Bruder aus der renommierten Klinik für Kardiologie und Angiologie des Essener Elisabeth-Krankenhauses gesprochen und ihn gefragt, inwieweit Sport als Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen sinnvoll ist.

Dr. Bruder, ist Sport nun die beste Prävention oder bestehen bei körperlicher Anstrengung nicht auch Gefahren für die Gesundheit?

Dr. Bruder: Die Auswirkungen des Sports machen sich sowohl im positiven als auch im negativen Sinne hauptsächlich im Herz-Kreislaufbereich bemerkbar. Wir sprechen hier vom so genannten Fitness-Paradoxon: Das heißt, einerseits hat Sport eine vorbeugende Wirkung gerade für Herz-Kreislauferkrankungen, andererseits besteht beim Training das erhöhte Risiko eines plötzlichen Herztods. Allein in Deutschland sterben pro Jahr etwa 900 Sporttreibende daran.

Woher weiß ich nun aber, ob ich zu der Personengruppe gehöre, bei der Sport gefährlich werden kann?


EKE - Magnetresonanztomographie

Dr. Bruder: Um sicher zu gehen, sollte vor der Aufnahme einer sportlichen Aktivität immer ein gründlicher sportkardiologischer Check up mit Belastungstests, Ultraschalluntersuchung und ggf. auch Magnetresonanztomographie des Herzens stehen. Sporttreibende, bei denen während der Belastung das Herz aussetzt, haben fast immer eine kardiale Grunderkrankung. Die wenigsten von ihnen wussten dies jedoch zuvor. Bei jüngeren Sportlern sind meist angeborene Erkrankungen des kardialen Reizleitungssystems oder Herzfehler wie z.B. die hypertrophe Kardiomyopathie – eine genetisch bedingte Verdickung der Herzmuskulatur – die Ursache für den plötzlichen Tod. Diese Menschen können vorher über lange Zeit sehr leistungsfähig sein und dennoch unter Belastung plötzlich versterben. Bei über 40jährigen Sporttreibenden ist in den meisten Fällen eine unerkannte koronare Herzerkrankung der Grund für Herzinfarkte und plötzlich auftretendes Kammerflimmern des Herzens. Gezielte Vorsorgeuntersuchungen wie sie beispielsweise BodyGuard!, das Essener Zentrum für Präventionsmedizin, anbietet, decken solche kardiologischen Risikofaktoren auf und können dazu beitragen, eine große Zahl der Todesfälle beim Sport zu verhindern.

Inwieweit hat der Sport denn nun einen positiven Einfluss auf unseren Körper?

Dr. Bruder: Die meisten Menschen bewegen sich heute viel zu wenig. In der Arbeitswelt dominieren sitzende Tätigkeiten, und auch sonst sind wir in unserem Alltag meist nicht gezwungen, körperlich sehr aktiv zu sein. Unser Herz verhält sich jedoch wie jeder andere Muskel. Lässt man ihn in Ruhe, wird er träge und ist bei der geringsten Beanspruchung überanstrengt. Wird er dagegen trainiert, kann er mehr leisten. Wenn wir sportlich tätig sind, benötigt unser Körper mehr Sauerstoff. Das Herz, welches das Blut mit dem Sauerstoff durch den Organismus pumpt, muss mehr arbeiten. So wird der Herzmuskel trainiert. Aber nicht nur das Herz, sondern der gesamte Stoffwechsel wird durch körperliche Aktivitäten angekurbelt, die Skelettmuskeln werden stärker durchblutet und Nerven und Muskeln arbeiten besser zusammen. Außerdem senkt Sport den Blutdruck, den Blutzucker und die Blutfette und reduziert überflüssiges Körpergewicht – also all die Risikofaktoren, die Gefäßverkalkung fördern und damit Herzerkrankungen begünstigen. Ausreichende Bewegung verringert das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen um bis zu 50 Prozent.

Wie viel Sport sollte man treiben? Und woher weiß ich, welches der richtige Sport für mich ist?


EKE - Belastungs-EKG

Dr. Bruder: Wenn Sie etwas für Ihr Herz-Kreislaufsystem tun wollen, haben Ausdauersportarten, so genannte aerobe Sportarten, den größten Gesundheitseffekt. Aerob sind grob gesagt alle Sportarten, die Sie kontinuierlich 15 bis 45 Minuten bei einem Puls von unter 130 ausüben können. Das trifft beispielsweise auf Joggen, Walken, Schwimmen, Skilanglauf, Radfahren, Tanzen und Skaten zu. Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, ist ein tägliches 30- bis 60minütiges moderates Ausdauertraining zu empfehlen. Tennis, Fußball und andere Ballsportarten sind nur bedingt geeignet, weil der Körper dabei leicht überfordert wird und weil die Wettkampfsituationen den Einzelnen oft dazu verleiten, an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit zu gehen. Sportarten, die Muskeln oder Körperteile einseitig beanspruchen, bei denen Sie gepresst atmen und sich kurzfristig sehr anstrengen müssen, sind ebenfalls nicht zu empfehlen. Diese isometrischen Sportarten, wie zum Beispiel Gewichtheben und Ringen, fördern zwar die Bildung starker Muskeln, aber sie sind für den Kreislauf nutzlos und können für Menschen mit Herzkrankheiten oder hohem Blutdruck sogar schädlich sein. Entscheidend ist auf jeden Fall, dass Sie nicht verbissen und missmutig Ihre körperlichen Aktivitäten ausüben. Das hat wenig Nutzen, denn alles, was zum Stress wird, kann sich wieder negativ aufs Herz auswirken.

Welche Rolle spielt das Alter bei Sport? Sollte man es im Alter etwas ruhiger angehen lassen?

Dr. Bruder: Gerade im zunehmenden Alter hat Sport eine sehr positive Wirkung auf unseren Körper. Denn neben den schon genannten positiven Effekten beugt körperliche Aktivität zum Beispiel auch Osteoporose, Depressionen und einigen bösartigen Tumoren vor. Im Alter besteht natürlich eine höhere Verletzungsgefahr und auch das Infarktrisiko steigt. Deshalb sollte man mit sportlichen Aktivitäten immer langsam anfangen und auch regelmäßig den Arzt aufsuchen. Wichtig für alle über 40jährigen ist es auch, die Symptome eines Herzinfarktes zu kennen, um im Falle eines Falles richtig darauf reagieren zu können. Menschen, die bereits einen Infarkt erlitten haben, müssen deshalb nicht auf Sport verzichten. Ganz im Gegenteil: Durch die positiven Effekte der körperlichen Aktivitäten kann ein Fortschreiten der Gefäßverkalkung aufgehalten werden. In den meisten Städten gibt es heute so genannte Herzsportgruppen. Hier treffen sich Betroffene zwei- bis dreimal in der Woche, um unter ärztlicher Aufsicht Sport zu treiben. Der Arzt überwacht bei diesen Treffen, dass sich die Freizeitsportler nicht übernehmen und hat alles dabei, was für eine eventuelle Notfallbehandlung notwendig ist.

Wie kann man seinen Alltag sonst noch gestalten, um Gesundheitsprävention für sein Herz zu betreiben?

Dr. Bruder: Bringen Sie insgesamt mehr Bewegung in ihren Alltag. Verzichten Sie auf den Fahrstuhl und nehmen Sie die Treppe, lassen Sie das Auto mal stehen und legen Sie kleine Entfernungen wieder zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück. Auch solche kleinen körperlichen Aktivitäten summieren sich über den Tag und tragen dazu bei, unseren Körper fit zu halten. Neben der ausreichenden Bewegung sollte außerdem auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung geachtet und auf Nikotinkonsum verzichtet werden. Wenn Sie diese drei Punkte beachten, haben Sie eigentlich schon alles getan, um Ihren Körper und ganz besonders Ihr Herz fit zu halten.

QUELLENANGABEN

  • EKE - Elisabeth-Krankenhaus Essen
  • Weitere Informationen zum Zentrum für Präventionsmedizin BodyGuard! finden Sie unter: www.bodyguard-essen.de
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